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Die ehrwürdige Jahrhunderthalle in Frankfurt-Unterliederbach.

Jahrhunderthalle

Club mit Retro-Chic in der Jahrhunderthalle

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Die Jahrhunderthalle Frankfurt wagt sich mit einem Club für 400 bis 600 Besucher auf den Veranstaltungsmarkt. Konkurrenz sitzt in Mainz, Wiesbaden oder Darmstadt.

Die Betreiber der Jahrhunderthalle Frankfurt wollen eine neue Spielstätte etablieren. Seit mehr als 54 Jahren treten die Stars der Welt auf der Bühne im großen Kuppelsaal auf. Nun können auch die etwas weniger bekannten Künstler sich in dem renommierten Signet sonnen, nur eben eine Etage tiefer, im Club Jahrhunderthalle.

Der bietet eine etwa 20 Quadratmeter große und 40 Zentimeter hohe Bühne. Wer sie erklimmt, blickt auf Stuhlreihen für etwa 400 bis 500 Besucher. Oder auf 600 stehende, vielleicht sogar tanzende Zuschauer. Den Raum begrenzt eine blauweiße Wabenwand aus Höchster Porzellan. Auf der anderen Seite liegt die 60er-Jahre-Bar, in der einst Frank Sinatra nach dem Auftritt seinen Gin trank.

Genau so eine Spielstätte habe der Stadt bislang gefehlt, findet Jahrhunderthallen-Prokurist Moritz Jaeschke. „Wir hatten oft Anfragen, die wir im großen Kuppelsaal nicht verwirklichen konnten.“ Der fasst bis zu 4800 Zuschauer und ist entsprechend teuer zu mieten. Jetzt geht es eben auch eine Nummer kleiner – für Clubkonzerte, Jazzabende, Lesungen und Buchvorstellungen, Kindertheater, Poetry-Slams, Comedy, sogar öffentliche Anhörungen könnte sich Jaeschke für den Club vorstellen.

„Wir sind schon lange verliebt in die Räume“, sagt Jaeschke. Doch was heute kuscheliger Club mit Retro-Chic ist, war früher ganz schlicht die Kantine der Hoechst AG. Und somit nicht für Veranstaltungen gedacht. „Wir hatten hier 17 Kühlhäuser“, sagt Jaeschke. Zeitweise haben sogar Fleischer in den Katakomben geschlachtet.

Auch nach Ende der Hoechst AG waren die Flächen an Gastronomen verpachtet. Zum Beispiel an den Lufthansa-Party-service. „Die haben viel für Außer-Haus produziert“, sagt Jaeschke. An Kleinkunst hat da niemand gedacht. Bis auf wenige Gelegenheiten bei Messen oder Firmenevents waren die Räume meist der Kochkunst vorbehalten.

Als vor zwei Jahren der letzte Gastro-Vertrag endete, haben Jaeschke und sein Team die Chance ergriffen. „Wir haben Restaurant und Bar saniert“, erzählt Geschäftsführerin Uschi Ottersberg. 700 000 Euro hat die Jahrhunderthalle investiert. Alte Leitungen ausgetauscht, die Elektrik erneuert, den Boden, die Holzwände bearbeitet, Kühlschränke von 1963 entsorgt. „Das sieht man alles nicht“, sagt Ottersberg und seufzt. Aber genau das sei die Vorgabe des Denkmalschutzes gewesen. „Die Dame war sehr zufrieden.“

Allerdings habe das Team auch gar nichts ändern wollen am alten Charme. Inzwischen sei das ja wieder chic. „Wir sind nicht retro“, sagt Jaeschke, „wir sind das Original.“ Und noch wichtiger: 100 Prozent unabhängig vom großen Saal unter der Kuppel. Es gibt separate Eingänge, Toiletten, Andienung, Künstler- und Gastrobereiche. Auch akustisch seien die Spielstätten klar getrennt. „Da kann oben ein Heavy Metal-Konzert sein, unten hört man keinen Ton“, sagt Jaeschke.

Und das Konzept kommt an. Viele Veranstalter hätten sich schon interessiert gezeigt, versichert der Prokurist. S-Promotion hat sogar gleich bei der Führung durch die neuen Räume Shows gebucht. „Wir waren sofort begeistert“, erzählt Thorsten Georg von S-Promotion. Sein Unternehmen sei immer auf der Suche nach neuen Locations. Gerade im Bereich für 400 bis 500 Zuschauer sei es in Frankfurt bislang eher schwierig gewesen. Da müsse man nach Mainz, Wiesbaden oder Darmstadt schauen.

Jetzt nicht mehr. Den neuen Club hält Georg für „ideal für Comedy“, was das Kerngeschäft von S-Promotion ist. Einmal wegen der Größe – genau richtig für „Künstler auf dem Sprung“, für die viele Häuser zu klein, aber die großen Hallen eben zu groß seien. Aber auch wegen des klangvollen Namens. Und wegen des Ambientes. Die Bar habe ihn sofort an James Bond erinnert, sagt prompt Life-Coach Felix Klemme, der am 22. April auftreten wird. Vielleicht auch an der Theke mit einem Gin in der Hand.

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