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Frankfurt: 100000 Euro als Zeugenlockstoff

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Ermittler sagt im Falk-Prozess vor dem Landgericht als Zeuge aus. Vom damaligen Schützen fehlt weiterhin jede Spur.

Im Prozess gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk hat gestern der Polizist, der die Ermittlungen gegen den Erben einer Stadtplan-Dynastie geführt hat, als Zeuge vor dem Landgericht ausgesagt. Falk wird vorgeworfen, den Mord an einem Frankfurter Rechtsanwalt in Auftrag gegeben zu haben, der in einem Zivilprozess die Beschlagnahme von Falks umfangreichem Privatvermögen eingeklagt hatte. Dem Anwalt wurde im Februar 2010 vor seinem Haus in Frankfurt ins Bein geschossen, der Schütze ist bis heute unbekannt.

Der Polizist erschien mit Rechtsbeistand – Falks Verteidiger hatten den Polizisten wegen Urkundenfälschung und Verrat von Dienstgeheimnissen angezeigt, weshalb nun gegen den Ermittler selbst ermittelt wird. Laut dem Polizisten hatte die Ausstrahlung des Falles in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ im Jahr 2010 wenig gebracht – obwohl die Kanzleien, für die der Frankfurter Anwalt arbeitete, eine Belohnung von 100 000 Euro im Falle der Verurteilung des Täters ausgelobt hatten.

Erst 2017 meldete sich Ertem E. bei den Ermittlern und präsentierte einen angeblichen Mitschnitt eines Gesprächs in einem Istanbuler Restaurant, das Falk als Auftraggeber identifiziere, und kassierte die 100 000 Euro – auch wenn bisher noch niemand verurteilt worden ist.

Ertem E. stammt aus dem Dunstkreis der Brüder Cihan und Niayzi B., die in Hamburg als Boxpromoter und Gangsterbosse reüssierten und sich mittlerweile in die Türkei abgesetzt haben. Alexander Falk habe im Gefängnis, wo er eine Haftstrafe wegen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung absaß, Cihan B. kennengelernt – und laut Aussage des Polizisten wohl „als Bodyguard“ eingestellt – auch, um missliebige Mithäftlinge zur Ordnung zu rufen. Die Männerfreundschaft währte länger als die Haft, Falk traf sich auch danach mit den B.s – und lernte so auch deren Handlanger Ertem E. und Serhad Y. kennen, die nun die beiden Hauptzeugen der Anklage sind – oder besser waren, denn Serhad Y. hatte bei seinem Zeugenauftritt seine Aussage überraschend zurückgezogen und Falk entlastet.

Falk gibt an, von seinen ehemaligen Kumpels mit einer manipulierten Gesprächsaufzeichnung erpresst worden zu sein, vor allem Ertem E. soll ihm dabei unangenehm nah gekommen sein. Falks Verteidiger versuchen seit Prozessbeginn, E.s Glaubwürdigkeit zu minimieren. Der Polizist im Zeugenstand bestätigte am Donnerstag, dass die von den Kanzleien ausgelobte außergewöhnlich hohe Belohnung bewusst dazu gedacht war „Personen aus dem Milieu, die sich normalerweise nicht als Zeugen melden“, zu überreden, „sich den Behörden anzuvertrauen“.

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