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Die Fotografin vor wenigen Wochen in Frankfurt am Main.

Ausstellung

Fotografie-Ausstellung in Frankfurt

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Die Fotografin Barbara Klemm zeigt in Frankfurt in der Galerie Peter Sillem Bilder von Skulpturen, die im Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden sind.

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten bricht Barbara Klemm mit ihrer Kamera von Frankfurt aus auf und erkundet die Welt. Afrika, Asien, Amerika, Europa hat die Fotografin durchstreift. Dabei ist ihre Zwiesprache mit der Kunst für sie stets mehr gewesen als nur ein Anhängsel. Gerade bei klassischen Werken interessieren sie das Wechselspiel von Licht und Schatten, die Brüche und die Dynamik, die entstehen.

Tatsächlich versammelt eine Ausstellung in Frankfurt am Main, in der kleinen Galerie von Peter Sillem in Sachsenhausen, jetzt zum ersten Mal Beispiele für die Auseinandersetzung der Künstlerin ausschließlich mit Skulpturen. Aus 50 Jahren hat Klemm 27 Arbeiten ausgewählt. Die erste entstand, als sie noch nicht einmal ihre Stelle als Redaktionsfotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) angetreten hatte; das geschah erst im Herbst 1970. Auf Einladung des Vereins Christlicher Junger Männer, so erzählt die 80-Jährige im Gespräch mit der FR, reiste sie vorher noch zur Weltausstellung im japanischen Osaka.

Schon diese Fotografie zeigt genau, was die in Münster geborene Tochter des Malers und Zeichners Fritz Klemm interessierte. Sie fotografiert bis heute ausschließlich analog und schwarz-weiß. Und es sind die Strukturen eines großen Ausstellungsraumes in Osaka, die sie herausarbeitet zwischen Licht und Dunkel.

Schon hier ist also ein Thema gesetzt beim Blick auf die Skulpturen, das sie bis heute nicht loslässt. Das kleine Kabinett der Galerie zeigt konzentriert den Umgang Klemms mit Statuen der Klassik. Immer wieder ist sie deshalb nach Italien gefahren. Sie hat sogar einmal die Stationen der Italienischen Reise von Johann Wolfgang von Goethe zwischen September 1786 und Mai 1788 mit ihrer Kamera nachvollzogen.

Eine Statue im Palazzo. Fortuny in Venedig.

2015 besuchte sie den Palazzo Fortuny in Venedig, errichtet im 15. Jahrhundert, der heute im ersten Stockwerk ein Kunstmuseum birgt. Hier entstand die Fotografie eines marmornen Jünglings, der lächelnd und entspannt die Kamera zu ignorieren scheint. Es ist die Verteilung von Licht und Schatten auf dem Körper, die der Skulptur Leben einhaucht.

Auch für Motive, die auf den ersten Blick schon zu Tode fotografiert worden sind, findet Klemm den zweiten Blick, der alles widerlegt. So zeigt sie die Nike von Samothrake bei ihrem Besuch im Louvre in Paris 1997 eben nicht in der sattsam bekannten Frontalsicht, sondern eher beiläufig und distanziert von der Seite.

Gleich zwei Arbeiten von Joseph Beuys wählte die Fotografin für diese Ausstellung aus, zeigt so ihre Wertschätzung und überbrückt einen großen Zeitraum. 1976 besuchte sie den Deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig, in dem Beuys ausstellte. 23 Jahre später blickt sie noch einmal auf eine Arbeit des künstlerischen Multitalents, diesmal vor dem klassischen Hintergrund der Rotunde des Alten Museums in Berlin.

Den Höhepunkt der Frankfurter Schau bildet aber ohne Zweifel Klemms Besuch im Jahre 2004 im Roden Crater im US-Bundesstaat Arizona. In der bizarren Landschaft des vor 400 000 Jahren erloschenen Vulkans arbeitet der Lichtkünstler James Turrell schon seit 1974 an einem Gesamtkunstwerk, bei dem das Licht sich in zahlreichen Objekten bricht und spiegelt und dadurch eine neue Realität entsteht. Für die Fotografin Barbara Klemm ist das eine große Herausforderung, die sie aber kongenial bewältigt, wie sechs von ihr ausgewählte Fotografien zeigen.

Die Ausstellungen

„Barbara Klemm– Skulpturen-Fotografie“, noch bis zum 4. April in der Galerie Peter Sillem in Frankfurt am Main, Dreieichstraße 2.

Zu sehensind 27 ausgewählte Schwarzweißfotografien.

Öffnungszeiten:Montag und Dienstag nach Vereinbarung, Mittwoch 10 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Freitag 10 bis 16 Uhr und Samstag 13 bis 17 Uhr.

Telefon: 069/ 61 99 55 50.

Die Ausstellung„Barbara Klemm und Fritz Klemm“ ist vom 5. März bis 5. Juli 2020 in Berlin zu sehen.

Der Ortist das Mauermahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Schiffbauerdamm, Öffnungszeiten dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr. 

Im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt ist der Lichtkünstler Turell mit seinen Werken ein vertrauter Gast, seine Rauminstallation „Twilight Arch“ von 1991 gehört zur Sammlung, In der Landschaft von Arizona spinnt Turell ein spannendes Netz von Licht und Schatten, die Sonne fällt durch Deckenöffnungen, dringt ins Innere des Kraters. Und Klemm fängt mit ihrer Kamera die manchmal sehr harten Brüche zwischen Dunkel und Helligkeit ein.

Natürlich darf ein Objekt von Alexander Calder in dieser Auswahl nicht fehlen, und auch der von Christo verhüllte Reichstag in Berlin aus dem Jahr 1995 ist vertreten.

Die kleine Galerie in Sachsenhausen vermag bei der Eröffnung den Andrang des Publikums nicht aufzunehmen, die Menschen stehen bis weit auf den Gehweg hinaus. Barbara Klemms Beliebtheit ist ungebrochen. Eigentlich hatte sie nach ihrem 80. Geburtstag im Dezember ihre Arbeit und ihre öffentliche Präsenz ein wenig reduzieren wollen, doch die Wirklichkeit ist eine andere.

Gerade erschien ein Buch mit neuen Fotografien von ihr auf den Spuren des Dichters Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird („Hölderlins Orte“, Kerber Verlag).

Am 4. März eröffnet Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in Berlin eine Ausstellung von Fotografien Klemms und Gemälden ihres Vaters Fritz (im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Schiffbauerdamm).

Auch dort wird die Fotografin natürlich präsent sein. Bei der Ausstellungseröffnung in Sachsenhausen bildet Klemm den Mittelpunkt eines wandernden Menschenknäuels. Sie signiert und parliert, begrüßt und umarmt.

Ganz bei sich und mit sich im Reinen ist die Fotografin, wie sie mir früher einmal erzählt hat, aber nur, wenn sie allein mit ihrer Kamera losziehen kann. Klemms Kunst braucht vor allem eines: Zeit zum Entstehen. Nur so gelingt der besondere Blick, der sie auszeichnet. Die digitale Fotografie nennt sie dagegen unkonzentriert und mit einer unglaublichen Überfülle von Material belastet.

Der exzeptionelle Blickwinkel lässt sich in der Frankfurter Ausstellung gut nachvollziehen. Etwa, wenn sich Klemm an der Küste bei San Sebastian den eisernen Skulpturen des großen baskischen Bildhauers Eduardo Chillida mit der Kamera nähert, die dort ganz bewusst der Brandung ausgesetzt sind. Auch diese „Windkämme“, schon vielfach fotografiert, zeigt sie wie niemand zuvor.

Galerist Peter Sillem, der früher Programmdirektor beim Frankfurter Fischer-Verlag war, hat seine langjährigen Kontakte zur Fotografin genutzt, um diese Schau zu bewerkstelligen. Es ist ein außergewöhnlicher Blick auf Barbara Klemms Arbeit entstanden, der den Besuch in jedem Fall lohnt. Er löst die manchmal mit ironischem Unterton vorgetragene Selbstanalyse der Künstlerin ein, sie sei doch längst klassisch.

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