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Frankfurt: Als der HR einst auf Sendung ging

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Von: Anja Laud

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Besucher:innen können Hörfunk-- und Fernsehbeiträge abrufen.
Besucher:innen können Hörfunk-- und Fernsehbeiträge abrufen. © Museum für Kommunikation Frankf

Eine Ausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt beleuchtet die Geschichte des Hessischen Rundfunks.

Oberbürgermeister Walter Kolb war sich so sicher, dass Frankfurt Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland wird, dass er für den Hessischen Rundfunk (HR), noch bevor die Entscheidung fiel, eine entsprechende Rede einsprach. Da Bonn 1949 jedoch den Zuschlag bekam, wurde sie vom Sender nie ausgestrahlt. In Teilen ist sie jetzt aber im Museum für Kommunikation in Frankfurt zu hören. Dort ist gestern die Ausstellung „Funk für Fans. Hessische Rundfunkgeschichten“ eröffnet worden, die die Geschichte des HR beleuchtet.

„Funk für Fans“ ergänzt die Ausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“, die seit Ende des vergangenen Jahres im zweiten Obergeschoss des Hauses am Schaumainkai 53 zu sehen ist. „Während wir mit ,On Air’ den großen Bogen der Radiogeschichte spannen, richten wir mit .Funk für Fans’ das Augenmerk auf die regionale Rundfunkgeschichte“, sagte Museumsdirektor Helmut Gold vor der Eröffnung der Ausstellung, die in Kooperation mit dem HR entstanden ist.

Für „Funk für Fans“ hat der Sender sein Archiv geöffnet, das sonst nur von Mitarbeiter:innen des Senders oder Wissenschaftler:innen genutzt werden kann. Neben der genannten Rede von OB Walter Kolb finden sich in der Ausstellung viele Text-, Bild- und Tondokumente, die an die geschichtliche Entwicklung und an besondere Programmereignisse erinnern. Beispielsweise kommt in der Präsentation Golo Mann, Sohn des Schriftstellers Thomas Mann und Soldat der US-amerikanischen Armee, zu Wort, der 1945 bei Radio Frankfurt, einem Vorläufer des HR, Kontrolloffizier war. „Es freut mich, dass unser Archiv so tolle Schätze hat“, sagte HR-Programmchef Martin Lauer.

Ausstellung

„Funk für Fans: Hessische Rundfunkgeschichten“ ist von heute an bis zum 4. September im Museum für Kommunikation in Frankfurt zu sehen.

Die Schau ergänzt die Ausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“, die im Haus am Schaumainkai 53 bis 28. August zu sehen ist.

Zu beiden Ausstellungen gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. lad

www.mfk-frankfurt.de

Der HR, seit 2. Oktober 1948 eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die nach dem Hessischen Rundfunkgesetz ausdrücklich „nicht der Staatsaufsicht“ unterliegt, machte früh mit innovativen Formaten und Sendungen auf sich aufmerksam, beispielsweise mit dem legendären „Abendstudio“ und dem „Funkkolleg“, neben dem Deutschen Jazzfestival und der Popwelle HR3 zwei der insgesamt vier Themenschwerpunkte der Ausstellung.

„Das Abendstudio war ein Angebot für anspruchsvolle Hörer, das über 50 Jahre im Programm lief“, erzählt HR-Archivarin Sabine Jansen. In den Anfangsjahren wurde es von dem Schriftsteller Alfred Andersch geleitet, der in die Sendung einlud, was in der Nachkriegszeit in Kunst und Kultur Rang und Namen hatte.

Das „Funkkolleg“ startete im Jahr 1966 als ein „Experiment zur Überwindung der Bildungsbarrieren“, um Hörer:innen ohne Abitur den Zugang zur Universität zu ermöglichen. Es war so erfolgreich, dass andere Sender sich dem Funkkolleg anschlossen.

Der HR profitierte übrigens davon, dass Frankfurt nicht Bundeshauptstadt wurde. Er zog im Juni 1951 nach einem Umbau in den Rundbau, der als Plenarsaal für den Deutschen Bundestag gedacht gewesen war. Bis heute ist das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude Sitz und Sendezentrale des HR.

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