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Hohoho, auch der Weihnachtsmann mit Rentier ist dabei.

"Great Christmas Circus"

Artisten im Hamsterrad

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Die Zirkus-Weihnachtsshow von Carl Busch ist in der Stadt. Mit dabei: Artisten aus der ganzen Welt, die nur für die Show zusammenkommen.

Der Magier Jimmy Saylon trägt den Steampunk-Look: schnieke viktorianische Weste mit Piloten-Schutzbrillen am Zylinder. Er vermag es, aus einer Truhe immer wieder neue Assistentinnen, alle im sexy Style, alle sehr schön, hervorzuzaubern. Eine Gabe, um die ihn einige Männer beneiden und kurzzeitig vergessen, ihr Popcorn im Zirkuszelt weiterzukauen.

Als der sehr durchtrainierte Drahtseil-Künstler Geoffrey Berhault sein Shirt auszieht und Saltos macht, löst das Woo-Rufe bei einer Frauengruppe aus. Bei den Kindern ist dagegen das lebende Pferdekarussell mit den schwarzen Friesenhengsten, den weißen Araberhengsten und den niedlichen blonden Miniponys einer der Favoriten. Dazu spielt das Liveorchester und ein Sänger interpretiert Frank Sinatras „Fly me to the Moon“. An diesem Freitagabend ist die Premiere des „Great Christmas Circus“ am Festplatz am Ratsweg. 1400 Menschen passen ins Zelt, und nur wenige Plätze bleiben frei. Bis zum 7. Januar gastieren die 35 Artisten aus Italien bis Kolumbien und die 30 Pferde, zwei Rentiere, zehn Hunde, fünf Kamele und zehn Lamas und Alpakas in Frankfurt.

Vor dem Zelt steht eine kleine Demo-Gruppe, die Flyer mit „Zirkus ja, aber ohne Tiere“ verteilt. „Die Artisten machen das hier freiwillig, die Tiere werden aus Unterhaltungsgründen missbraucht“, sagt Tierschutz-Aktivistin Ines Höfling. Besucherin Kathrin Brönner sieht das ganz anders. „Zum Zirkus gehören Tiere und Akrobaten. Die Tiere werden hier gut behandelt. Tierquälerei ist für mich, wenn man für Pelze mordet.“ Aus dem bayrischen Alzenau ist sie angereist. „Mein Tochter hat sich das gewünscht.“

Bereits zum fünften Mal gibt es die Weihnachtsshow. „Wir haben aber immer ein komplett neues Programm, mit immer anderen Artisten, die nur jetzt zusammen auftreten“, sagt Sven Rindfleisch, Pressesprecher des Circus Carl Busch. Seit zwei Jahren gibt es keine Nummern mehr mit Wildtieren. „Nicht weil wir finden, dass man einen Löwen im Zirkus nicht genauso gut halten kann wie einen Hund. Aber die Einstellung unserer Zuschauer hat sich verändert. Wir wollen, dass sie ohne sich rechtfertigen zu müssen die Show genießen können“, so Rindfleisch. Und er betont, dass die Tiere gerade erst von einer Frankfurter Amtstierärztin begutachtet wurden. „Sie haben genug Futter, Platz und es geht ihnen auch körperlich sehr gut.“

Die Tiere kann man sich als Zuschauer auch für eine Extra-Gebühr von drei Euro in der Pause in ihren Gehegen anschauen.

„Die Pferde sehen echt fit aus“, sagt ein Vater. Und ob Kamel oder Pferd, sie sind sehr zutraulich und lassen sich gerne streicheln.

Ein generationsübergreifender Liebling ist der italienische Clown Jimmy Folco. Mit einem Zuschauer-Kind legt er eine „Wer kann weiter und schöner Wasser spucken?“-Nummer hin. Die Nummern haben einen Dick-und-Doof-Humor. Also so etwas wie weiße Kreide auf den Kopf verteilen. Verzückte Ausrufe gibt es, als Huskys durch Reifen springen oder rutschen. Beeindruckend gelenkig ist die Portugiesin Desire Chaves. Im Handstand schießt sie mit dem Rücken auf einen Apfelluftballon. Pfeil und Bogen bedient sie dabei mit den Füßen.

Die Abschlussnummer heißt „Das Todesrad“: Die Kolumbianer Alejandro und Daza Vanegas laufen in zwei riesigen Hamsterrädern, die sich schnell um die eigene Achse drehen. Dann läuft Alejandro sogar außerhalb des Rads, springt Seil, vollzieht Saltos. Und das ohne Absicherung. Dabei lächelt er als würde er gerade Brötchen kaufen gehen. In dem Moment weiß man nicht: Soll man hin- oder wegschauen? Am Ende geht alles gut. Und es gibt Bravo-Rufe.

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