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Frankfurt: Als Bankräuber noch rauchen durften

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Von: Stefan Behr

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Das Landgericht verhandelt einen Überfall auf die Dresdner Bank, die es im Juli 2000 ja auch noch gab.

Es ist eine Geschichte aus alten Zeiten, in denen alles besser war. Daran erinnert am Dienstagmorgen vor dem Landgericht gleich zu Prozessbeginn der Verteidiger von Jorge A.: „Damals wurden noch Zigaretten geraucht und es standen Aschenbecher in jeder Bankfiliale.“

Allerdings ist sein 50 Jahre alter Mandant ja nicht angeklagt, weil er in einer Bank geraucht hat, sondern weil er eine überfallen haben soll. Am Morgen des 26. Juli 2000, so die Anklage, begibt sich A. mit drei bis heute unbekannten Komplizen mit einem zuvor geklauten Opel in die Dresdner-Bank-Filiale in der Eschersheimer Landstraße. Mit geladenen Schreckschusswaffen und einer gut gebastelten Bombenattrappe bedrohen die mit Sturmhauben maskierten Räuber Bankangestellte, Filialleiter und eine Kundin. Das von einer Kassiererin in bewundernswerter Kaltschnäuzigkeit angebotene Hartgeld lehnen sie dankend ab, sie sind vielmehr am Inhalt des Tresors interessiert, den sie dann auch ausgehändigt bekommen.

Das Quartett entkommt mit einer Beute von mehr als 180 000 D-Mark. Das Fluchtauto wird kurz darauf in der Rhaban-Fröhlich-Straße gefunden, im Innenraum ein paar Klamotten, auf denen sich unter anderem DNA-Spuren von Jorge A. befinden – nur kann die Polizei damals noch nichts mit denen anfangen.

Doch knapp 20 Jahre später, kurz vor Ablauf der Bewährungsfrist, wird seine DNA dem Chilenen zum Verhängnis. Zusammen mit zwei Landsleuten hatte er in Berlin und Brandenburg mehrere freistehende Einfamilienhäuser ausgeräumt. Hauptsächlich hatten es die Räuber auf Schmuck, Bargeld, Kreditkarten und Computerspiele abgesehen – wobei sie zumindest die Computerspiele ihren Familien in Chile als Geschenke schickten. Das Landgericht Potsdam hatte Jorge A. im Dezember 2018 wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt, die er derzeit absitzt.

Momentan allerdings im Gefängnis von Preungesheim, damit ihm in Frankfurt der Prozess gemacht werden kann. Denn mit der Einbruchsserie kam auch A.s DNA wieder ins Spiel, und plötzlich war der alte Fall aktuell, der sich in Zeiten ereignet hatte, als noch Dresdner-Bank-Filialen existierten, in denen es Deutsche Mark und Aschenbecher gab.

Zu den Tatvorwürfen will A. sich nicht äußern, er macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der Prozess wird fortgesetzt, bislang hat die 6. Große Strafkammer vier Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil wird, wenn alles glattgeht, für den 22. März erwartet.

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