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Frankfurt ächzt unter den hohen Temperaturen

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Von: George Grodensky

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Hitzetag in Frankfurt. Nur wenige Menschen sind im Grüneburgpark. Rolf Oeser
Hitzetag in Frankfurt. Nur wenige Menschen sind im Grüneburgpark. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Hitze, aber nicht frei. Wer kann flüchtet ins Schwimmbad oder unter Bäume.

Der Planet brennt. Mittwoch ist bereits der zweite Tag hintereinander, dem der Deutsche Wetterdienst in Offenbach eine Hitzewarnung verpasst. Um 15 Uhr ist das Thermometer am Frankfurter Flughafen auf 37 Grad geklettert, in der Nacht zuvor hat sich der dicht besiedelte Stadtraum Frankfurt kaum abkühlen können. Immerhin: Am Donnerstag, 21. Juli, soll es frischer werden. Aber wie kommen die Menschen von Mittwoch unbeschadet dorthin? Die meisten schlagen sich recht wacker. Die Rettungsdienste sind allerdings am Limit, sagt Feuerwehrsprecher Timo Kahlheber. Viel mehr Einsätze dürften es nicht werden. Wenigstens sind es am Mittwoch nicht mehr als in den Tagen zuvor. Das Niveau sei gleichbleibend hoch. In der vergangenen Woche habe es zwei Tage mit je 600 Rettungseinsätzen gegeben. Der übliche Schnitt liege bei 450. Ob der zunehmende Betrieb an der Hitze liege oder an Corona oder daran, dass mehr Menschen sich wieder trauen, ins Krankenhaus zu fahren, sei schwer zu sagen.

Die Seniorenwohnheime funken zumindest noch kein SOS. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner verkraften die Hitze erstaunlich gut“, sagt Daniel Bauer, Fachbereichsleiter Senioren bei der Arbeiterwohlfahrt. In den 21 stationären Pflegeeinrichtungen des Sozialverbands im Rhein-Main-Gebiet greifen, sobald eine Hitzewarnung des Wetterdienstes eintrifft, Standard-Prozesse. Also frühmorgens lüften, danach Räume schließen und verschatten. Salzgebäck anbieten, weitere Getränkerunden, feuchte Tücher aufhängen. Die Temperatur der Räume wird laufend überprüft, wie auch die Körpertemperaturen der Bewohner:innen. Zumindest wenn sie bettlägerig sind oder an Demenz erkrankt und nicht so gut für sich selbst sprechen können. Die Mitarbeitenden schlauche die Hitze eher, sagt Bauer, die zu der ohnehin schweren Arbeit hinzukomme.

So geht es wohl den meisten Arbeitnehmer:innen in der Stadt, allenthalben hört man sie stöhnen über die Hitze. Auch der Einzelhandel ist genervt. Zu gezielten Einkäufen lässt sich die Kundschaft noch blicken. „Aber wer hat bei so einem Wetter Lust zu bummeln?“, fragt Joachim Stoll rhetorisch. Die Statistik antwortet dem Vizepräsidenten des Handelsverbands Hessen-Süd: 23 Prozent weniger Menschen als in der Vorwoche. Entsprechend fordert Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbands in Berlin, mehr Grün und Wasser für die Städte. „Die Innenstädte dürfen nicht die heißesten Zonen innerhalb eines Stadtgebietes sein, sondern Orte, die zum Verweilen auch bei hohen Temperaturen einladen.“

Aber wo sind die Menschen hin? Naheliegende Antwort: in die Schwimmbäder. Der Palmengarten ist aber auch recht gut besucht. Morgens kommen viele Schulklassen, die in der letzten Woche vor den Ferien kaum noch Unterricht haben und stattdessen Ausflüge machen. Auch nachmittags ist es hier keineswegs leer. „Wir haben ja einige kühle Orte hier“, sagt Sprecher Sebastian Klimek. Da wäre der viele Schatten unter den Bäumen oder das Subantarktishaus, das die Flora aus den Regionen nahe der Antarktis zeigt. Damit es darin frisch bleibt, ist bräunliches Solstopp-Glas verbaut, das den aufheizenden Infrarotstrahlen den Einlass erschwert. Sechs bis acht Grad kühler ist es dort als in der Welt draußen.

Um die Bäume und Pflanzen in der Hitzewelle in Form zu halten, nutzt der Palmengarten Regenwasser, das er in Zisternen gesammelt hat. Gegossen wird nachts, damit das kostbare Nass nicht zu schnell verdunstet.

Apropos Schulklassen. Die freuen sich über hohe Temperaturen. Zumindest an manchen Schulen gibt es hitzefrei nach der fünften Stunde. Die Regelungen sind aber nicht einheitlich in der Stadt. Die Schulen entscheiden individuell. Laut Landesvorgabe können sie auch alternativen Unterricht halten, auf Hausaufgaben verzichten, die Stunden verkürzen. Denn vor allem Schulen, die nachmittags verlässliche Öffnungszeiten anbieten, können nicht einfach schließen.

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