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Frankfurt: Ärger über Baumfällungen auf Siemens-Areal in Rödelheim

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Für das künftige Schönhof-Viertel müssen Gehölze fallen. 85 Fällgenehmigungen hat die Behörde erteilt. Anwohner zählen aber 483 Bäume auf dem Areal.

Tobias Jörgens ist fassungslos. Regungslos steht er an seinem Fenster an der Rödelheimer Landstraße, schaut entgeistert auf die Zerstörung vor der Haustür. „An die neue Umgebung muss ich mich erst einmal gewöhnen“, sagt er trocken. Mit schwerem Gerät haben Arbeiter am Mittwoch Bäume gefällt, „einfach abgeknickt und weggeräumt“. 40 oder 50, schätzt der Anwohner.

Der Holzeinschlag gehört zu den ersten Arbeiten am künftigen Schönhof, dem früheren Siemensgelände südlich der Rödelheimer Landstraße. Noch ist dort eine Brache, nur zum Teil mit Gewerbe- und Industriegebäuden bebaut. Der siegreiche städtebauliche Entwurf sieht dort unter anderem 2000 Wohnungen, fünf Kindertagesstätten und eine Grundschule in Hybridbauweise (Wohnhaus mit Schule im Erdgeschoss) vor.

Einen Tag zuvor ist Jörgens in die Sitzung des Ortsbeirats 7 geeilt, um Alarm zu schlagen. Der Anwohner und seine Nachbarn fürchten um den Baumbestand auf dem Gelände. 483 Bäume habe er dort gezählt, berichtete Jörgens in der Sitzung am Dienstagabend: „Das sind in vielen Jahren gewachsene Bäume. Wenn ich mir die Pläne anschaue, werden davon nach Ende der Bebauung nur sechs erhalten bleiben.“

Park soll Ausgleich schaffen

Angesichts der sich im Zuge des Klimawandels immer stärker aufheizenden Innenstädte und der Forderung nach mehr Grün zeigten sich Jörgens und ein weiterer Nachbar sehr irritiert, dass in dem neuen Viertel so viele Bäume gefällt werden sollen.

Für rund 80 davon sollten Fällgenehmigungen vorliegen, bevor die Stadtverordnetenversammlung überhaupt über den Bebauungsplan entschieden habe, kritisierte der andere Anwohner und fragte: „Haben Sie als Ortsbeirat überhaupt verstanden, was Sie damals beschlossen haben?“ Die Stadtteilpolitiker zeigten sich über die von den Anwohnern genannte Zahl durchaus verwundert. „Ich weiß, dass für einige Bäume eine Fällgenehmigung erteilt wurde“, sagte SPD-Fraktionschef Hans-Jürgen Sasse, betonte aber zugleich: „Ich bin heilfroh, dass endlich gebaut und Wohnraum geschaffen wird. Dazu stehen wir.“ Eine Position, der sich FDP-Fraktionsvorsitzender Sebastian Papke anschloss: „Wir brauchen den Wohnraum. Trotz der Verdichtung bleibt viel Raum für Grün.“

Das Fällen der 85 Bäume durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) „wurde im Zuge der Abbruchgenehmigung von bestehenden Gebäuden genehmigt“, berichtet Martin Müller, Sprecher des Umweltamts, bei dem die UNB angesiedelt ist. Laut eines Gutachtens der UNB handele es sich bei den 85 Bäumen um junge und mittelalte Bäume, die teils geschädigt und nicht besonders schützenswert seien.

„Das sind formale Aspekte, an die wir uns halten müssen. Daher war keine andere Entscheidung möglich“, erklärt Müller. Allerdings besteht die Auflage, vor Ort Ersatz zu pflanzen. Dass für das Schönhof-Viertel weitere 400 Bäume gefällt werden müssen, kann Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), nicht bestätigen: „Bei dem Areal handelt es sich heute um ein gewerblich genutztes Gebiet, das in ein Mischgebiet mit Wohnen als Schwerpunkt umgewandelt wird. Wir haben einen großen Druck auf dem Wohnungsmarkt, so dass wir handeln müssen.“

Vor allem werde vor Ort Ausgleich geschaffen: Neben den Ersatzpflanzungen soll ein 27 000 Quadratmeter großer Park als Mittelpunkt des neuen Viertels entstehen.

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