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Frankfurt: A66 für zwei Stunden blockiert

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Von: Timur Tinç

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Rund 30 Aktivistinnen und Aktivisten demonstrieren für den Erhalt des Fechenheimer Waldes.
Rund 30 Aktivistinnen und Aktivisten demonstrieren für den Erhalt des Fechenheimer Waldes. © Monika Müller

Aktivistinnen und Aktivisten demonstrieren mit Abseilaktion gegen den Riederwaldtunnel und die Rodung des Fechenheimer Walds.

Gegen 10.30 Uhr ist am Samstag kein Verkehrslärm mehr unter der Autobahnbrücke in der Vilbeler Landstraße zu hören. Die Polizei hat die A66 komplett gesperrt, auch auf die Brücke kommen keine Fahrzeuge. Ein Polizist schneidet sogar ein paar Dornenhecken weg, damit die Fotografinnen und Fotografen später ohne Mühe die Treppe zur Straße runterlaufen können.

„Wir haben die Autobahn blockiert“, ruft Alexis Passadakis von Attac kurz darauf in den Lautsprecher und es ertönt großer Jubel der rund 30 Aktivistinnen und Aktivisten. Sie sind gekommen, um gegen den Ausbau der A66 im Osten Frankfurts zu protestieren. Der sogenannte Riederwaldtunnel soll die A66 mit der A661 verbinden. Dafür soll nach den Plänen der Autobahn GmbH ab 1. November der Fechenheimer Wald gerodet werden.

Als Protest seilen sich vier Aktivist:innen gegen 11 Uhr von der Brücke ab und hängen für eine halbe Stunde über der Autobahn. „Ohne Wald ist alles tot“ steht auf einem schwarzen Transparent. Darauf gemalt ist ein Baum, ein Schmetterling, eine Fledermaus, eine Biene und ein Blümchen. „Wir sind auf die Bäume und auf den Wald angewiesen“, erklärt Aktivist Mike, der zu den Abseilern gehört. Je mehr Bäume fielen, desto näher komme man dem Untergang der Menschheit. „Es müssen weniger Autos produziert und gefahren werden. Der RMV muss günstiger und die Anbindungen besser werden“, fordert Mike. Er sei immer wieder fassungslos, welche Entscheidungen von der Politik getroffen werden. „Mit der Autobahnblockade machen wir klar, dass die Rodung des Waldes nicht ohne Widerstand ablaufen wird“, ergänzt Hermano vom Bündnis Wald statt Asphalt.

Die Aktivistinnen und Aktivisten haben seit zwei Wochen neue Hoffnung geschöpft. Kürzlich ist die Käferart Heldbock oder Großer Eichenbock genannt von Waldbesetzerinnen und Waldbesetzern entdeckt worden, der zu den geschützten Tierarten zählt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will, dass der Lebensraum des Käfers bewahrt und ein Moratorium über die für Oktober geplante Rodung von etwa drei Hektar Wald verhängt wird. „Das ist ein an sein Lebensraum angepasstes Insekt. Den kann man nicht einfach von irgendwoher bringen“, sagt Passadakis in Richtung der Menschen, die unken, dass die Aktivist:innen den Käfer dort selbst angesiedelt haben. Dass es den dort gebe, sei keine Überraschung, da der Käfer mindestens 80 Jahre alte sonnenbeschienene Eichen brauche. „Die gibt es nicht überall, aber dort“, sagt Passadakis.

Große Demo am 8. Oktober

Harry Unger von Wald statt Asphalt steht am Samstag auf der Brücke und sorgt dafür, dass alle vier Abseiler:innen gesichert sind. Das Geld für die gesamten Materialien sei gespendet worden. „Ich gehöre leider zu der Boomer-Generation, die die Klimakrise mitverantwortet hat. Das ist mein Beitrag für Klimagerechtigkeit zu kämpfen“, erklärt Unger seine Motivation.

Da die Abseilaktionen mittlerweile unter das Versammlungsrecht fallen, gab es auch keine Probleme mit der Stadt Frankfurt, eine Genehmigung zu bekommen. Am Donnerstag wollen die Aktivistinnen und Aktivisten vor der Sitzung der Stadtverordneten vor den Römer ziehen und für das Rodungsmoratorium werben. Die Gartenpartei hat dazu einen Antrag eingebracht.

„Es wird in Frankfurt viel über den Zustand des Stadtwalds wegen der Dürre gejammert. Aber hier haben wir ein äußerst biodiverses und intaktes System, das verschwinden soll. Das ist eine Katastrophe“, sagt Passadakis. Angesichts der Klimakrisen, der Dürren und Flutkatastrophen müsse es eine Mobilitätswende geben und es dürfe keine neue Infrastruktur gebaut werden. Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, ist am 8. Oktober eine große Demonstration geplant, die an der Eissporthalle beginnen soll.

Gut gesichert seilt sich der Aktivist ab.
Gut gesichert seilt sich der Aktivist ab. © Monika Müller

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