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Vor dem Luxushotel Sofitel haben die Aktivisten von „Eine Stadt für Alle“ am Samstag demonstriert.

Wohnen

Frankfurt: Aktivisten fordern leerstehende Hotelzimmer für Wohnungslose

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Aktivisten von „Eine Stadt für alle“ und der „Seebrücke Frankfurt“ demonstrieren in der Innenstadt für bessere Unterkünfte für Wohnungslose und Geflüchtete in Zeiten von Corona.

Auf dem Koffer eines jungen Aktivisten steht mit weißer Sprayfarbe „Leave no one behind“, also „lass niemanden zurück“. Der junge Mann steht am frühen Samstagnachmittag mit Mundschutz und Mindestabstand nach den Corona-Verordnungen bei Demonstrationen in einer Schlange von 50 Menschen vor dem Luxushotel Sofitel unweit der Alten Oper. Mehr als 50 Menschen dürfen sich aktuell nicht bei Demonstrationen versammeln.

Auf dem Rücken eines anderen Herren klebt ein orangefarbenes Papier, auf dem zu lesen ist: „Schutz vor Corona braucht ein Zuhause“. Die Aktivisten des Bündnisses „Eine Stadt für Alle“ fordern von der Stadtregierung „eine Öffnung der weitgehend leerstehenden Hotels und Mikroapartments für wohnungslose sowie geflüchtete Menschen“ in den Corona-Zeiten. Die Aktivisten haben Umzugskartons und Koffer dabei. Sie haben sogar eine symbolische Rezeption vor der Hotelauffahrt aufgebaut.

„Gerade jetzt sind wohnungslose Menschen und geflüchtete Familien und Frauen besonders schutzbedürftig. Sie übernachten auf der Straße, wo sie schutzlos dem Virus ausgesetzt sind oder leben unter katastrophalen Hygienestandards in Sammelunterkünften“, sagt Phuong Thanh Tran, Aktivistin bei „Eine Stadt für Alle“. Parallel demonstrieren auch die Aktivisten der „Seebrücke“ vor dem Fleming’s Hotel am Eschenheimer Turm und wenige Stunden zuvor am Deutschherrnufer vor dem Haus der Jugend mit den gleichen Forderungen.

Aktivistin: absolut unzureichend

Eine Passantin bleibt kurz stehen, als sie an der Demonstration am Opernplatz vorbeiläuft. Sie sagt zu einer Aktivisten: „Auch ich habe mir viele Gedanken gemacht. Denn die armen Menschen in Frankfurt, haben auch schon ohne dieses Corona-Gedöns ein abartig hartes Leben.“

Aktivistin Phuong Thanh Tran betont: „Es ist absolut unzureichend, dass die Stadt im Zuge der Corona-Krise bisher erst einige wenige wohnungslose Menschen in Hotelzimmern untergebracht hat, die sich bereits infiziert haben oder unter Corona-Verdacht stehen. Etwa 100 Menschen pro Nacht schlafen weiterhin in der B-Ebene des Eschenheimer Tors – ein effektiver Schutz vor der Ausbreitung des Virus sieht anders aus.“

Die Unterbringung in den Hotels oder in Jugendherbergen wäre nur eine Zwischenlösung, um die Menschen zumindest präventiv unterzubringen. Langfristig bräuchten die Menschen eine „richtige Wohnung“ mit eigener Küche und Badezimmer. Aktivistin Mira Lauth sagt: „Wir stehen hier vor dem Luxushotel Sofitel als Symbol, weil eben in Frankfurt vorwiegend Luxuswohnungen gebaut werden, die sich auch nicht die Mittelschicht leisten kann.“

Viele leerstehende Häuser

Sie bemängelt: „Dass Oberbürgermeister Peter Feldmann in den letzten Wochen mit Hilfsorganisationen jetzt ein bisschen Wasserflaschen und Essen an Wohnungslose verteilt hat, ist wie ein bisschen über die Wangen streichen. Das reicht nicht.“

Auch Teil der Demo sind die Aktivisten vom Project Shelter. „Am Donnerstag planen wir eine eigene Aktion vor dem seit Jahren leerstehenden Paradieshof in Alt-Sachsenhausen. Wir wollen zeigen, dass es genug leerstehende Häuser in der Stadt gibt, wo man nur den Schlüssel rumdrehen müsste, um sie zu öffnen“, sagt eine Aktivistin von Project Shelter.

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