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Tierschützer:innen machen auf dem Opernplatz auf das Leid der Tiere in der Schweinezucht aufmerksam.

Tierwohl

Frankfurt: Protest gegen Schweinezucht und und Zuchttiere an der Oper

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Tierrechtler zeigen bei ihrem Protest an der Alten Oper, wie Tiere auf engstem Raum gehalten werden. Bundesweit sind am Samstag Menschen auf die Straße gegangen, um auf das Leid der Zuchttiere aufmerksam zu machen.

Die Blicke Richtung Brunnen gerichtet, sitzen sie stumm auf dem kalten Steinboden vor der Alten Oper in Frankfurt. Viele Passanten, die den Opernplatz am Samstagnachmittag überqueren, schauen neugierig und bleiben teilweise auch stehen. Rund 30 Frauen und Männer versuchen mit ihrem stillen Protest bei der „Mahnwache gegen Ausbeutung in der Schweinezucht“ auf das Leid der Zuchttiere aufmerksam zu machen. Sie prangern den „Kastenstand, bei dem Zuchtsäue in engen Käfigen gehalten“ würden, an. Um die geringe Größe der Käfige zu verdeutlichen, haben die Aktivisten Rechtecke mit weißer Kreide auf den Boden gezeichnet. „200 Zentimeter mal 70 Zentimeter, so viel Platz hat eine Zuchtsau im Kastenstand“, sagt Daniel Bothe, von der Initiative „Aktiv gegen Speziesmus“, die den bundesweit stattfindenden Protest in Frankfurt organisiert hat.

Frankfurt: Das Leid der Tiere in Käfigen am Opernhaus in Frankfurt dargestellt

In jedes dritte Rechteck hat sich ein Mensch gesetzt, mit ausreichend Abstand zu den anderen und einem Schild, auf dem Zahlen und ein Barcode abgebildet sind – ähnlich der Tierkennzeichnung. Alle tragen Mund-Nasen-Bedeckung und haben zwischen Boden und Gesäß mitgebrachte Decken und Isomatten geschoben.

Bothe, der mit mobilem Lautsprecher auf der Treppe zum Opernhaus steht, ruft durch ein Mikro: „Ich habe ein WG-Zimmer mit 16 Quadratmetern“ und weiter: „Stellt euch vor, ihr müsst euch das mit 20 anderen teilen.“ Dies sei Realität für 60 Millionen Schweine in Deutschland. In den Ställen stinke es „nach Ammoniak, der die Atemwege verätzt“. Krankheiten seien doppelt so häufig als bei anderen Haltungsformen. Nicht mal umdrehen könnten sich die Tiere in diesen Käfigen. „Die einzige Beschäftigungsmöglichkeit ist, an der Stange zu nagen, die sie einsperrt“, fügt der 26-jährige Student hinzu.

Aktivistin in Frankfurt über Tierzucht: „Erdrückend, einengend, einfach grausam“

Sabrina Trenk sitzt mit angewinkelten Beinen auf dem Boden, hinter sich ihre Tasche und eine Thermoskanne mit Tee. Ihre Knie ragen über die weiße Markierung hinaus. „Erdrückend, einengend, einfach grausam“: So stelle sie sich die Empfindungen vor, die Schweine derart zusammengepfercht haben müssten. Seit drei Jahren lebe sie vegan. „Ich glaube, wie ziemlich alle hier“, sagt die 37-Jährige und blickt sich zu den anderen Teilnehmenden um. Ein älterer Mann, der sein Rad vorbei schiebt, spricht sie auf die Aktion an. Als „mächtiges Schweigen“ beschreibt der 68-Jährige, der nicht namentlich zitiert werden möchte, die Mahnwache. Er unterstütze den Protest, „weil ich das auch nicht akzeptiere, was hier passiert“, sagt er.

Ein Paar, das stehen geblieben ist und zugehört hat, kommt ins Diskutieren. „Ich finde gut, dass das hier gemacht wird“, sagt Samira Charkaoui. Sie habe bei ihrer Ernährung „einiges umgestellt“, kaufe etwa keine Gummibärchen mehr. Ihr Begleiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt, er wolle die Aktion „nicht kleinreden“. Er verweist jedoch auf Wirtschaftlichkeit bei der Tierhaltung, was sich auf Preise niederschlagen würde. „Biofleisch für 20 Euro“ könne sich nicht jeder leisten.

Auf diesen Einwand angesprochen, sagt Daniel Bothe: „Es ist heute nicht mehr notwendig Fleisch zu essen.“ Der Marburger sieht sich als „Tierrechtler“, nicht als „Tierschützer“. Anders, als etwa der „Deutschen Tierlobby“, die den bundesweiten Aktionstag gegen den Kastenstand organisiert hat und lediglich Haltungsbedingungen verbessern wolle, ginge es Tierrechtlern um die „Befreiung aller Tiere und die Abschaffung der Nutztierhaltung“. Prisca Kranz aus Hamburg sieht das ähnlich. Die 33-Jährige besucht Freund Thiemo Klein. Sie seien zufällig am Opernplatz vorbeigekommen. Die Veganerin sagt: „In der westlichen Welt haben wir den Luxus, uns aussuchen zu können, ob wir Fleisch essen.“ Klein, der ebenfalls ohne tierische Produkte lebt, sagt: „Ernährung ist einer der größten Einflussfaktoren auf den Klimawandel.“ Der 33-jährige Frankfurter kann sich auch vorstellen, auf dem Boden für Tierrechte auszuharren. Die Aktivisten vor der Alten Oper bleiben für mehrere Stunden, bis nach Einbruch der Dunkelheit, sitzen.

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