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Franco A
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Der Angeklagte Franco A. im Gerichtssaal. (Archivfoto)

Bundeswehroffizier vor Gericht

Prozess gegen Franco A.: Wirrer Kamerad sagt in Frankfurt aus

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der Bundeswehroffizier Franco A. steht in Frankfurt vor Gericht.

Frankfurt – Der Prozess gegen den Bundeswehroffizier Franco A. – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat – scheint tatsächlich ein Ende zu finden. Wie der Vorsitzende Richter Christoph Koller am gestrigen Verhandlungstag ankündigte, plant der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt, die Beweisführung bereits am kommenden Verhandlungstag abzuschließen. Sollte dem so sein, könnte bereits Anfang Februar mit den Plädoyers begonnen werden. Das kann dann zwar auch noch dauern, aber nicht mehr ewig.

Der Angeklagte Franco A. scheint sich derweil im neuen Jahr auf dem Weg der Besserung zu befinden, jedenfalls zeigte er am Dienstag keinerlei Symptome seiner Ende 2021 vermehrt aufgetretenen antisemitischen Anfälle. Stattdessen sagte einer seiner alten Kameraden im Zeugenstand aus. Die Aussage des 32 Jahre alten Alexander J. erinnerte daran, was man nach Ende des Prozesses ganz gewiss nicht vermissen wird – und wirft ein paar bange Fragen hinsichtlich des Geisteszustands von Bundeswehrsoldaten auf.

Bundeswehroffizier Franco A.: Gemeinsames Schlemmen mit Alexander J. in Straßburg

Alexander J. hatte sich mit Franco A. durch die Restaurants der gemeinsamen Garnisonsstadt Straßburg geschlemmt und dabei Freundschaft geschlossen. „Er war menschlich, definitiv konservativ, aber nicht rechts, weltoffen und hatte guten Geschmack fürs Essen“, schwärmt J. noch heute von seinem alten Kameraden.

Der wegen Terrorverdachts angeklagte Bundeswehroffizier Franco A. betritt das Gerichtsgebäude.

In den Essenspausen wurde viel geredet – und nicht nur über den klassischen 3-W-Komplex (Wetter, Weiber, Waffen), der auf Kameradschaftsabenden Standard ist, sondern auch über Politik, Völkermord und Literatur.

Etwa über den „Autor David Icke“, wie J. sich erinnert. „Was ist denn das für ein Autor?“, flötet Richter Koller, der ganz genau weiß, was Icke für einer ist, aber J. geht ihm auf den Leim. „Er thematisiert Reptiloiden“, antwortet J.. Laut Icke handelt es sich bei den Reptiloiden um Echsenwesen aus dem Sternbild des Drachen, die sich hier auf Erden hauptsächlich mit Kindesmissbrauch und Weltherrschaft beschäftigen.

Zeuge Alexander J. hält sich für „konservativ“

Prominente Vertreter sind etwa die Queen, die Clintons und der Papst. Koller gehört definitiv nicht dazu, denn die Reptiloiden sind Kaltblüter, und das Blut des Richters gerät zusehends in Wallung. „Was hat denn der Herr A. zu den Reptiloiden gesagt?“, will Koller wissen. Er habe „gelacht“, sagt J., aber wohl eher mit den als über die Reptiloiden, denn in seiner Vernehmung durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) hatte J. noch gesagt, man stünde den Echsenwesen „aufgeschlossen“ gegenüber.

Dann wäre da natürlich noch der Holocaust, eines von A.s Lieblingsthemen. A. habe immer gesagt, dass man nur auf die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden gekommen sei, „weil man die Gräber von Wehrmachtssoldaten dazugezählt hat“. Ob er derlei Bullshit als „konservativ“ bezeichnen würde, fragt Koller. Aber ja, sagt J., „das ist konservativ“.

Vorbereitung einer Terrortat muss nach wie vor geklärt werden

Über die Flüchtlinge und die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierung seien „wir beide nicht begeistert gewesen“. J. sagt, er wisse, wovon der rede, er sei schließlich selbst „in der Flüchtlingshilfe aktiv gewesen“, nämlich als eingesetzter Soldat „in der Registratur“, wo er durch das „Abnehmen von Fingerabdrücken“ Hilfe geleistet habe. So weit, so wirr.

Johannes Hock, einer von A.s Verteidigern, wirft am Ende des Prozesstages nicht ganz unberechtigt ein, die vergangenen Verhandlungstage seien ihm ein wenig zu „gesinnungslastig“ gewesen. Aber A.s Gesinnung, so dämlich sie auch sein möge, stünde nicht zur Anklage. Die Vorbereitung einer Terrortat hingegen sei nach wie vor reine Hypothese.

Die Generalbundesanwälte dürften das in ihrem kommenden Plädoyer vermutlich ein wenig anders sehen. (Stefan Behr)

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