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Franco A.: Nazi-Nippes in Aldi-Tüte

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Von: Stefan Behr

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Franco A. mit veränderter Frisur und in Handschellen. Arne Dedert/dpa
Franco A. mit veränderter Frisur und in Handschellen. Arne Dedert/dpa © dpa

Im Prozess gegen Franco A. wird bekannt, was der Offizier bei seiner Festnahme dabei hatte. Einer seiner Verteidiger verliert derweil die Lust.

Als der Angeklagte den Saal betritt, geht ein Raunen durchs Publikum. Franco A. sieht etwas verwildert aus. Bislang ist der Bundeswehroffizier optisch durch schneidiges Hipstertum aufgefallen. Jetzt erinnert er eher an Robinso Crusoe als an den Fahrradkurier des Führers. Vielleicht gibt es in der JVA keine Haargummis, vielleicht ist Franco A. in seiner abermaligen Haft aber auch einfach nur in sich gegangen und hat beschlossen, das Äußere dem Inneren anzugleichen.

Denn in ihm, das wird einmal mehr gleich zu Beginn des Verhandlungstages klar, liegt wohl so einiges im Argen. Mit Spannung war erwartet worden, was Franco A. wohl mit sich führte, als er vor knapp zwei Wochen von Polizisten, die ihn kontrollieren wollten, niedergerungen werden musste - und anschließend wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr erneut in Haft wanderte.

Und gleich zu Beginn der Verhandlung lässt der Vorsitzende Richter des Staatsschutzsenates am Oberlandesgericht, Christoph Koller, die Katze aus dem Sack: 23 Abzeichen mit Hakenkreuzen, etwa eine „Stecknadel mit goldenem Kranz am Hakenkreuz“, alles nationalsozialistisch unkorrekt eingepackt in eine Aldi-Tüte. Den Nazi-Nippes hatte A. zuvor bei einem alten Kameraden in Straßburg abgeholt. Ebenjener Kamerad hatte bereits im Januar dieses Jahres einen bizarren Zeugenauftritt hingelegt und erzählt, über was er und der Offizier A. sich so unterhalten hätten, wenn sie gemeinsam durch Straßburgs Kneipen gezogen waren - etwa über die Weltherrschaftspläne der Reptiloiden oder darüber, dass man lediglich auf die Zahl von sechs Millionen von Nazis ermordeter Juden gekommen sei, weil die Gräber von Wehrmachtssoldaten dazugezählt worden seien.

Nach einer abermaligen Durchsuchung von A.s Offenbacher Wohnung wurden dann noch andere Sachen gefunden und sichergestellt: 21 Mobiltelefone mit 50 Pre-Paid-Karten, sechs Hiebwaffen, darunter Macheten, und ein gefälschter Impfpass. Schriftliche Notizen, Computer und Handys wurden sichergestellt und sollen jetzt bis zum nächsten Verhandlungstag Anfang März vom Bundeskriminalamt ausgewertet werden.

„Das klingt alles nicht so gut“, stellt Richter Koller fest. Die Frage ist nur: Was soll das alles? Dass A., der unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt ist, unter Beobachtung steht, hätte ihm klar sein können. Dass er ein Faible fürs Faschistische hat, ist im bisherigen Prozessverlauf bereits hinlänglich bewiesen worden. Was noch ein wenig Sinn ergeben hätte, wäre, wenn A. versucht hätte, die Waffen, deren illegalen Besitzes er angeklagt und deren Verbleib immer noch unklar ist, verschwinden zu lassen. Die Nazi-Abzeichen spielen für diesen Prozess nicht die geringste Rolle, werden aber wahrscheinlich ein anderes Verfahren zur Folge haben.

Johannes Hock, einer von A.s Verteidigern, hat nun jedenfalls die Faxen dicke und bittet den Senat, ihn von seinem Mandat als Pflichtverteidiger zu entbinden. Nach einem dreistündigen Gespräch in der JVA mit seinem Mandanten habe er festgestellt, dass A. und er ein „grundlegend anderes Verständnis“ einer erfolgversprechenden Verteidigungsstrategie hätten.

Der Senat wird dieses Ansinnen nur prüfen. A.s anderer Verteidiger Moritz David Schmitt-Fricke, ist da schmerzfreier: „Ich weiß nicht, was zwischen den beiden war, und halte mich da auch raus.“

Und Franco A.? Der befragt den einzigen Zeugen des Prozesstages, der auf sein Ersuchen hin geladen worden war: „Ist es normal, dass ein Zugführer zweimal am Tag mit seinen Soldaten meditiert?“ „Meditiert?“, fragt der Soldat irritiert zurück. „Ja, meditiert, Om und so“, erklärt A., der dies in seinem Zug wohl so praktiziert hat. Nein, sagt dann der Zeuge, das sei nicht normal. Was wohl irgendwie auch auf Franco A. zutrifft.

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