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Beim Tarifkonflikt im Handel und Versand dringt Verdi auf bessere Konditionen.

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Warnstreik in Frankfurt: Forderung nach einem Euro mehr pro Stunde 

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Hunderte Mitarbeiter aus Handel und Versand sind beim Warnstreik in Frankfurt.

In Frankfurt haben nach Angaben von Verdi am Samstag rund 1000 Mitarbeiter aus dem hessischen Handel und Versand bei einem ganztägigen Warnstreik für mehr Lohn und Gehalt, mehr Geld für Auszubildende und die Anerkennung von Tarifverträgen demonstriert. Die Polizei zählte 550 Teilnehmer.

Mit dabei waren Mitarbeiter von Esprit, Galeria Kaufhof, H&M, Ikea, Karstadt, Kaufland, Lagardere travel retail, Primark, Real, Rewe und Zara. „Zara - außen hui, innen pfui. Stoppt die erdrückende Personalpolitik“ war auf einem Plakat zu lesen, auf einem anderen stand:„Alles wird teurer. Wir auch! Ohne uns kein Geschäft.“

Mit Warnwesten, Trillerpfeifen und Ratschen zogen die Teilnehmer gegen 11 Uhr am Gewerkschaftshaus in Frankfurt los, hielten Ansprachen am Haus am Dom sowie eine Kundgebung an der Hauptwache. Zum Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Sie fordert: Einen Euro mehr Gehalt pro Stunde für alle Mitarbeiter, eine Anhebung der Ausbildungsvergütung auf 1000 Euro im ersten, 1100 Euro im zweiten und 1200 Euro im dritten Jahr, die Anerkennung der Tarifverträge bei Amazon, Galeria Kaufhof, Karstadt und Real sowie eine Erklärung, die Tarifverträge im hessischen Einzelhandel für die gesamte Branche anzuerkennen.

Das Angebot der hessischen Arbeitgeber aus der ersten Tarifrunde lehnte Verdi ab. Die Arbeitgeber hatten 1,5 Prozent mehr Gehalt in diesem und 1 Prozent mehr im nächsten Jahr angeboten.

„Wir sind mit 15 Frauen angereist“, sagte eine Verkäuferin von Karstadt aus dem Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim und wies auf die schwierigen Arbeitsbedingungen hin. So würden teilweise nur zwei Angestellte pro Etage eingesetzt, worunter die Beratung der Kunden leide. Drei Verkäuferinnen gingen nun in Rente, für sie werde es keinen Ersatz geben. Eine weitere Karstadt-Angestellte erzählte: „Wir haben jahrelang auf höhere Gehälter verzichtet, um Karstadt zu retten. Nach der Fusion mit Kaufhof sollen wir nun wieder verzichten, weil angeblich kein Geld da ist. Aber irgendwann reicht es.“

Nach 40 Jahren harter Arbeit sollte niemand mehr seine Rente beim Amt aufstocken müssen, sagte Bernhard Schiederig, der hessische Landesfachbereichsleiter von Verdi. Menschen sollten im Erwerbsleben ausreichend verdienen, um am Lebensabend nicht zu verarmen. Tarifverträge seien nötig, um Lohndumping zu vermeiden. Schon jetzt werde im hessischen Einzelhandel teilweise kaum mehr gezahlt als der Mindestlohn, sagte er. Ein Euro mehr pro Stunde entspreche bei Vollzeitarbeit 163 Euro mehr Gehalt im Monat. Das sei gerechter, als den Lohn um einige Prozentpunkte zu erhöhen, weil davon Menschen mit hohem Einkommen stärker profitierten als solche mit niedrigem.

Warnstreiks im Einzelhandel fanden am Wochenende in weiteren Bundesländern statt. Dabei sind nach Angaben von Verdi mehr als 10 000 Menschen auf die Straße gegangen.

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