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Frankfurt: 14 Stunden durch den Grüngürtel

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Von: Kathrin Rosendorff

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Mittsommerwanderung im Grüngürtel, Start der Drittel- oder Zweidrittel-Runde am Alten Flugplatz in Bonames: Sarah Cunze und ihr zwölfjähriger Sohn Raban (vorne) sind bereits um 4 Uhr morgens gestartet.
Mittsommerwanderung im Grüngürtel, Start der Drittel- oder Zweidrittel-Runde am Alten Flugplatz in Bonames: Sarah Cunze und ihr zwölfjähriger Sohn Raban (vorne) sind bereits um 4 Uhr morgens gestartet. © Monika Müller

Bei der zweiten Mittsommerwanderung durch den Frankfurter Grüngürtel schaffen manche die kompletten 68 Kilometer zu laufen.

Eine Teilnehmerin sitzt auf dem Boden des Alten Flugplatzes Bonames und zieht ihre Wanderschuhe gerade wieder an, während die anderen um sie herum sich mit Keksen stärken. Sie erzählt, dass sie nach zehn Kilometern, das war um 6.30 Uhr, die Schuhe habe ausziehen müssen, weil die Füße so weh getan hätten. 13 Kilometer legte die 38-Jährige barfuß zurück. 45 Kilometer liegen noch vor ihr an diesem Samstag, „Ich probiere es wieder mit Schuhen“, sagt sie beim ersten Snack-Stop um 9 Uhr in Bonames.

Die Frankfurterin ist eine der knapp 50 Teilnehmer:innen der Mittsommerwanderung im Grüngürtel. Die Aktion ist Teil des städtischen Bildungsprogramms „Offen für alle“. Vom Ostpark führt die Wanderung gegen den Uhrzeigersinn einmal entlang des Grüngürtels. Sie laufen in Zweier-, Dreier oder Vierergruppen: Es geht vorbei an Wald, Streuobstwiesen und an der Nidda entlang. 68 Kilometer sind es insgesamt. Die meisten laufen aber nur eine Teilstrecke: also entweder 23 oder 46 Kilometer. Die Rundumläufer:innen sind um 4 Uhr morgens vom Ostpark gestartet und planen, die 68 Kilometer durchzuziehen. Der jüngste Wanderer ist Raban Cunze. Der Zwölfjährige ist um 3.30 Uhr aufgestanden, das sei ihm nicht schwer gefallen, erzählt er.

Bislang findet er die Wanderung, die er mit seiner Mutter Sarah Cunze macht, „ganz gut“. Seine Mutter sagt, sie habe immer schon mal eine 24-Stunden-Wanderung machen wollen, aber so 14 Stunden seien auch schon ein Anfang: „Es ist eine total schöne Veranstaltung. Wir haben sogar einen tollen Mond gesehen.“

Sie seien etwas verspätet losgelaufen und es sei im Dunkeln und mit einer echten Wanderkarte zum Ausklappen nicht ganz leicht gewesen sich zu orientieren. „Aber wir hatten später Leute vor uns, denen wir folgen konnten“, sagt Cunze, die nach 60 Kilometern in den Bus in Oberrad steigen muss: „Die Hitze. Aber alles gut, dann habe ich ein Ziel fürs nächstes Mal.“ Raban hatte sie zuvor bis Rödelheim begleitet. Der Vater holt ihn ab, nachdem er 33 Kilometer geschafft hat.

„Eine großartige Leistung“, sagt Kirsten Allendorf von Umweltlernen in Frankfurt. Während des Corona-Lockdowns entwickelte sie die Idee der Mittsommerwanderung. Bei der Premiere im vergangenen Sommer trafen sich pandemiebedingt weder die Teilnehmer:innen untereinander noch Allendorf die Menschen. Diesmal verteilt sie Urkunden und Snacks persönlich. Der älteste Teilnehmer ist über 80 Jahre alt und schafft 20 Kilometer.

Lust auf Herausforderung

Antje Preiss aus Bad Vilbel will die 68 Kilometer schaffen. „Ich laufe gerne. Und ich brauchte mal eine Herausforderung. Nach zwei Jahren Corona wollte ich wissen, was mein Sitzfleisch noch schafft.“ Sie lacht. Ganz untrainiert ist die 52-Jährige nicht. Zehn Kilometer läuft sie täglich mit ihrem Hund. Wie alle anderen sammelt sie im Wanderpass Stempel an den Stempelstationen wie an der Fähre Höchst. Preiss sagt: „Es ist ein sehr schöner Weg. Die Zeit vergeht schnell, wir haben auf der Strecke viele Tiere beobachtet.“ Um 18.15 Uhr erreicht sie als erste der sieben Finalist:innen nach 14 Stunden und 15 Minuten den Ostpark. „Die letzten zehn Kilometer waren sehr schwer“, sagt sie. Bis 20 Uhr sind alle „müde, aber stolz“ angekommen. Eine Frau tanzt.

Birgit Euler und Ingrid Oberfeuer laufen mit ihrer Trainerin Sanita Wilde vom TSV Bonames nicht ganz so weit. 4 Uhr sei ihnen zu früh und die 68 Kilometer zu weit gewesen, so Euler. Also entscheiden sie sich für die 23 Kilometer von Bonames bis zum Unterwald bei Goldstein. „Es war super. Am Ende bekamen wir sogar frische Wassermelonen. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr weitergeht“, sagt Oberfeuer. Die 72-Jährige ist da bereits in der Straßenbahn auf dem Nachhauseweg. Die Laufschuhe hat sie aus-, ihre „Birkenstock-Latschen“ angezogen.

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