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„Forum Rauchfrei“ geißelt Tabakverkauf am Frankfurter Uniklinikum

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Von: Steven Micksch

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Das Frankfurter Uniklinikum hat auf das Sortiment des verpachteten Kiosks keinen Einfluss.
Das Frankfurter Uniklinikum hat auf das Sortiment des verpachteten Kiosks keinen Einfluss. © christoph boeckheler*

Johannes Spatz, Mitbegründer der Frankfurter Initiative, sieht eine gefährliche Verharmlosung von Tabak. Das Angebot sei „legal, aber unmoralisch“.

Stellen Sie sich vor, auf der einen Seite einen Klinikgeländes werden Menschen mit Lungenkrebs diagnostiziert und an einer anderen Stelle des Geländes werden Zigaretten verkauft. Das mag skurril klingen, schließt sich aber nicht aus. Johannes Spatz, Mitbegründer des „Forums Rauchfrei“ in Berlin, sagt: „Das hatten wir in Gießen und auch in Berlin erlebt.“ Und auch in Frankfurt ist das der Fall.

Kioskpächter entscheidet

Dort, sagt Spatz, gebe es eine Verkaufsstelle, in der man auch Tabak erwerben könne. Ein Umstand, der ihm gar nicht behagt. „Wir finden diesen Verkauf von Zigaretten skandalös.“ Tabakkonsum verursache jedes Jahr direkte und indirekte Kosten in Höhe von 97 Milliarden Euro und verzögere erwiesenermaßen die Heilung – etwas, das mit dem Ansinnen eines Krankenhauses nicht einhergehe.

„Der Verkauf von Tabakwaren im Krankenhaus führt außerdem zu einer gefährlichen Verharmlosung des Rauchens“, findet Spatz. Insbesondere Kinder und Jugendliche könnten den Eindruck gewinnen, dass die Warnungen vor dem Tabak nicht ernst zu nehmen seien, wenn sogar im Krankenhaus Tabakwaren angeboten würden.

Die Pressestelle des Krankenhauses bestätigt, dass es auf dem Gelände des Universitätsklinikums Frankfurt einen Kiosk in einer Ladenzeile gebe, in dem Tabakwaren verkauft würden. „Dieser Kiosk ist verpachtet und wird vom Pächter eigenständig geführt“, lautet die Antwort aus dem Klinikum.

Johannes Spatz hat sich auch mit einem Brief an den Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden des Universitätsklinikums Frankfurt, Jürgen Graf, gewandt. Dieser würde der Initiative des „Forums Rauchfrei“ sofort folgen – wenn er denn könnte. Auf das Sortiment der Verkaufsstellen habe das Universitätsklinikum aber keinen Einfluss, heißt es. Spatz, Mediziner im Ruhestand, will das nicht gelten lassen. Graf solle seine Einflussmöglichkeit nicht unterschätzen. Bereits in anderen Städten hatten öffentliche Appelle geholfen. Beispielsweise in Flensburg, wo es an einer Klinik noch einen Zigarettenautomaten gegeben habe und rund um die Klinik massenhaft gepafft worden sei.

Das „Forum Rauchfrei“ intervenierte, der Zigarettenautomat wurde daraufhin abgeschafft. „Selbstverständlich ist der Verkauf legal. Aber er ist eben nicht legitim. Es ist unmoralisch, an einem Krankenhaus auch noch den Tabakkonsum zu fördern“, befindet Spatz.

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