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Die Landwirtschaft hat eine große Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt. Blühstreifen und Biotopflächen müssen sich mit Äckern abwechseln.
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Die Landwirtschaft hat eine große Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt. Blühstreifen und Biotopflächen müssen sich mit Äckern abwechseln.

Klimwandel

Frankfurt: Achtung Artenvielfalt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Zur Aktionswoche fordern Fachleute, Klimaschutz und Biodiversität zusammen zu denken. Es gibt Hoffnung auf einen Politikwechsel.

Es gibt Signale, dass Akteure aus Landwirtschaft und Politik es ernst meinen mit dem Artenschutz – was sie tun, genügt aber nicht, um die Abwärtsspirale zu verlassen. Das haben zwei hochrangige Forschende am Mittwoch aus Anlass der Aktionswoche „Achtung Artenvielfalt“ betont. Josef Settele ist nach eigenen Angaben Wissenschaftler, seit er sechs Jahre alt war. Damals Insektenforscher, heute Agrarökologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Co-Vorsitzender des Globalen Berichts des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) und Autor des Buchs „Die Triple-Krise: Artensterben, Klimawandel, Pandemien“. Er hat vor Jahren mit Kollegen ein „Schockszenario für die Biodiversität“ entworfen.

Lange vor Corona kamen sie auf eine Pandemie als Ursache großer Probleme. Eines sei für sie damals schwer zu ertragen gewesen, erzählt er: wie die Menschen in der Simulation alle Masken trugen. So nah ist die Horrorvorstellung manchmal an der Realität. Und so eng hängen Pandemien und Artenvielfalt zusammen.

Katrin Böhning-Gaese, Trägerin des Deutschen Umweltpreises 2021 und Direktorin des Senckenberg-Biodiversität- und Klimaforschungszentrums in Frankfurt, vergleicht die Vielfalt der Arten auf der Erde mit einem Netz. „Mit jeder aussterbenden Art geht eine Masche verloren“, sagt sie. „Die Frage ist, nach wie vielen Maschen das Netz reißt.“ Und die Antwort, ganz klar: Jede Masche zählt. Am besten, es stirbt gar keine Tierart mehr aus.

AKTIONSWOCHE

Noch bis zum 11. Oktober veranstalten die Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Aktionswoche „Achtung Artenvielfalt: feda.bio/de/achtung-artenvielfalt

Veranstaltungen online und in Präsenz laden zum Mitmachen ein – etwa am Freitag, 10 Uhr, „Urbane Lebensräume – Stadtgrün insektenfreundlich pflegen“ vor dem Jügelhaus, Mertonstraße 17–21. Keine Anmeldung erforderlich.

Beide geben am Mittwoch ihrer Hoffnung Ausdruck, dass der Regierungswechsel in der Bundesrepublik dem Artenschutz hilft. „Ich bin optimistisch, dass wir mehr erreichen können als bisher – es sei denn, es gibt wieder eine große Koalition“, sagt Settele. Die Ziele der Parteien seien ähnlich, die Wege dorthin verschieden. Katrin Böhning-Gaese wünscht sich, dass Klimaschutz und Biodiversität künftig in einem Atemzug genannt würden, auch von den „Fridays for Future“: „Beides gehört zusammen.“

Die Aktionswoche „Achtung Artenschutz“, die auf die Weltbiodiversitätskonferenz in China (11. Oktober) vorbereitet, helfe der Wissenschaft, das Thema in den öffentlichen Diskurs zu bringen. „Wir können viel publizieren“, sagt Böhning-Gaese, „aber wenn wir es nicht aus den Schubladen herausholen, kommt es nicht bei den Menschen an.“ Ein regelrechtes „Erweckungserlebnis“ habe sie in dieser Hinsicht gehabt, als Donald Trump US-Präsident geworden sei, der den Menschen seine „alternativen Fakten“ jenseits aller Vernunft habe unterjubeln können.

Für den Artenschutz sei es wichtig, die Menschen mitzunehmen, sagt Settele. „Es geht nicht darum, den Menschen aus der Natur zu entfernen. Wenn er Teil des Ganzen ist, hilft das, sich mit dem Naturschutz zu identifizieren.“ Genauso unsinnig sei es, im Kampf gegen Pandemien etwa „alle Fledermäuse umzubringen“, wenn sie als Überträger gälten. Selbst wenn das möglich wäre: „Die Vielfalt zu zerstören, schafft mehr Probleme, als es löst.“

Die Landwirtschaft müsse sich verändern, sagt Böhning-Gaese, das sei vielerorts auch verstanden. „Die Landwirte kriegen den Verlust ja mit – sie sehen, dass es keine Lerchen mehr gibt.“ Die immensen Subventionen müssten sich künftig nach der Gemeinwohlleistung der Betriebe richten, fordert sie, nicht nach der Fläche. Und die Menschen müssten ihren Fleischkonsum verringern. Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch brauche es 40-mal so viel Fläche wie für ein Kilo Kartoffeln.

„Wenn es gelingt, die Umweltkosten zu internalisieren“, also direkt auf den Verkaufspreis draufzuschlagen, sagt Settele, „dann ist Ökolandbau billiger als konventioneller.“ Ob die kommende Koalition das wagt?

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