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FR-Altenhilfe: Bloß nicht Trübsal blasen

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Achim V. ist auf eine Armutsrente angewiesen, sein Hartz-IV-Satz reicht gerade, um satt zu werden. Dank der FR-Altenhilfe kann er wieder durchschlafen.

Als im vergangenen Jahr die neue Matratze kam, vergingen die Schlafstörungen. Weil seine vorherige Unterlage fast 20 Jahre alt und durchgelegen war, schlief Achim V. kaum eine Nacht mehr durch. „Ich konnte nicht ins Bett gehen, ohne dass es mir unangenehm war und ich wusste, dass ich wie gerädert aufwachen werde“, berichtet der 68-Jährige. „Insofern war das ein Segen, dass ich mir die Matratze leisten konnte“, fügt er hinzu.

Kaufen konnte sie sich V. nur wegen der Spende der FR-Altenhilfe. „Ich beziehe eine Armutsrente, aufgestockt durch ergänzende Sozialbeihilfe“, berichtet er. Der Hartz-IV-Satz reiche nur zur bloßen Existenzbewältigung, „trivial gesagt, um satt zu werden“. V. lebt alleine in einer kleinen Wohnung. Seine Partnerin sei vor längerem gestorben. Bekannte habe er nur wenige.

„Das heißt aber nicht, dass ich Trübsal blase“, sagt Achim V. in bestimmtem Tonfall. Wenn er spricht, mit unverkennbar hessischem Akzent, bemerkt man schnell seine Belesenheit. Thomas Mann, Miguel de Cervantes und Michail Scholochow zählten zu seinen Lieblingsautoren, berichtet er. Im Fernsehen schaut er am liebsten Kultur- und Natursendungen. Daneben interessiere er sich für Technik, Naturwissenschaften, gesellschaftliche und ökologische Fragen.

Dass er eine „sehr geringe Rente“ erhält, wie er sagt, hat mit seiner Berufswahl zu tun. Nach einer Lehre als Facharbeiter in einer Molkerei studierte V. Sozialpädagogik. Auch ohne Abitur durfte er damals durch eine Sonderregelung studieren, musste aber Prüfungen zur Hochschulreife studienbegleitend absolvieren. An der Hochschule ließ er sich „von den 68ern inspirieren“, las die Klassiker der Frankfurter Schule wie Adorno und Marcuse. „Sozioökonomische Verhältnisse und Einzelschicksale“ hätten ihn immer interessiert, begründet er seine Studienentscheidung. Er habe Kindern und Jugendlichen helfen wollen.

Doch im Beruf angekommen seien „Idealismus und Optimismus, mit dem ich durchgestartet bin, verpufft“. V. spricht von einer „unangenehmen Klientel und recht schwierigen Jugendlichen“. Die Arbeitsbelastung sei sehr groß gewesen. Enttäuschung und Frust machten sich breit.

Trotz mehrerer Stellenwechsel kam Achim V. mit seiner Arbeit nicht zurecht. Auch Umschulungen brachten nicht den erwünschten Erfolg. V. reduzierte seine Stunden, arbeitete nur noch halbtags. Die letzten Jahre vor der Rente sei er erwerbslos gewesen. „Ich war nervlich überfordert“, sagt er im Rückblick. Im Alter wisse er, was schiefgelaufen sei: „Jahrelang habe ich nicht richtig gewusst, wo ich hingehöre, was für mich das Geeignete ist.“

Der Beruf des Psychologen wäre im Nachhinein die richtige Wahl gewesen, meint V. Da hätte er auch mit Menschen zu tun gehabt und gleichzeitig individuell helfen können.

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