1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Aktionstage in Vorbereitung

Erstellt:

Von: George Grodensky

Kommentare

Gespräch im Bockenheimer Studierendenhaus. Es gilt, gemeinsam Probleme zu lösen.
Gespräch im Bockenheimer Studierendenhaus. Es gilt, gemeinsam Probleme zu lösen. © christoph boeckheler*

Studierendenschaften aus ganz Deutschland haben in Frankfurt ein Netzwerk geknüpft. Sie reagieren auf die zunehmende Verarmung von Studierenden.

Die Not ist groß unter Studierenden. Die Stimmung ist nicht gut. Geradezu „frustriert“ sind sie, sagt Rahel Schüssler vom Freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs). Aus ganz Deutschland haben sich Studierenden-Vertretungen gestern zum Krisengipfel in Frankfurt getroffen. Ihr Ziel: aktiv werden, bevor ihnen der Strom abgestellt wird.

Die Versammlung vertritt die Interessen von rund 100 000 Studierenden. Findet aber auch, dass ihre Themen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz sind. Entsprechend schwer fällt die Formulierung eines Abschluss-Communiqués, nach zähem, fünfstündigen Ringen im Festsaal des Studierendenhauses in Bockenheim. Wichtig ist: Die Hochschulen sollen offen bleiben, sie sollen ausfinanziert sein, die Studierenden sollen aber auch finanziell entlastet werden. Aber ohne dass gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt würden, die Nöte von Seniorinnen und Senioren gilt es ebenso zu beachten wie die von Alleinerziehenden.

Zunächst gilt es, die unterschiedlichen Probleme im Plenum abzufragen. An der Uni in Erfurt ist wochenends zum Beispiel die Bibliothek geschlossen. „Für alle, die Hausarbeiten schreiben, eine Zumutung“, sagt Sebastian Zuchrau vom fzs. Andernorts sparen die Nahverkehrsverbände bei den Studi-Tickets, verkleinern zum Beispiel den Geltungsbereich. Mensen erhöhen die Preise.

„30 Prozent der Studierenden leben in Armut“, sagt Pia Troßbach vom Frankfurter Asta. Das Bafög reiche mit 934 Euro hinten und vorne nicht, zumal lediglich elf Prozent der Studierenden Bafög erhielten. Bei Frankfurter Mietpreisen. „Schon vor der Krise haben WG-Zimmer in Frankfurt im Schnitt 500 Euro gekostet.“

Deutschlandweit zahlen Studierende durchschnittlich 435 Euro im Monat fürs WG-Zimmer. Das sind 44 Euro mehr als vor einem Jahr. Eine „deutliche Zunahme um 11,4 Prozent“ attestiert das Moses Mendelssohn Institut, das die Daten mit dem Immoportal WG-Gesucht.de und Projektentwickler GBI erhoben hat.

München ist demnach Spitze. Dort stiegen die WG-Mieten binnen Jahresfrist von 620 Euro um 12,9 Prozent auf 700 Euro. 2019 haben MMI und WG-Gesucht.de mit 7,1 Prozent die bisher deutlichste bundesweite Mietensteigerung für Studierende dokumentiert. „Diesmal toppt die Veränderung aber alles bisher Dagewesene“, sagt Stefan Brauckmann, Geschäftsführender Direktor am MMI.

„Die Inflation verschärft soziale Ungleichheiten“, klagt Antonia Peikert vom Asta der Uni Hamburg. „Es sind Güter von existenzieller Bedeutung, deren Kosten extrem steigen.“ Studierende hätten kaum mehr Mittel, Lebensmittel und Wohnen zu finanzieren. Eine „massive Erhöhung und Ausweitung des Bafög“ fordert Peikert. Darüber hinaus müssten Energie- und Wohnungsmarkt reguliert werden.

„Bereits in der Pandemie wurden wir im Stich gelassen“, moniert Sandro Philippi vom Bündnis „Lernfabriken meutern!“. Hochschulen gehörten zu den gesellschaftlichen Bereichen, die am längsten geschlossen blieben. „Nun drohen uns wieder Schließungen von Bildungseinrichtungen oder verkürzte Öffnungszeiten.“ Dabei spare das keine Energie. „Schließlich werden wir so gezwungen, Strom und Heizungen in unseren schlecht isolierten Zimmerchen laufen zu lassen.“

Aus Frustration kann etwas wachsen, sagt Rahel Schüssler schließlich noch. Das erste Ziel ist erreicht, die Studierendenvertretungen haben sich stärker vernetzt. Resigniert hat noch niemand. Eher sich ausgetauscht, welche Aktionsformen in den vergangenen Jahren funktioniert haben. Die lange Zeit verfolgte Strategie, Probleme im Dialog mit den Hochschulpräsidien anzugehen, sehen viele Vertretungen inzwischen als gescheitert an, resümiert Zuchrau. Die Unileitungen hören zu, es passiert aber nichts. Manche Länder sparen ihre Hochschule auch kaputt, sagt Schüssler. „Dennoch verstehen sich die Unis nicht als Partnerinnen der Studierenden.“

Als nächstes steht die Formulierung eine gemeinsamen Stellungnahme an. Und die Planung von Aktionen.

Auch interessant

Kommentare