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Forderung von Kollektiv in Frankfurt: Nur sozialen Wohnraum bauen

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Von: Florian Leclerc

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Die Kundgebung startet vor dem „FAZ“-Redaktionsgebäude in der Hellerhofstraße. Monika Müller
Die Kundgebung startet vor dem „FAZ“-Redaktionsgebäude in der Hellerhofstraße. Monika Müller © Monika Müller

Das Kollektiv „Freiräume statt Glaspaläste“, das ein Gebäude im Gallus besetzt hat, demonstriert gegen Gentrifizierung-

In Frankfurt sind am Samstagnachmittag etwa 80 Personen dem Aufruf des Kollektivs „Freiräume statt Glaspaläste“ gefolgt, um gegen Gentrifizierung in der Stadt zu demonstrieren. Die Demonstrierenden trafen sich um 14 Uhr zu einer Kundgebung vor dem „FAZ“-Redaktionsgebäude in der Hellerhofstraße 2-4. Das Kollektiv hält das Haus in der Günderrodestraße 5 auf dem „FAZ“-Areal besetzt.

Eine Sprecherin der „Jugend-Antifa“ (JAF) sprach sich für den Erhalt von bestehendem Wohnraum und für günstige Mieten aus. Das Gallus und das Europaviertel hätten sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, sagte sie. Neubauten mit höheren Mieten gegenüber Bestandsbauten seien entstanden. Die höheren Mieten hätten sich über den Mietspiegel auf die übrigen Mieten ausgewirkt. Eine Kernsanierung von Wohnungen verdränge die Bewohnerschaft. Dadurch ändere sich die soziale und kulturelle Zusammensetzung im Gallus, wo einst vornehmlich Arbeiterinnen und Arbeiter gewohnt hätten. Gentrifizierung bezeichnete sie als „Gewalt von oben“. „Das ist unser Viertel“, sagte sie.

„Ganz Frankfurt hasst hohe Mieten“

Parolen wie „Die Häuser denen, die drin wohnen“ und „Ganz Frankfurt hasst hohe Mieten“ zogen die Demonstrierenden anschließend über die Frankenallee zur Kriegkstraße, wo eine Zwischenkundgebung folgte. Die Polizei begleitete den Zug mit mehreren Wagen und sorgte dafür, dass die Teilnehmenden vom Autoverkehr ungestört auf der Straße laufen konnten.

An der Kriegkstraße brachte eine Sprecherin ihren Unmut über den Baulandbeschluss zum Ausdruck. Dieser sieht für das Quartier Hellerhöfe, das auf dem „FAZ“-Areal entstehen soll, eine Quote von 30 Prozent gefördertem Wohnraum vor. Bisher gibt es dort 47 Wohneinheiten. Im neuen Quartier sollen laut „FAZ“ 506 Wohnungen entstehen, davon rund 177 geförderte.

Außerdem ein bis zu 60 Meter hohes Bürohochhaus und zwei Kitas. Die Stadt plant eine vierzügige Grundschule mit Sporthalle auf dem Gebiet der Günderrodestraße 5 und 6 und der Frankenallee 95 bis 99.

Kritik an „Mehr-bauen-blabla“

Für die Sprecherin sind dies aber „Pseudosozialwohnungen“ und „Mehr-bauen-blabla“. Sie forderte, die Stadt und Investoren sollten nur noch sozialen Wohnraum bauen. In Frankfurt hätten 50 Prozent der Menschen einen Anspruch darauf. „Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei“, sagte sie unter dem Applaus der Umstehenden. Private Wohnungsgesellschaften wie „Vonovia und Co“ sollen nach Ansicht der Sprecherin vergesellschaftet werden.

Ein Sprecher der Ada-Kantine auf dem Campus Bockenheim sagte, dass immer mehr Menschen die kostenlosen gekochten Speisen in Anspruch nehmen würden. Auch zur kostenlosen Lebensmittelabgabe kämen immer mehr Menschen; einen Berechtigungsnachweis müssten sie, anders als bei der Tafel, nicht mitbringen.

Der Sprecher monierte, dass Wohnungslose in andere Kommunen fahren müssten, um das Tagesgeld von zwölf Euro, das ihnen zustehe, zu bekommen. Frankfurt sollte darüber hinaus „Housing first“ für Obdachlose ausweiten; die Stadt hatte dies zuletzt in Sossenheim eingeführt.

Ein Sprecher von „Project Shelter“ warb für ein selbst organisiertes migrantisches Zentrum. 2016 habe die Gruppe deswegen ein Haus in der Berger Straße besetzt. Dort sei das „Bistro“ ein Jahr lang ein solches Zentrum gewesen. Trotz Solidaritätsbekundungen sieht sich „Project Shelter“, die Geflüchteten Wohnraum und Beratung anbieten wollen, von den Fraktionen im Römer nicht ausreichend unterstützt.

Verhandlungen über weitere Zwischennutzungen

Vor dem besetzten Haus in der Günderrodestraße 5 endete die Demo gegen 16 Uhr. Ein Sprecher von „Freiräume statt Glaspaläste“ warb um Unterstützung für die Hausbesetzung.

Im Haus hingen Zettel mit Dingen, die gebraucht würden: etwa Lampen, Werkzeug, Tische, Stühle, Kissen, Decken. Der dritte und vierte Stock sind zum Schlafen eingerichtet. Im Treppenhaus hing eine Plakatausstellung zum Häuserkampf. In weiteren Räumen kann man Kaffee trinken oder ins Gespräch kommen.

Die Verhandlungen mit der aktuellen Mieterin, der Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft KEG, über eine Zwischennutzung für weitere Gebäude auf dem Areal bis zum Frühjahr sollen weitergehen, so das Kollektiv. Entsprechende Signale kommen auch von der Hauseigentümerin, der „FAZ“.

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