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FRankfurt: Ältere Menschen schützen

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Von: Steven Micksch

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Das Trinken ist essenziell, um die heißen Tage gut zu überstehen. Bewohnerin Marion Krämer aus dem Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum macht es richtig.
Das Trinken ist essenziell, um die heißen Tage gut zu überstehen. Bewohnerin Marion Krämer aus dem Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum macht es richtig. © ROLF OESER

Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und soziale Angebote haben ein besonderes Augenmerk auf besonders gefährdete Personengruppen.

Die kommenden Tage werden heiß. Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius und kein Regen in Sicht – eine Belastung für Mensch, Tier und Natur. Ältere Menschen, solche mit Vorerkrankungen und auch kleine Kinder gelten bei diesen Temperaturen als besonders gefährdet. Der deutsche Wetterdienst in Offenbach hat eine Warnsituation ausgerufen, weil die gefühlte Temperatur mindestens zwei Tage lang in Folge mehr als 32 Grad Celsius betragen soll.

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat reagiert und über die Leitstelle des Rettungsdienstes die Frankfurter Krankenhäuser informiert. „Gleichzeitig wird eine Situation mit zu erwartender besonderer Hitzebelastung auch per Information an die Frankfurter Alten- und Pflegeheime übermittelt“, berichtet eine Sprecherin des Gesundheitsamtes. Diese Häuser haben entsprechende Hitzekonzepte, die das Gesundheitsamt bei Begehungen jedes Jahr abfragt und evaluiert.

Im Frankfurter Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum der Arbeiterwohlfahrt hat man sich bereits in der vergangenen Woche auf die drohende Hitze eingestellt. „Wir haben Ventilatoren und Klimageräte in den Fluren aufgestellt“, sagt Mathias Rosenberger, einer der beiden Leitungskräfte im Haus. Ansonsten versuche man sich an das Lüftungskonzept zu halten und nur am frühen Morgen oder in der kühleren Nacht die Fenster zu öffnen. „Wichtig ist, die Hitze nicht ins Haus kommen zu lassen“, sagt Rosenberger. Pro Station und Schicht gebe es Hitzebeauftragte, die kontrollieren, dass alle Maßnahmen genutzt werden.

Bei der Ernährung stelle man in der Einrichtung auf leichteres oder kaltes Essen um. Es werde salzhaltiges Gebäck gereicht, um dem Verlust von Mineralien beim Schwitzen entgegenzuwirken. Am wichtigsten sei das Trinken. Es werde darauf geachtet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ausreichend und mehr als sonst trinken. „Unser Eiswagen ist dann auch immer sehr beliebt.“

Wer trotz warmer Temperaturen ins Freie will, dem empfehlen die Mitarbeitenden, am Morgen zu gehen. Im Außenbereich wurden Markisen, Pavillons und Sonnenschirme vorbereitet, um Schatten zu spenden.

Rosenberger sieht für die älteren Menschen in den Pflegeheimen wegen der Betreuung und des bewährten Konzepts eher keine Gefahr. Probleme könnten eher die Menschen zu Hause bekommen, die selbst auf solche Maßnahmen achten müssen.

Zuversichtlich für die kommenden Tage ist auch Paul Schiebe, Geschäftsführer zweier Diakonie-Pflegeeinrichtungen in Frankfurt und Offenbach. „Wir wurden von der Hitze nicht überrascht und konnten uns gut vorbereiten.“ Das Personal werde im Sommer stets geschult, um die Maßnahmen zu verinnerlichen und beispielsweise Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels schnell zu erkennen.

Letztendlich sei der Schutz aber immer eine Herausforderung, weil es in den Zimmern keine Klimaanlagen gibt. Deshalb konzentriere man sich auf das Kühlen der Gemeinschaftsräume. Die Zimmer würden abgedunkelt und zu kühleren Zeiten gelüftet. Das Hitzekonzept sehe vor, dass Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr in ihren Zimmern bleiben dürfen, wenn die Raumtemperatur 30 Grad Celsius überschreite. Für einen solchen Fall würden Quartiere in größeren Räumen errichtet, die sonst für Feiern vorbehalten sind. „Bisher war das aber noch nie nötig.“

Sonst ergreife man auch die Vorkehrungen, die in anderen Einrichtungen angewandt werden. So würden auch bewegungsorientierte Angebote reduziert oder ausgesetzt. Bei Menschen mit entwässernden Medikamenten würden die Ärzte und Ärztinnen gefragt, ob diese kurzzeitig abgesetzt werden könnten.

Eine Besonderheit gibt es bei den ambulanten Angeboten im Haus. Die selbstständig lebenden Seniorinnen und Senioren dürfen selbst bestimmen, was in ihrer Wohnung gemacht wird und was nicht. Hier gebe man Tipps und Hinweise und sensibilisiere die Mitarbeitenden beispielsweise darauf zu achten, dass genug zu trinken da ist.

Auch für andere Menschen kann die Hitze zur echten Gefahr werden. Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) appelliert an die Frankfurter:innen angesichts der kommenden Extremwerte, aufeinander aufzupassen: „Wie bei Kälte im Winter bitte ich Sie auch bei starker Hitze im Sommer vermehrt auf hilflose oder geschwächte Menschen im öffentlichen Raum zu achten.“ Bei sozialen Notlagen könne man die 069/212 700 70 wählen, die rund um die Uhr besetzt ist. Bei medizinischen Notsituationen sollte sofort die 112 gewählt werden.

Alle Beratungs- und Betreuungsangebote für Obdachlose im Auftrag der Stadt seien für die Hitzebelastung sensibilisiert. Sie verteilten in ihren Einrichtungen wie auch die Streetworker auf der Straße vermehrt Wasser. Generell versuchten die Sozialarbeiter:innen derzeit, auf der Straße lebende Menschen zu überzeugen, sich tagsüber bei heißen Temperaturen in den Tagesstätten statt im Freien aufzuhalten. Auch dort werden sie mit Wasser und allem Nötigen versorgt.

Die Hessische Krankenhausgesellschaft rechnet in den kommenden Tagen mit weiteren Hitzepatient:innen. Die Lage werde durch den Personalmangel in vielen Krankenhäusern zusätzlich verschärft, erklärt deren Geschäftsführender Direktor Steffen Gramminger dem Hessischen Rundfunk. Gründe dafür seien die Corona-Sommerwelle, der generelle Fachkräftemangel und die Urlaubszeit.

Die Krankenhauszimmer seien in der Regel nicht klimatisiert. Die Einrichtungen würden mit Ventilatoren, Getränken oder verdunkelten Vorhängen reagieren. Das seien aber keine langfristigen Lösungen, so der Direktor weiter. „Die Krankenhäuser müssen sich an den Klimawandel anpassen können“, sagt Gramminger, „es braucht ein großes Investitionsprogramm, das die Krankenhäuser in die Lage versetzt, Emissionen herunterzufahren und sich baulich an die heißen Temperaturen anzupassen.“ Dafür sieht Gramminger Bund und Länder in der Pflicht.

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