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Frankfurt: Acht Prozent mehr Lohn als Ziel

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Von: Steven Micksch

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Gute Stimmung trotz Regens und ausstehender Tarifentscheidung: Streikende der Elektro- und Metallbranche in Niederursel.
Gute Stimmung trotz Regens und ausstehender Tarifentscheidung: Streikende der Elektro- und Metallbranche in Niederursel. © Rolf Oeser

Ein erheblicher Teil der Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Frankfurt und Umgebung streikt im Vorfeld der Tarifverhandlungen. Die Forderung ist klar, doch der Arbeitgeberseite ist ein Punkt besonders wichtig.

Selbst Unbeteiligten, die am Donnerstagvormittag nur zufällig am Haus der Wirtschaft in der Emil-von-Behring-Straße vorbeikamen, dürfte am Ende die Forderung der nach Angaben der Polizei etwa 700 Menschen klar geworden sein: Acht Prozent. Acht Prozent mehr Lohn sollen es für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sein. Die nächste Verhandlungsrunde darüber startete am Nachmittag im baden-württembergischen Ludwigsburg.

Ohrenbetäubend – mit Trillerpfeifen, Rasseln, Rufen und Klatschen – machten die Anwesenden auf die aktuelle Situation bei den Tarifverhandlungen aufmerksam. Sie waren verärgert über das aus ihrer Sicht viel zu dürftige Angebot der Arbeitgeberseite. Eine Einmalprämie von 3000 Euro auf 30 Monate gerechnet soll es sein. „Das ist eine Tankfüllung“, echauffierte sich Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall Deutschland am Mikrofon. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Tagen und Wochen gut 800 000 Menschen aus 4000 Betrieben zu Warnstreiks bewegt.

Auch in Frankfurt waren am gestrigen Donnerstag mehrere Hundert dabei. Von Continental, Schindler, Otis, Bosch, Kone, aber auch Betrieben aus Königstein oder Oberursel. Mit roten Fahnen in der Hand und roten Kappen auf vielen Köpfen ließen sich die Streikenden auch vom Regen nicht die Kampfbereitschaft verwässern.

Die Wahl des Protestortes war kein Zufall. Im Haus der Wirtschaft im Stadtteil Niederursel hat der Arbeitgeberverband Hessenmetall seinen Sitz, sozusagen der Verhandlungspartner, wenn auch nur im kleinen hessischen Rahmen.

Nichtsdestotrotz wollte man eine Botschaft senden, nämlich besagte acht Prozent mehr Lohn. Es brauche angesichts der Preissteigerungen und der zurückliegenden vier Jahre ohne Erhöhungen endlich wieder eine Tabellenerhöhung nach diesen Tarifverhandlungen, sagte Kerner. „Acht Prozent sind notwendig. Acht Prozent habt ihr verdient, und sie sind auch finanzierbar für die Arbeitgeberseite“, ergänzte er. Beifall, Anfeuerung und immer wieder „Acht Prozent“-Rufe folgten.

Kerner erklärte aber auch, dass es in dieser Tarifrunde besonders schwierig sei, mit der Gegenseite zu verhandeln. Das bisherige Angebot sei inakzeptabel. Die vollen Auftragsbücher seien ein großer Kontrast zu den Aussagen, dass es vielen in der Branche schlecht gehe. „Wer wie Siemens Rekorddividenden auszahlen kann, der kann auch vernünftige Löhne zahlen.“

Und: Sollte bei den jetzigen Verhandlungen keine Einigung erzielt werden, werde es richtig teuer. Dann komme die Gewerkschaft zusammen und rufe zur Urabstimmung auf. Damit würden 24-Stunden-Streiks möglich werden. „Wir wollen das nicht, aber wir haben auch keine Angst davor.“ In diesem Prozedere könne man frühstens in zwei Wochen wieder mit einer neuen Verhandlungsrunde rechnen.

Doch noch ist es nicht so weit. Peter Hampel, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, sagte, dass er guter Dinge sei, dass es jetzt zu einer Einigung komme. Die Erfolgsaussichten seien gut. Der Vertreter des Arbeitgeberverbands stellte sich den Fragen und vor allem auch den Buh-Rufen der Arbeitnehmerseite. Er hinterfragte die Notwendigkeit der Warnstreiks so kurz vor der Verhandlung und erklärte, dass die Arbeitgeberseite kein Interesse an längeren Streiks hätte. Er betonte aber auch, dass man eine lange Laufzeit des Tarifergebnisses brauche.

Wer Sicherheit und somit längere Laufzeiten wolle, der müsse an der Prozentzahl schrauben, hieß es im Gegenzug. Das eine gehe nicht ohne das andere. „Und dann reichen acht Prozent vielleicht nicht“, sagte Michael Erhard, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt.

Philipp Jacks, Geschäftsführer der DGB-Gewerkschaft Frankfurt, sendete solidarische Grüße und sagte: „Wer über fehlende Fachkräfte jammert, darf sich bei Tarifverhandlungen nicht querstellen.“

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