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Gegen die Bebauung der Günthersburghöfe gibt es seit Jahren Proteste.

Wohnungsbau im Nordend

Frankfurt: Streit um Günthersburghöfe spitzt sich zu - Planungsdezernent verteidigt Pläne

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verteidigt die Pläne für das Wohngebiet Günthersburghöfe im Nordend. Kritiker kündigen weiteren Widerstand an.

  • Die „grüne Lunge“ Nähe Frankfurter Günthersburgpark soll einem Wohngebiet weichen.
  • Das Projekt Günthersburgerhöfe steht seit Jahren in der Kritik.
  • Planungsdezernent Mike Josef hält an dem Vorhaben fest.

Frankfurt - Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat die Pläne für ein neues Quartier mit bis zu 1500 Wohnungen im Nordend gegen Kritik von Bürgerinitiativen, aus dem Ortsbeirat und von den Grünen verteidigt, die mit CDU und SPD eine Koalition bilden. Dabei hob er hervor, dass in dem 16,6 Hektar großen Gebiet eine soziale Durchmischung entstehen könne. Knapp 500 Wohnungen würden öffentlich gefördert, knapp 250 für genossenschaftliche und gemeinschaftliche Projekte gesichert. Damit entstehe günstiger Wohnraum für 1500 bis 1700 Menschen, sagte Josef.

Wohngebiet Günthersburghöfe - sozialer Wohnungsbau im Nordend

Lange habe die Stadt sozialen Wohnungsbau fast nur in ärmeren Vierteln betrieben. Am Günthersburgpark könne nun in bester Lage ein gut angeschlossenes Quartier im Grünen entstehen, in dem Kinder, die in Sozialwohnungen aufwachsen, gemeinsam mit Kindern aus Eigentumswohnungen zur Schule gehen, sagte Josef. Eine Grundschule, eine weiterführende Schule und drei Kitas sind in dem Areal geplant.

Projektgebiet Günthersburghöfe

Josef will den Bebauungsplan für das Quartier, an dem die Verwaltung seit 2017 auf Auftrag des Stadtparlaments arbeitet, spätestens im Januar offenlegen. Dann können die Pläne eingesehen und kommentiert werden. In einem nächsten Schritt würde die Stadt Stellungnahmen von Behörden, Bürgern und Bürgerinnen einarbeiten. Einiges spricht aber dafür, dass sich das weitere Vorgehen verzögert und vor der Kommunalwahl im März nichts mehr passiert.

Frankfurt: Projekt Günthersburghöfe umstritten

Mehrere Bürgerinitiativen kämpfen seit Jahren gegen die Pläne für das von ihnen „Grüne Lunge“ genannte Quartier am Günthersburgpark, in dem es viele Klein- und Freizeitgärten gibt. Nun haben sich die Grünen bei ihrem Parteitag stark von dem Projekt distanziert, das ihr früherer Planungsdezernent Olaf Cunitz einst maßgeblich vorantrieb. Sie wollen, dass sich die Bebauung auf die bereits versiegelten Flächen beschränkt.

Josef bezeichnete es am Montag als nicht möglich, diese Vorgabe jetzt noch umzusetzen. „Dann müssten wir wieder von vorne beginnen“, sagte er vor Journalist:innen. Von den versiegelten Flächen gehöre zudem fast gar nichts der Stadt. Nach dem jetzigen Planungsstand werde gut ein Viertel der Grünflächen im Quartier bebaut, hieß es. 39 Prozent der Gesamtfläche blieben unversiegelt. Ein Teil der jetzt schon bebauten Fläche soll versiegelt bleiben, ein Teil Grünfläche werden, etwa dem Günthersburgpark zugeschlagen werden.

Kritik an Grünen - Ökopartei gegen Projekt Günthersburghöfe

Klar stellte sich Josef auch gegen Forderungen nach weiteren Gutachten. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hatte neue Untersuchungen zu den klimatischen Folgen der Bebauung gefordert. Josef warf dem Koalitionspartner und seiner Magistratskollegin, ohne sie namentlich zu erwähnen, mangelnde Kollegialität und mangelnde Aufrichtigkeit vor. Wer nun noch ständig mehr Bürgerbeteiligung und weitere Gutachten fordere, solle ehrlich sein und sagen: „Wir wollen das Projekt nicht“, sagte der Planungsdezernent. Der Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Hunscher, zeigte sich irritiert, dass einzelne Magistratsmitglieder in den Raum stellten, die Verwaltung arbeite nicht sauber.

Mike Josef steht auf Platz 1 der SPD-Liste für die Kommunalwahl.

Nie habe es in Frankfurt ein Projekt mit mehr Bürgerbeteiligung gegeben, sagte Josef. Die Stadt habe zudem umfangreiche Gutachten zu den ökologischen Auswirkungen eingeholt. Schon beim städtebaulichen Wettbewerb hätten Klimafragen eine große Rolle gespielt, sagte Josef. Im Planungsverfahren seien ökologische Aspekte von größter Bedeutung. Ausgiebig habe man sich etwa mit Lösungen zum Schutz von Flora und Fauna, dem Einsatz erneuerbarer Energien, Fassaden- und Hofbegrünung und mit der Regenwasserbewirtschaftung befasst. Hunscher sprach sogar von einem „Pilotprojekt für nachhaltige klimagerechte Stadtentwicklung“. Dass 1000 Bäume den Plänen zum Opfer fielen, stimme nicht, hieß es. 51 „prägende Bäume“, würden gefällt, sagte Hunscher und wies auf Ausgleichspflanzungen hin.

Bürgerinitiativen kündigten weiteren Widerstand an und drohen mit einer Eskalation. „Wir werden weiter mit allen Mitteln für den Erhalt der Grünen Lunge kämpfen - und wenn es nötig ist, die Grüne Lunge zum nächsten Dannenröder Wald machen“, teilt die Kampagne „Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen“ mit. (Christoph Manus)

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