Auch mit 98 Jahren liest sie täglich die FR: Luise Maria Dreßler.
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Auch mit 98 Jahren liest sie täglich die FR: Luise Maria Dreßler.

75 Jahre

FR-Leserin seit der Rentenmark

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Luise Dreßler liest die Frankfurter Rundschau seit 1948.

Als Luise Maria Dreßler zum ersten Mal die Frankfurter Rundschau las, wurde die Zeitung noch mit Rentenmark bezahlt. Mitte 1948 war das. Kurz darauf kam die D-Mark, gut 60 Jahre später der Euro, doch Dreßler liest immer noch die Frankfurter Rundschau. „Ein Frühstück ohne Zeitunglesen geht nicht“, beteuert die mittlerweile 98-Jährige.

In ihre jahrzehntelange Liaison mit der FR hat die gebürtige Westfälin quasi eingeheiratet. Mitte 1947 war die damals 25-Jährige in Düsseldorf für die Lizenzvergabe für Verlage in der britischen Zone zuständig und lernte dabei einen gewissen Helmut Dreßler kennen. Der bewarb sich nicht nur um eine Lizenz für die Büchergilde Gutenberg, sondern auch um die junge Blondine. Sie selbst hat das etwas anders abgespeichert: „Mein Mann hat immer erzählt, er hätte mich heiraten müssen, um die Lizenz zu bekommen.“

Seit der Heirat 1948 liest Luise Dreßler die Rundschau, denn die war im Hause Dreßler abonniert. Gatte Helmut hatte die Büchergilde von seinem Vater übernommen und leitete sie 28 Jahre lang. Als Verlagsspezialist war er auch eine Vertrauensperson und Ansprechpartner für den langjährigen FR-Herausgeber Karl Gerold. „Sie haben sich immer im Privatquartier von Gerold in der Nähe des Dornbuschs getroffen und ich war oft mit dabei“, erinnert sich Luise Dreßler. 1970 zeichnet der Börsenverein Helmut Dreßler als „Förderer des Deutschen Buches“ aus. Nur vier Jahre später stirbt er viel zu früh nach schwerer Krankheit.

Luise Dreßler bewahrt das Andenken und die Verdienste ihres Mannes bis heute und auch das FR-Abo gibt es immer noch. „Ich gebe doch nicht eine Zeitung auf, die mein Mann gelesen hat“, betont Luise Dreßler, muss dann aber ein bisschen zurückrudern. Denn bis 1974 gab es im Hause Dreßler auch noch ein Abonnement der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, weil sich das für die Büchergilde schickte. „Das habe ich dann gekündigt, unsere Zeitung war immer die Rundschau“, so Dreßler.

In ihrem Haus in der Nordweststadt hat sie nicht nur eine Bibliothek mit rund 10 000 Büchern, sondern auch jeden Werktag eine druckfrische FR. „Erst lese ich den Teil vorne, dann muss ich das Kreuzworträtsel lösen, und den Frankfurt-Teil spare ich mir immer auf.“ Für ihren Sohn Klaus, der im Stuttgarter Raum lebt, schneidet sie manchmal auf dessen Wunsch Artikel aus der FR aus und hebt sie auf, bis er wieder zu Besuch kommt. Derzeit, während der Pandemie, findet Dreßler die Berichterstattung der Rundschau besonders lesenswert. „Ich habe eine Freundin, die hat nie die Rundschau gelesen, aber jetzt hat sie sie abonniert“, freut sich Dreßler, die hiermit offiziell zur Förderin der Frankfurter Rundschau ernannt wird. Seit 72 Jahren.

Aufruf: Sie kennen jemanden, der die FR schon länger liest als seit 1948? Dann schreiben Sie uns – an stadtredaktion@fr.de

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