Zertifikat

Ausgezeichnete Barrierefreiheit

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Frankfurt darf sich nun „Barrierefreier Touristenort“ nennen. Als erste Kommune in Hessen, als fünfte Stadt in Deutschland. Auch einzelne Betriebe wurden ausgezeichnet.

Auch ganz ohne Pandemie ist Reisen für Menschen mit Behinderung oft nicht einfach. Viele Hürden lauern. Mal sind es Stufen, die zum Museumseingang führen, mal weit oben angebrachte Knöpfe im Hotelfahrstuhl. Herauszufinden, ob das Hotel oder die Sehenswürdigkeit für die eigenen Bedürfnisse passend ist, bedeutet viel Arbeit. In Frankfurt können sich Gäste aber nun sicher sein, genaue Informationen leicht zu finden: Die Stadt ist am Mittwochmorgen als „Barrierefreier Tourismusort“ zertifiziert worden. Als erste Kommune in Hessen.

Reisen für alle

Das Zertifikat „Reisen für alle“ haben 24 Unterkünfte, Gastronomien und Sehenswürdigkeiten in Frankfurt erhalten. Sie haben spezielle Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Beherberbungsbetriebe: Hotel Scandic Museumsufer, Intercity Hotel Hauptbahnhof-Süd, Best Western Friedberger Warte, Innside Ostend, Hyatt Place Airport, Aparthotel Adagio Messe, die Jugendherberge

Gastronomie: Restaurant Magarete, Café Utopia, Café Siesmayer, Wirtshaus Depot 1899, Restaurant Emma Metzler, Restaurant Oosten

Museen: Museum für Kommunikation, Struwwelpeter Museum, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, Museum Angewandte Kunst, Historisches Museum

Weitere Sehenswürdigkeiten: Palmengarten, Paulskirche, Kaisersaal im Römer, Goethehaus, Main Tower, Tourist-Information Hauptbahnhof

Frankfurt ist damit bundesweit die fünfte Stadt, die sich „Barrierefreier Tourismusort“ nennen darf. Voraussetzung ist, dass die Stadt Angebote für Menschen mit Geh-, Seh- oder Hörbehinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen schafft. Damit hat Frankfurt bereits vor zehn Jahren begonnen. Damals habe man angefangen, „alle unsere Leistungen nach Barrierefreiheit zu durchleuchten“, sagte Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus- und Congress-Gesellschaft, am Mittwoch bei der Zertifikatsübergabe im Historischen Museum. Touristen-Information, Broschüren und Stadtführungen etwa – die dann barrierefrei umgebaut, aufgelegt, angepasst wurden. Jetzt, nach zehn Jahren und der Auszeichnung, „sind wir weit mit der Barrierefreiheit, aber es steckt noch mehr drin in der Stadt“.

Die Auszeichnung vergibt das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin, das vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt wird. Das DSFT hat das bundesweit gültige Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ entwickelt. Dabei werden Unterkünfte, Gastronomien und Sehenswürdigkeiten auf Barrierefreiheit nach klaren Qualitätskriterien bewertet. Am Mittwoch erhielten 24 Frankfurter Betriebe das Zertifikat „Reisen für Alle“. Auf deren Portal kann jeder nach barrierefreien Angeboten in Deutschland suchen, bekommt verlässliche Auskünfte.

Die Zertifikate sind auch Voraussetzung für die Auszeichnung der Stadt. „Sie bündelt das“, sagte Rolf Schrader vom DSFT. Es mussten etwa thematische Urlaubsangebote zusammengefasst werden, um Gäste zu inspirieren und auf ausgezeichnete Orte aufmerksam zu machen. Zum Beispiel durch Angebote wie „Frankfurt historisch“ oder „Frankfurt demokratisch“. „Nicht viele Städte nehmen diese Strapazen auf sich.“

Überreicht hat all die Auszeichnungen Wirtschaftsstaatssekretär Philipp Nimmermann. „Der ganzheitliche Ansatz ist wichtig für den Tourismus, vor allem für den inklusiven“, sagte er. „Ich hoffe, andere folgen dem Weg.“ Und Feda versprach ihm: In drei Jahren, denn nur so lange ist das Zertifikat gültig, werde man in Frankfurt noch mehr als 24 Betriebe zusammenhaben.

Das Zertifikat ist für Betriebe „das i-Tüpfelchen“, sagte Michael Mauersberger, Direktor des Best Western an der Friedberger Warte. Seit 2005 sei das Hotel barrierefrei, gebe es mit dem Rollstuhl zugängliche Duschen, breite Türen, große Tasten in den Fahrstühlen. Mit dem Zertifikat könne man die Barrierefreiheit „nun besser kommunizieren“. Für Andreas Spitzner, Direktor des Innside Ostend, war auch wichtig, dass die Mitarbeiter für das Zertifikat geschult werden mussten. „Damit sie besser verstehen, was die Bedürfnisse der Gäste sind“, sagte er. Und sie hätten ein Bewusstsein für die Angebote des Hotels erlangt. Dass es etwa Stockwerk-Durchsagen im Fahrstuhl gibt, „Oder dass die Küche auf Lebensmittelunverträglichkeiten eingeht“, sagte Spitzner. „Das hatte ich selbst nicht auf dem Schirm.“

www.reisen-fuer-alle.de

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