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In Wohnungen der ABG Frankfurt Holding können die Mieten wieder steigen.

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Trotz Coroa: ABG erhöht in Frankfurt die Mieten wieder

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG und die Nassauische Heimstätte haben in der Corona-Krise zunächst auf Mieterhöhungen verzichtet. Doch das ändern sie nun.

Die Mieterin ist mehr als irritiert, als sie ausgerechnet einen Tag nach Ankündigung eines zweiten Lockdowns ein Schreiben der Wohnungsgesellschaft ABG erhält, in dem diese ihr eine Mieterhöhung ankündigt. Vom 1. Januar an soll die Sachsenhäuserin 3,5 Prozent mehr zahlen. „Wir haben zwei kleine Kinder, viele Nachbarn bei uns sind in Kurzarbeit und/oder bangen um ihren Job“, sagt die Mieterin der Frankfurter Rundschau. In dieser Zeit die Mieten zu erhöhen, sei ein „ganz schlechtes Signal von einem Unternehmen, das für andere Vermieter Vorbild sein sollte“.

Corona-Krise wird schlimmer, Mieten in Frankfurt sollen trotzdem steigen

Zu Beginn der Corona-Pandemie, die schnell zu einer Wirtschaftskrise wurde, hatte die städtische Wohnungsgesellschaft angekündigt, „bis auf weiteres“ von Mieterhöhungen abzusehen. Obwohl sich die Krise seitdem eher verschärft hat, erhöht sie die Mieten nun wieder, wie Geschäftsführer Frank Junker bestätigt. Darauf länger zu verzichten, sei finanziell nicht möglich, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Die Corona-Krise koste das Unternehmen schon im laufenden Jahr 20 Millionen Euro. Die Krise habe die ABG so getroffen, dass er Beschäftigte in Kurzarbeit schicken musste. Und das Unternehmen müsse weiter sanieren und investieren können. In den nächsten fünf Jahren sollen, wie Junker jüngst ankündigte, für 2,4 Milliarden Euro rund 5600 Neubauwohnungen entstehen.

Junker sieht zudem keine großen Auswirkungen von Corona auf das Zahlungsverhalten der Mieter:innen. Das Unternehmen habe seit Ausbruch der Krise mit 313 von fast 54 000 Mietern und Mieterinnen Stundungsvereinbarungen abgeschlossen, sagt er. Das zeige, dass es „kein nennenswertes Problem“ gebe.

Corona hin oder her: Mieterhöhungen in Frankfurt sind bereits beschlossen

Auch die Nassauische Heimstätte will die Mieten wieder erhöhen. Zu Beginn der Krise hatte sie wie die ABG und viele weitere Wohnungsgesellschaften von Erhöhungen abgesehen. Von Januar an werden die Mieten wieder angehoben, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der FR mitteilt. Überlegungen angesichts der anhaltenden Krise und des neuen Lockdowns, über den Jahreswechsel hinaus alle Mieten konstant zu halten, gebe es derzeit nicht. „Die Vorbereitungen für die Mieterhöhungen im Januar und den Folgemonaten sind bereits abgeschlossen beziehungsweise laufen.“

Beim DMB-Mieterschutzverein Frankfurt sieht man die Entwicklung sehr kritisch. Gerade öffentliche Wohnungsgesellschaften sollten in der Krise weiter auf Mieterhöhungen verzichten, fordert Geschäftsführer Rolf Janßen. Diese hätten schließlich eine gewisse Vorbildfunktion. Janßen wirbt zudem für die Schaffung eines „Sicher-Wohnen-Fonds“, aus dem nun in finanzielle Not geratene Mieter:innen unterstützt werden könnten.

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