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Virtuelle Stadträtin: Ina Hartwig beim computergestützten Krisen-Waldspaziergang als Tier mit Höchster Schülern.

Ausstellung

Frankfurt: Alle unsere Krisen

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Kunst und Wissenschaft treffen sich bald in der Ausstellung „Making Crises Visible“. Es geht auch um die Frage, ob wir Krisen und Konflikte für unsere Zukunft brauchen.

Eine Krise kann plötzlich auftreten. Etwa wenn Felix Kosok von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) dem gespannten Publikum am Montag gerade vorführen will, um was es geht – und in dem Moment stürzt sein Computer ab. Doch diese Krise lässt sich durch einen einfachen Neustart lösen.

Was bei anderen Krisen hilft, bei den globalen, den wirklich bedrohlichen, könnte das Projekt „Making Crises Visible“ zeigen („Krisen sichtbar machen“), eine Gemeinschaftsarbeit der HfG, der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Sie gipfelt in einer großen Ausstellung vom 12. Februar an.

DIE AUSSTELLUNG

„Making Crises Visible“ beginnt am Mittwoch, 12. Februar, im Senckenberg-Naturmuseum und ist dort bis zum 2. Juni zu sehen.

Themen der Sonderausstellung sind Krisen, Krieg und Konflikte und der Umgang damit – auch der kreative. Künstler und Wissenschaftler widmen sich den Problemen mit Bildern, Filmen, Texten und Gesprächen.

Informationen und Eindrücke unter https://makingcrisesvisible.com.

Wie macht man also Krisen sichtbar, was wird die Ausstellung bringen? 50 künstlerische Arbeiten der HfG-Studierenden beispielsweise. Kosok wirft nach geglücktem Neustart ein paar Eindrücke an die Wand: Da wird US-Präsident Donald Trump eine gewisse Rolle spielen, in grellen Farben. „Wir haben Grafiker gebeten, neue Memes zu gestalten“, sagt Kosok. Memes, das sind Internet-Inhalte, meist Bilder, die kurze Botschaften transportieren. Hier: Trump und die Beschreibung „The Face of Apathy“ („Das Gesicht der Apathie“).

Trump als ein Gesicht der Krise der liberalen Weltordnung, die die HSFK in dem Projekt thematisieren wird. Trump auch als Urheber der „alternativen Fakten“, als Wegbereiter einer Gesellschaft, in der Meinungen inzwischen mehr zu zählen scheinen als die Wahrheit.

Wann Trump begann, seine eigene Weltsicht zu verbreiten, lässt sich zurückverfolgen. Bei anderen Krisen sei es oft nicht so einfach, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem es eskaliert, sagt Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes HSFK-Vorstandsmitglied, den jungen Besuchern. Die Politik-Leistungskurse des Höchster Friedrich-Dessauer-Gymnasiums informieren sich am Montag über die kommende Ausstellung, und sie haben auch Fragen. Stichwort Combat18, die gerade verbotene Neonazi-Organisation: Wie wir mit Radikalismus umgehen sollten, den Grundsatz der Meinungsfreiheit im Hinterkopf, fragt eine junge Frau. „Da geht es um Grenzen“, antwortet Christopher Daase vom HSFK-Vorstand, „um die Frage: Ab wann ist man radikal?“ Grundsätzlich sei Radikalismus nichts Schädliches, sagt er. Die Gesellschaft müsse Dinge durchaus radikal infrage stellen, um sich selbst weiterzuentwickeln. „Aber wenn Grenzen überschritten, wenn Menschenrechte verletzt werden, wenn es hinübergeht in Extremismus – dann wird’s kritisch.“

Das wird im Projekt zur Sprache kommen. Und Interviews mit Geflüchteten werden zu sehen sein. Und mit Virtual-Reality-Brillen durch den virtuellen Wald gehen können Ausstellungsbesucher, als Tier, das irgendwann auf einen Menschen trifft und sich ihm stellt. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) probiert es am Montag gemeinsam mit den Schülern aus, überwindet eine Krise („Ich komme nicht vorwärts als Tiger“) und gewinnt schließlich Raum. Die Stadträtin hinterlässt eine Videobotschaft fürs Projekt, sie soll bald auf der Krisen-Internetseite zu sehen sein.

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