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FR-Autor Stephan Hebel bei seiner „Aktuellen Stunde“ im Club Voltaire.

Club Voltaire

FR-Veranstaltung: Bürger müssen mehr tun

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FR-Autor Stephan Hebel fordert mehr außerparlamentarische Bewegungen.

Kuschelig eng war es am Donnerstagabend im Club Voltaire als FR-Autor Stephan Hebel in einer weiteren „aktuellen Stunde“ mit dem Publikum debattierte. Das Themenspektrum war dabei äußerst umfangreich.

Zunächst ging Hebel auf die Situation in Venezuela ein, thematisierte dann die Beziehungen der USA zu Iran sowie Russland und kam schließlich auch auf die Dieseldebatte und den Frankfurter Polizeiskandal zu sprechen.

Beim Thema Wohnungspolitik erklärte Hebel, dass die Wohnkosten für das untere Fünftel der Verdiener um 30 Prozent gestiegen seien, während das obere Fünftel zehn Prozent weniger Kosten habe. Der FR-Autor bat die Anwesenden, die Initiative zum Frankfurter Mietentscheid zu unterstützen. Hebel außerdem: „Grund und Boden gehören nicht in private Hand.“ Wenn der Staat nicht eingreife, werde die Situation noch schlimmer als bisher.

Dass die Politik die Probleme von allein nicht lösen werde, ist für Hebel klar. Es brauche mehr außerparlamentarische Bewegungen, wenn sich „in diesem Land etwas ändern soll“.

Das sagte er auch mit Blick auf eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Theodor-Fliedner-Schule in Wiesbaden, die an der Diskussion teilnahm. Ein 17-jähriger Schüler fragte explizit, wie nach der Aufkündigung des INF-Vertrages nun eine Stationierung von Atomsprengköpfen zum Beispiel in Wiesbaden verhindert werden könne. „Das geht nur politisch“, antwortete Hebel und erklärte, dass der deutschen Politik die Souveränität fehle, einen eigenen Willen zu entwickeln. Es brauche definitiv eine Entspannungspolitik, doch Deutschland unternehme noch nicht einmal den Versuch, Einfluss auf die Situation auszuüben.

Als das Gespräch auf Greta Thunberg und die aktuellen Freitagsdemos vieler Schüler kam, ermutigte Hebel auch die Wiesbadener Schüler: „Geht hin!“ Politik sei das, wo „unser Leben bestimmt wird“. Egal ob Klimawandel oder unhaltbare Zustände in Schultoiletten – wer diese Probleme nicht mit Politik in Verbindung bringe, habe das System nicht verstanden.

Nach der „aktuellen Stunde“ sprach der 17-jährige Wiesbadener Schüler noch mit der FR. Seinen Namen wollte er nicht in der Zeitung lesen. „Die Veranstaltung war hochinteressant, auch weil Politik für mich im Freundeskreis sonst kein Thema ist.“ Er informiere sich viel bei Nachrichtensendern wie n-tv. Kritisch findet er, dass Deutschland viel mehr in der Außenpolitik aktiv sei, als in der Innenpolitik. „Themen, die uns interessieren, werden kaum angesprochen.“ Als Beispiele nannte er die Schere zwischen Arm und Reich sowie den zunehmenden Wohnungsbau, bei dem immer mehr Grünflächen vernichtet würden.

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