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An der Kasinoschule ist wie an anderen Förderschulen Unterrichten gar nicht mehr die Hauptaufgabe der Lehrer.

Schule in Frankfurt

Förderschulen sind am Limit

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Frankfurter Lehrer von Förderschulen klagen über zu wenig Personal und eine steigende Arbeitsbelastung. Sie müssen zum Teil auch Pflichten von Eltern übernehmen.

Zu wenige Lehrer, zu viele Aufgaben und eine immer heterogenere Schülerschaft – die Lage an den Förderschulen ist für viele Lehrer belastend. „Das Personal reicht hinten und vorne nicht“, sagt Ulrich Tyszkiewicz, Lehrer an der Mosaikschule. Da darf kein Kollege krank werden, schon gar nicht die Schule verlassen – denn Förderlehrer ohne Stelle gibt es kaum. „Und sobald ein Rädchen im Schulgetriebe nicht mehr greift, kann nur noch das Chaos verwaltet werden.“

Die Frankfurter Förderschullandschaft ist derzeit im Umbruch, einige Schulen werden geschlossen oder umgewandelt, Ressourcen in die Inklusion gesteckt. „Aber auch wenn Schulen aufgelöst werden – es gibt weiterhin Kinder, die Förderschulen besuchen“, sagt Sebastian Guttmann vom Bezirksvorsitzenden-Team der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „An sie muss man denken, sonst wird ein Teil der Frankfurter Kinder einfach vergessen.“

Und die Förderschulen sind am Limit ihrer Kräfte. Förderpläne schreiben, Kontakt zu Sozial- und Jugendamt, Psychiatrie und Eltern halten, Förderausschüsse besuchen – massiv sind die Aufgaben gestiegen. Und auch Pflichten von Eltern müssen übernommen werden. „Viele sind nicht mehr erziehungsfähig“, sagt Christina Adrian von der Kasinoschule. Kinder kämen unpünktlich, ohne Ranzen, ohne Schulbrot. „Und mit der Hälfte kann ich nicht kommunizieren, weil sie die Sprache nicht spricht.“ Unterrichten sei gar nicht mehr die Hauptaufgabe der Lehrer. „Es geht darum, Familien das Leben in Frankfurt zu ermöglichen.“

Hinzu kommt: An einer Schule für Lernhilfe gibt es inzwischen auch Kinder mit Förderschwerpunkten wie geistige Entwicklung. „Da sitzen dann 16 Kinder in der Klasse, die unterschiedlicher nicht sein könnten“, sagt Sabine Brauel von der Bürgermeister-Grimm-Schule. Manche mit Verhaltensauffälligkeiten, mit Störungen in der emotional-sozialen Entwicklung. Oft Kinder mit einem viel höheren Förderanspruch als Lernhilfe-Schüler. „Aber den können wir einfach nicht leisten“. Und so den Kindern auch nicht gerecht werden.

Deshalb fordern die Lehrer kleinere Klassen, Personal für Doppelbesetzungen. Doch alleine die offenen Stellen sind nur schwer zu besetzen, es mangelt an Förderlehrern. An vielen Schulen werden die Lücken mit fachfremdem Personal gestopft. Zudem „wechseln Lehrkräfte nach dem Referendariat zunehmend in andere Bundesländer“, sagt Guttmann. Dort werde besser bezahlt.

Das Land Hessen hat angekündigt, mehr Lehrer auszubilden, mit verstärkter Weiterbildung den Bedarf zu decken. „Früher wurden Grundschullehrer umgeschult, jetzt fehlen sie, da sind es Haupt- und Realschullehrer“, sagt Guttmann. Wer eben gerade da sei, werde weitergebildet. „Das ist kein Konzept, mit dem man Bildungspolitik betreiben kann.“

Für Nadine Förster von der Hermann-Herzog-Schule leidet die gesamte Schule unter dem Lehrermangel und der Belastung. „Die Kollegen werden krank, die Kinder wissen nicht, was los ist, wenn ständig die Lehrer wechseln“, sagt Förster. „Die Stimmung ist nicht gut, da entwickelt sich gerade eine Negativspirale.“

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