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Model Henry räkelt sich vor den Kameras.

Aktionswoche

Auf Fotosafari im Zoo

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Kinder lernen im Rahmen der Aktionswoche „Biologische Vielfalt erleben!“ im Zoo professionell mit der Kamera umzugehen. Die Tierbilder sollen ausgestellt werden.

Die enge Treppe führt geradewegs nach unten. Dorthin, wo der Fischgeruch noch penetranter zu werden droht. Hinter der Tür am Ende der letzten Stufe räkelt sich Henry auf dem Stein, er wirft den Kopf in den Nacken, den Blick mal herausfordernd in die Kamera gerichtet, dann wieder unschuldig in die Ferne schauend. Die Kameras um ihn herum klacken unermüdlich, ihre Objektive drehen sich, links, rechts, sie fokussieren die Augen im Zusammenspiel mit der Sonne.

Henry ist das Model – und ein Seehund im Frankfurter Zoo. Da liegt er an diesem kühlen Samstagmittag, vor ihm sein Pfleger mit Fischen, neben ihm sieben Kameras, dahinter sieben Kinder. Darunter befinden sich auch Manou, Lotta, Amy und Linus, die mit acht weiteren Kindern für ein Wochenende Tierfotografen im Frankfurter Zoo sind.

„Gestern haben wir gelernt, wie so eine Kamera funktioniert“, erzählt Lotta. In ihrer Hand hält die Elfjährige eine Spiegelreflexkamera. Gemeinsam mit ihren drei Fotografenkollegen redet sie über die richtigen ISO-Werte – „je nachdem, ob sich das Tier schnell oder langsam bewegt“, erklärt die dreizehnjährige Amy –, über die Blendenöffnung und die Belichtungskorrektur. „Es ist auch wichtig, dass wir nicht die Schnauze abschneiden und dass wir uns um das Tier bewegen“, sagt Manou, die wie die anderen vorher kaum etwas über das Handwerk wusste.

Alle haben sie eine professionelle Kamera, „gestellt von der Firma Nikon“, sagt Detlef Möbius. Der 54-Jährige ist hauptberuflicher Fotograf, mit den Kindern begibt er sich seit zehn Jahren schon unter Leitung von BioFrankfurt auf fotografische Safari durch den Frankfurter Zoo, begleitet von Naturschutzbotschaftern.

„Die Kinder sollen für die Natur sensibilisiert werden, denn sie sind die Entscheider von morgen“, so Möbius. Auch deshalb ist das gesamte Wochenende kostenlos für den Nachwuchs.

Dass die Kinder in manche der Gehege dürfen, ist ein Privileg. „Von außen sehen die Tiere immer süß aus, aber wenn ich direkt vor ihnen stehe, bekomme ich schon ein wenig Angst“, gesteht Lotta. Henry ist da wohl eine Ausnahme, bis auf wenige Zentimeter kommen die Kinder an ihn heran – ihn aber scheint vorrangig sein Mittagessen zu interessieren. Nach ein paar Minuten ist Schluss mit Fotografieren. „Nicht schleichen, sondern die Füße heben“, erinnert Möbius noch schnell, damit die Tiere ruhig bleiben. Es geht hinaus aus dem Gehege, die enge Treppe wieder hoch.

„Schaut nach, ob die Bilder vernünftig belichtet sind“, erinnert der Fotograf seine Sprösslinge. Die Blicke sind auf die kleinen Monitore gerichtet, die Daumen blättern durch die Aufnahmen. „Das war voll toll, der hat die ganze Zeit in die Kamera geschaut“, schwärmt Lotta.

Für die zwölf Knipser, die aus über 50 Bewerbern ausgelost wurden, geht es erst einmal in die Pause. Danach stehen Klammeraffen, Nashorn, Tiger und Löwe auf dem Programm, bevor die Bildbesprechung stattfindet. Die Aufnahmen nämlich werden, wie in den vergangenen Jahre, ein Jahr lang im Zoo ausgestellt – auch die von Henry.

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