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Schöne Aussichten: ein Storch auf dem Harheimer Storchenmast.

Fridays for Future Team

Fridays for Future: Das fordern  wir für Frankfurt!

Autofreies Zentrum, Solar-Panels für alle Dächer, freie Fahrt mit Bus- und Bahn - das und noch viel mehr muss kommen, damit die Stadt klima- und lebensfreundlich wird.

Eigentlich ist es ja klar: Klimaschutz muss überall geschehen – auf globaler, europäischer, nationaler und Landesebene, aber auch in den Kommunen. Und er muss schneller und konsequenter umgesetzt oder sogar ganz neu gedacht werden. Das gilt auch für Frankfurt.

Bestehende Strategien zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel müssen überarbeitet und angepasst werden, um dem Ernst der Lage gerecht zu werden. Dabei hat jede Ebene der Politik die Verantwortung, ihren Beitrag zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels (maximale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts) und zur Erhaltung der natürlichen Lebensbedingungen für die künftigen Generationen zu leisten.

Fridays for Future Deutschland fordert im Wesentlichen, bis 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen. Bis 2035 soll die Energieversorgung zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gesichert und die Nettonull erreicht werden – das bedeutet, dass nur die Menge an Treibhausgasen ausgestoßen wird, die durch natürliche Prozesse wie etwa das Wachstum von Pflanzen wieder aufgenommen werden kann.

Das alles lässt sich auf die lokale Ebene von Frankfurt herunterbrechen. Die Stadt muss an vielen Stellschrauben drehen – mit dem Ergebnis, dass die Gegend grüner und klimafreundlicher wird. Was genau passieren muss, haben die Fridays for Future Frankfurt in einem Forderungskatalog zusammengetragen: allesamt Grundlagen für eine grüne Vision von Frankfurt.

Zunächst ruft die Stadt Frankfurt den Klimanotstand aus. Auch wenn das erst mal mehr ein symbolischer Akt ist, zeigt es doch: Frankfurt berücksichtigt ab sofort bei allen Entscheidungen die Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt. Es werden immer die Lösungen bevorzugt, deren Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt am positivsten sind. Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit – also immer den billigsten Anbieter einer Dienstleistung oder immer das billigste Produkt zu nehmen – ordnet sich dem Prinzip der Nachhaltigkeit unter.

Die hier vorgestellten Ideen sind nur ein Teil einer Vielzahl von Forderungen, die die Fridays for Future für die Stadt Frankfurt erarbeitet haben.

Der vollständige Katalog ist abrufbar unter: www.fridaysforfutureffm.de/unsere-forderungen

Auch auf klimaneutrales Bauen und eine grüne Stadtentwicklung wird mehr Wert gelegt. Das fängt bei der Energieerzeugung an. Bis 2030 stammen 100 Prozent des Stroms in Frankfurt aus erneuerbaren Energien. Dem Heizkraftwerk West (HKW West) kommt dabei eine besondere Rolle zu, es ist das größte Kraftwerk des lokalen Energieversorgers Mainova. Hier werden Strom und Wärme erzeugt – derzeit mit Hilfe von zwei Steinkohleblöcken und seit 1993 auch mittels einer Gasturbine. Eine Gasturbine kann nicht mehr als ein Anfang sein: Die Stadt Frankfurt stellt das HKW West sofort komplett von Kohle auf Gas um. Spätestens 2022 wird es ganz abgeschaltet – Gas ist zwar besser als Kohle, aber alles andere als eine grüne Art, Energie zu erzeugen.

Noch einfacher ist es, auf Hausdächern Photovoltaik-Anlagen zu installieren, denn in der Regel sind diese Dächer ungenutzter Platz. Bis 2025 stattet die Stadt alle geeigneten Dächer mit Solarenergie-Panels aus – oder begrünt die Dächer wenigstens, denn das sorgt für gute Luft, die vor allem die Menschen in urbanen Gegenden dringend brauchen. Das macht aber nur Sinn, wenn die Stadt in Zukunft in all ihren Bebauungsplänen vorschreibt, dass ab 2020 neue Gebäude mit Solar-Panels ausgestattet oder wenigstens begrünt werden. Apropos Grün: Die „Grüne Lunge“ Frankfurts, ein großes Areal am Günthersburgpark, wird auf keinen Fall bebaut oder anderweitig versiegelt. Der Park bleibt als Kalt- und Frischluftschneise und als Ort der Biodiversität erhalten.

Generell achtet die Stadt darauf, dass neue Häuser nicht in die Frischluftschneisen gebaut werden. Außerdem fördert sie gezielt den Einsatz von weniger Beton und ein möglichst klimaneutrales Bauen, zum Beispiel nach dem Passivhausstandard.

Das alles sind wichtige und dringend notwendige Maßnahmen, um das Leben in Frankfurt auch in Zukunft erträglich zu gestalten – allerdings darf all das nicht zu explodierenden Mietpreisen und Verdrängung führen. Nur gemeinsam kann eine Lösung der Klimakrise gelingen. Klimaschutz und die soziale Frage dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Der zweite wichtige Bereich neben Bauen und Energie ist der Verkehr. Insbesondere wer zu den Stoßzeiten morgens und abends in Frankfurt unterwegs ist, sieht, dass in der Stadt ziemlich viel falsch läuft: Blechlawinen schieben sich in die Innenstadt, SUVs parken Fuß- und Fahrradwege zu oder Straßenbahnen stehen im Stau, weil sie sich die Fahrspur mit Autos teilen müssen – anstatt bei Ampelschaltungen bevorzugt zu werden.

Die Stadt erarbeitet deshalb bis zum kommenden Jahr ein umfassendes Konzept für einen nachhaltigen und umweltschonenden Verkehr. Spätestens bis 2025 sind alle entsprechenden Ziele erreicht. Dazu gehört unter anderem die autofreie Innenstadt – mit Ausnahme von Fahrzeugen von Behörden, Rettungsdiensten oder Lieferwagen, die alle auf klimaneutrale Antriebsformen umgerüstet werden müssen. Für diese Autos gibt es in der Innenstadt eine Anzahl von Parkplätzen, der Rest der Parkflächen wird in Grünflächen und Flächen für Fußgänger und Radfahrer umgewidmet. Damit sich alle auf die autofreie Innenstadt vorbereiten können, werden die Parkgebühren ab sofort um die Hälfte erhöht.

Das alles kann nur funktionieren, wenn gleichzeitig der ÖPNV so angepasst wird, dass er seinen Namen auch verdient. Spätestens 2025 ist Bus- und Bahnfahren für alle Bürgerinnen und Bürger deshalb kostenfrei. Vor allem die Randgebiete der Stadt werden besser angebunden, Busse und Bahnen fahren häufiger als bisher.

Die „Fridays for Future“ rufen für heute auch in Frankfurt zu ihrem „globalen Klimastreik“ auf. Den ganzen Tag über soll es Demonstrationen und Proteste für mehr Klimaschutz geben.

Ab 7 Uhr morgens sind sogenannte „Streikfrühstücke“ im Café Kurzschlusz an der Frankfurt University of Applied Sciences, beim DGB-Jugendclub im Gewerkschaftshaus und im Café Koz im Studierendenhaus geplant.

Ab 10.30 Uhr gibt es dann einen Sternmarsch in Richtung Alte Oper. Treffpunkte sind die Galluswarte um 10.30 Uhr, der Hülya-Platz in Bockenheim um 11 Uhr und der Eiserne Steg am nördlichen Mainufer um 11.30 Uhr.

Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, wird der ÖPNV insgesamt komfortabler: Wartehäuschen werden renoviert, es gibt WLAN in allen Bussen und Bahnen und vor allem werden Haltestellen und Fahrzeuge zu 100 Prozent barrierefrei. Dazu gehört auch, dass Rolltreppen und insbesondere Aufzüge an den Stationen funktionieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Klimaschutz ist der Flughafen. Der Airport ist Arbeitgeber für viele Menschen in der Region, das ist klar – das darf allerdings keine Entschuldigung sein, Klimaschutz komplett zu vernachlässigen. Konkret bedeutet das: Der Flughafen wird nicht mehr weiter ausgebaut, egal ob es um Terminals oder um Start- und Landebahnen geht. Für Kurzstreckenflüge werden die Startgebühren erhöht. Und ab 2035 starten nur noch klimaneutrale Flugzeuge vom Frankfurter Flughafen.

Aber auch in anderen Dingen wird die Stadt Frankfurt sich ihrer Verantwortung in Zukunft bewusst. Politik und Verwaltung rücken näher an die Menschen ran, es gibt Runde Tische und Bürgerinnen und Bürger werden vermehrt beteiligt. Wählen dürfen alle ab 16 Jahren. Ein Jugendparlament vertritt zudem die Interessen der jüngeren Frankfurterinnen und Frankfurter in der Politik. Dessen Abgeordnete dürfen in den Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung reden, Anträge einbringen und mit abstimmen. Ein eigenes finanzielles Budget sichert dem Jugendparlament eigene Projekte.

Wer in Behörden oder anderen öffentlichen Stellen arbeitet, kann ab dem kommenden Jahr in der Kantine viel häufiger vegetarische oder vegane Gerichte anstatt Schnitzel oder Currywurst mit Pommes Frites essen. Dasselbe gilt für Mensen in Schulen und Kitas sowie Museumsrestaurants. Die Stadt koordiniert eine Infrastruktur für Foodsharing so, dass alle Bürgerinnen und Bürger daran teilnehmen können. Damit das funktioniert, werden ortsansässige Unternehmen verpflichtet, überschüssige und noch essbare Lebensmittel nicht wegzuwerfen, sondern explizit an die Frankfurter Tafel und den Foodsharing-Ring weiterzugeben.

Frankfurt nimmt seine Verantwortung schließlich noch auf eine andere Art und Weise wahr: Die Stadt erklärt sich zum sicheren Hafen und bietet Flüchtlingen Schutz, Projekte ziviler Seenotrettungsorganisationen werden finanziell unterstützt. Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen – und auch nur dann, wenn wir die Menschen, deren Umwelt bereits zerstört oder durch Kriege und Konflikte bedroht ist, bei uns aufnehmen.

Von Fridays for Future Team Frankfurt

Aktivist*innen von Fridays for Future haben am Freitag, 20. September 2019 die Frankfurter Rundschau gekapert. Einfach bei www.fr.de/fridays Mailadresse eingeben, Verfizierungscode bekommen und die Klima-Sonderausgabe lesen.

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