1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: ABG baut wegen hoher Baukosten weniger Wohnungen

Erstellt:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Die ABG will in den kommenden Jahren auch in die Sanierung investieren. Peter Jülich
Die ABG will in den kommenden Jahren auch in die Sanierung investieren. Peter Jülich © peter-juelich.com

Städtische Wohnungsbaugesellschaft machte im vergangenen Jahr knapp 77 Millionen Euro Gewinn, will aber beim Bau von bezahlbarem Wohnraum „auf die Bremse treten“

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG wird in naher Zukunft deutlich weniger Wohnungen fertigstellen können als geplant. Der Grund dafür seien die laut ABG-Chef Frank Junker „Baupreise auf einem exorbitant hohen Niveau“ und auch unterbrochene Lieferketten. „Da werden wir ein bisschen die Pause-Taste drücken müssen“, sagte Junker am Donnerstag bei der Bilanzierung des Geschäftsjahrs 2021.

Im vergangenen Jahr hatte die ABG 309 Neubauwohnungen fertiggestellt. In diesem Jahr sollen es etwa ähnlich viele werden. Insgesamt seien derzeit 1679 Wohnungen zur Miete im Bau, die Hälfte davon gefördert. Die rund 1300 Wohnungen, die in diesem Jahr nicht mehr fertiggestellt werden können, sollen dem angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt im kommenden zugeführt werden, stellte Junker in Aussicht.

Problematischer sehe es mit den rund 4300 Wohnungen aus, die in den kommenden fünf Jahren geplant sind. Denn dafür seien die Baupreise noch nicht fixiert und somit derzeit sehr teuer. Hinzu kämen eine Inflation von zehn Prozent und stark gestiegene Refinanzierungszinsen. Bei den nicht geförderten Wohnungen liefe das auf einen Quadratmeterpreis von 20 Euro und mehr hinaus und sei nicht darstellbar, so Junker. Schon bei den jetzt neu fertiggestellten und nicht geförderten Wohnungen würden Quadratmeterpreise zwischen 13 und 15 Euro fällig. Die Projektentwicklung für weitere Neubauprojekte, etwa in der Lurgiallee oder am Römerhof, laufe indes weiter, betonte Junker.

Die ABG hat im vergangenen Jahr bei einem Gesamtumsatz von gut drei Milliarden Euro einen Gewinn von 76,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Das sind knapp drei Millionen Euro mehr als 2020 aber noch immer deutlich weniger als vor der Pandemie. Die Parkhäuser und Saalbauten im Besitz der ABG verzeichneten während der Pandemie sinkende Einnahmen. Immerhin hatte die ABG zum Jahresende 2021 mehr als 36 000 Garagen- und Stellplätze im Bestand. Dazu kommen 940 gewerbliche Objekte.

Trotz der zuletzt gesunkenen Erlöse stellte Junker in Aussicht, das städtische Unternehmen werde in den kommenden fünf Jahren zwei Milliarden Euro in Neubaumaßnahmen und in Maßnahmen zur Instandhaltung und Modernisierung investieren. Vor allem die energetische Sanierung ist angesichts der hohen Heizkosten ein großes Thema. Unter den derzeit im Bestand befindlichen 53 870 Wohnungen seien 4600 in Passivhäusern. Dort würden so wenig Heizkosten fällig, dass gar keine Forderungen erhoben würden, weil Rechnungsstellung und Eintreiben des Geldes teurer seien als die Heizkosten.

Bei älteren Objekten sei die energetische Sanierung allerdings schwierig. Bis auf wenige Ausnahmen seien aber alle Wohnungen im Bestand durch Modernisierungsmaßnahmen seit Beginn der 90er Jahre mindestens einmal gedämmt, mit neuen Fenstern ausgestattet und im Bereich Haus- und Heiztechnik optimiert worden. „Wir sind da gut aufgestellt“, konstatierte Junker. Um Heizkosten zu sparen, würden die Raumtemperaturen in den ABG-Wohnungen derzeit auf 20 Grad am Tag und 18 Grad in der Nacht gedeckelt. Junker räumte eine „Komfort-Einbuße“ ein, „aber am Thema Gaseinsparung führt kein Weg dran vorbei“, so der Konzernchef.

Auch interessant

Kommentare