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Ihm geht es zu langsam im Kampf gegen Klimawandel: Mojib Latif am Rednerpult im Kaisersaal.

Frankfurt

Eindringliche Warnung beim Neujahrsempfang in Frankfurt

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  • Sandra Busch
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  • Georg Leppert
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  • Florian Leclerc
    Florian Leclerc

Im Kampf gegen den Klimawandel läuft die Zeit ab, warnt der Klimaforscher Mojib Latif beim Neujahrsempfang in Frankfurt, der heißesten Stadt Deutschlands 2018.

Manchmal ist es sehr still im Zentrum dieses Neujahrsempfangs, zu dem immerhin 1300 geladene Gäste in den Frankfurter Römer geströmt sind. Denn im Kaisersaal spricht der Klimaforscher Mojib Latif. Und er spricht so eindringlich, über die Herausforderung des Klimawandels, dass manche das Applaudieren vergessen. Frankfurt stand im Jahr 2018 im Zentrum dieses Wandels, es war die heißteste Stadt des vergangenen Sommers, der nicht enden wollte – niemand hier kann noch sagen, er wisse nicht , worum es gehe.

Um 2,9 Grad lagen die Temperaturen in Frankfurt über dem langfristigen Durchschnitt, niemals zuvor gab es so viele Sommertage, an denen es mindestens 25 Grad warm war. Der Wissenschaftler vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel redet ohne Manuskript, so frei, wie es nur einer kann, der seine Gedanken geordnet hat. Latif appelliert an die Politik, „viel couragierter“ vorzugehen beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Abkehr von der Braunkohle.

Unter dem Beifall des Publikums aus Politik, Kultur und Wirtschaft verteidigt er den Widerstand gegen die Abholzung des Hambacher Forstes in Nordrhein-Westfalen: „Wie wollen wir Brasilien und Indonesien dazu bringen, dass sie ihre Regenwälder schonen, wenn wir unseren kläglichen Restwald abholzen?“

Selten sprach der Hauptredner eines Frankfurter Neujahrsempfanges so direkt zu einem Problem, das in der Stadt auf den Nägeln brennt. „Wir haben nur noch ein kleines Zeitfenster, vielleicht zehn bis zwanzig Jahre, um in eine kohlenstofffreie Welt einzutreten“, rechnet der Wissenschaftler vor.

Das Eis in der Arktis sei im Dezember 2018 gegenüber 1979 um 70 Prozent zurückgegangen, wenn es so bleibe, könne die Arktis Mitte des Jahrhunderts eisfrei sein. Der Kampf gegen den Klimawandel leide nicht unter einem Mangel an wissenschaftlicher Erkenntnis: „Wir haben ein Umsetzungsproblem!“

Der Oberbürgermeister immerhin hält der Stadt zugute, dass sie bereits handele. So gebe es bald „die erste Elektrobus-Linie des Landes“ und überhaupt den grundsätzlichen Beschluss der Kommune, nachhaltig zu handeln. Ja, der Sozialpolitiker Peter Feldmann erkennt sogar an: „Die soziale Frage und der Kampf gegen den Klimawandel sind eins.“

Aber ansonsten sind es Feldmanns Lieblingsthemen, die er vor dem Publikum ausbreitet. „Ich finde es nicht schlimm, wenn die AfD bundesweit in Frankfurt eines ihrer schlechtesten Ergebnisse hat.“ Und der OB spricht über die Zukunft der Paulskirche, die er zu einem Projekt nationaler Bedeutung machen möchte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde dies unterstützen, demnächst gebe es dazu das erste Gespräch in Berlin, kündigt Feldmann an.

Für 2019 stellt der OB außerdem den Wiederaufbau des Goetheturmes in Aussicht, unterstützt von einer Bürgerschaft, die in Frankfurt wie gewohnt zusammenhalte. Es ist Alla Polyova, die Generalkonsulin der Ukraine, die großen Beifall erhält, als sie bekennt: Frankfurt sei für die vielen Nationen des Konsularischen Korps „ein Stück Heimat geworden“. Die Doyenne beschwört das „friedliche Zusammenleben“ in der Stadt auch für dieses, das neue Jahr.

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