_200917westville15_180920
+
„Westville“ heißt das Quartiersprojekt, das auf dem früheren Avaya-Gelände entsteht.

Wohnen

Frankfurt: 1300 Wohnungen für das Gallus - Abwärme aus Rechenzentrum soll Quartier beheizen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
    schließen

Im Frankfurter Gallus soll an der Kleyerstraße ein Wohnungs-Quartier entstehen, das Energie aus der Abwärme eines Rechenzentrums gewinnt.

  • Für Frankfurt wäre das Projekt ein Novum.
  • Anwohner wünschen sich aber auch genug Stellplätze und ein Lebensmittelgeschäft.
  • Die Inititative „Grüne Lunge bleibt, Instone stoppen!“, äußert Kritik am Projekt im Gallus.

Frankfurt - Noch sind auf dem riesigen Areal an der Kleyerstraße nur Bauschutt und Bagger zu sehen, doch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) spricht bei dem Projekt von einem „Meilenstein“. Erstmals überhaupt soll die Abwärme eines Rechenzentrums in Energie für Wohnungen umgewandelt werden.

Auf dem früheren Bosch-Areal an der Ackermannstraße sollen bis 2025 mehr als 1300 Mietwohnungen entstehen. 380 davon seien öffentlich gefördert, versprach Stadtrat Josef. Damit können Wohnungssuchende mit einem Berechtigungsschein mit Mietpreisen zwischen 5,50 und 6,50 Euro rechnen. Die Hälfte der 380 Wohnungen sei indes für Familien mit mittleren Einkommen und Mieten zwischen 8,50 und 10,50 Euro vorgesehen.

Gesellschaft „Westville“ bislang für hochpreisiges Wohnen bekannt - „Grüne Lunge“ vor Ort

Die Projektentwicklungsgesellschaft Instone will in das Projekt „Westville“ nach eigenen Angaben 580 Millionen Euro investieren. Bislang hat sich das in Essen sitzende börsennotierte Unternehmen in Frankfurt nicht viele Freunde gemacht. Es stand für hochpreisiges Wohnen und zeichnet für das Wohnprojekt Marie auf der Fläche des ehemaligen Marienkrankenhauses sowie für die umstrittenen Günthersburghöfe verantwortlich.

Westville

Das Grundstück ist 51 000 Quadratmeter groß, entstehen sollen bis 2025 nach und nach 96 500 Qudratmeter Wohnfläche.

Alle Bauanträge sollen noch in diesem Jahr erteilt werden. Da das Gelände aber teilweise verseucht ist, müssen 2021 zunächst umfangreiche Erdhubarbeiten erfolgen.

Die erste Wohnungen sollen 2024 bezogen werden können.

Weil dort unter anderem zahlreiche Kleingärten weichen müssten, hat sich die Initiative „Grüne Lunge bleibt, Instone stoppen“ gegründet, die auch bei der Vorstellung des Wohnprojekts in der Kleyerstraße am Donnerstag vorstellig wurde. Auf dem komplett versiegelten ehemaligen Industriegelände sei wegfallende Biodiversität zwar kein Thema, räumt Alexis Passadakis von der Initiative ein. Allerdings stehe Instone als börsennotiertes Unternehmen für kostspieliges Wohnen und nicht für klimagerechtes Bauen.

Frankfurt-Gallus: Mike Josef kann Kritik nicht nachvollziehen - Fläche werde entsiegelt

Stadtrat Josef kann die Kritik nicht so recht nachvollziehen: „Wir können uns nicht aussuchen, mit wem wir sprechen, aber wichtig ist doch, dass wir die Rahmenbedingungen definieren können.“ Und die seien durchaus beachtlich.

Denn das in sieben Wohnquartiere aufgeteilte Projekt sei nicht nur energetisch durch die Nutzung der Abwärme ein Meilenstein, sondern es werde auch Fläche entsiegelt. Auf der Industriebrache sollen sechs Kinderspielplätze entstehen und zahlreiche Bäume gepflanzt werden. Dazu sei eine Dachbegrünung vorgesehen.

Nachbarschaft wünscht sich Lebensmittelgeschäft und Stellplätze für Wohnungen im Frankfurter Gallus

Um einen zentralen Platz soll Einzelhandel mit einem Discounter entstehen, dem 800 Quadratmeter vorbehalten sind. Ein großes Lebensmittelgeschäft sei der dringlichste Wunsch der Nachbarschaft gewesen, sagt Ralf Werner von Instone; das Unternehmen hatte sich mit den Anwohnern rund um die Ackermannstraße in Verbindung gesetzt und diese befragt. Die Gegend zwischen Mainzer Landstraße und Gleisanlagen ist vom Einzelhandel nicht unbedingt verwöhnt.

Ebenfalls entstehen sollen drei Kitas und 1100 Autostellplätze. Ausreichend Stellplätze seien ebenfalls eine Forderung der Anwohner gewesen, da diese fürchten, der Parkdruck werde sich durch die vielen neuen Nachbarn immens erhöhen. Mit den 1100 Plätzen in Tiefgaragen sei die Stadt aber am unteren Ende der Stellplatzsatzung, betonte Josef. Schließlich sei das Areal durch Straßenbahnen in der Mainzer Landstraße und der Kleyerstraße öffentlich gut erschlossen. (Von Oliver Teutsch)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare