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Frankfurt: 100 Tonnen Hilfsgüter für die Ukraine gesammelt

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Von: Sabine Schramek

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Spenden für die Hilfsaktion werden am Café
Spenden für die Hilfsaktion werden am Café © Renate Hoyer

Eine Frankfurter Initiative hilft Menschen im Kriegsgebiet mit medizinischem Material. Das geht direkt an Krankenhäuser, Flüchtlingslager oder an Bürgermeister.

Darija Pataschko blickt hinter dem Café Hauptwache in eine große Tüte und bekommt sich vor lauter Freude kaum ein. „Da ist ja Insulin drin und die stärksten Schmerzmittel, die es gibt“, ruft sie und drückt die Tüte wie einen Schatz an sich, bevor sie noch einmal hineinsieht. „Das ist genau das, was wir für das Krankenhaus in Charkiw brauchen.“ Pataschko ist Ukrainerin und arbeitet ebenso wie ihre Zwillingsschwester Diana im Bürgerhospital. Sie hat gerade ihre Schicht beendet, Diana hat Nachtdienst. Jetzt stehen sie mit Ukraine-Flaggen um den Schultern in eisiger Kälte, nehmen medizinische Spenden entgegen, die Passant:innen bringen, sichten und sortieren sie. „Wie kennen uns im medizinischen Bereich aus und wollen helfen. Wir schauen keine Nachrichten, sondern fokussieren uns voll und ganz auf Hilfe. Darum sind wir hier“, so die beiden Frauen, die selbst Freundinnen, die flüchten mussten, bei sich untergebracht haben.

Immer wieder kommen Leute mit Tüten, Kartons oder Taschen und übergeben sie den freiwilligen Helfern. 110 Frankfurter aus mehr als 21 Nationen sind aktiv bei der Initiative dabei. Auch Jumas Medoff, Stadtverordneter und Vorsitzender der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt (KAV) engagiert sich unermüdlich. „Meine Frau kommt aus der Ukraine“, sagt er beiläufig und erzählt, dass sie über den Kontakt zu Bürgermeistern und Klinik-Chefärzten genau das sammeln, was vor Ort am dringendsten gebraucht wird.“ Er zeigt auf Pakete voller Erwachsenenwindeln. „In Krankenhäusern liegen schwer verletzte Feuerwehrleute und Krankenhausmitarbeiter“, sagt er bedrückt.

Ob Skalpelle oder Druckverbände, Schmerzmittel, tragbare Defibrillatoren, Medikamente für Diabetiker oder sterile Handschuhe – es fehlt an allem im Kriegsgebiet. In Kiew ebenso wie in Charwik oder Lwiw. Fast jeden Tag füllen sie Kartons voll mit sorgfältig sortierten Dingen, die direkt an Krankenhäuser, Flüchtlingslager oder an Bürgermeister geliefert werden.

Mehr als 100 Tonnen Material sei bisher durch die Initiative so direkt mit Passierscheinen geliefert worden. „Wenn das nicht möglich ist, laden wir die Sachen an der Grenze um in Wagen von Stadt- oder Klinikmitarbeitern. Sobald die Hilfsgüter angekommen sind, bekommen wir Fotos und Videos von den Bürgermeistern oder Chefärzten. Dazu verpflichten sie sich und alle halten es ein.“ Medoff zeigt den Spendern, die an die Hauptwache kommen diese Briefe, Fotos und Videos. „Das ist wirklich berührend“, sagt eine Frau, die sofort Vitali Klitschko erkennt, den Bürgermeister von Kiew. „Da sind wir sicher, dass es dort ankommt, wo es hingehört.“

So können Sie helfen: Informationen gibt es in der Facebook-Gruppe „FrankfurtForUkraine“.

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