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Es kommt regelmäßig zu Spitzenwerte von mehr als 69 Dezibel.

Lärmbelastung

Fluglärm schadet den Patienten

Lärmbelastungen und schlechter Schlaf stören den Heilungsprozess. Die Universitätsklinik Mainz fordert „Sofortmaßnahmen“ gegen die wachsende Belastung.

Die Patienten der Universitätsklinik Mainz werden von 5 Uhr früh bis spät in die Nacht hinein mit Fluglärm beschallt. Das stört den Prozess der Gesundung. Besonders häufig seien Überflüge in den frühen Morgenstunden mit Maximalpegeln von mehr als 68 Dezibel, sagte der Präsident des Landesamts für Umwelt, Stefan Hill, am Dienstag in Mainz. Die Belastung werde immer stärker. In den vergangenen zwei Jahren habe es pro Monat durchschnittlich 202 Fluglärmereignisse zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gegeben. Höhepunkt sei der Mai 2018 gewesen mit mehr als 500 nächtlichen Fluglärmereignissen.

Vor sechs Jahren hatte die Behörde auf dem Dach des achtstöckigen Klinikgebäudes eine Messstation installiert. Jetzt stellte sie die Ergebnisse vor. Demnach kommt es regelmäßig zu Spitzenwerte von mehr als 69 Dezibel. Im Vergleich zu den Vorjahren habe die Zahl der Flugbewegungen deutlich zugenommen, bilanzierte Hill. 

Schlafunterbrechungen stören Heilungsprozess

Die Medizin und Pflege könnten noch so gut sein, häufige Schlafunterbrechungen und zu kurze Nachtruhen störten den Heilungsprozess, sagte Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin. Thomas Münzel, Direktor des Zentrums für Kardiologie, forderte einen runden Tisch, der „Sofortmaßnahmen zum Schutze unserer Patienten“ erarbeitete. „Es ist nach wie vor unfassbar, dass man eine neue Landebahn gebaut hat, in deren direkter Verlängerung nur 20 Kilometer entfernt die einzige Universitätsmedizin von Rheinland Pfalz liegt“, sagte Münzel. Viele Maschinen flögen zu tief über das Gelände, hätten oft schon die Räder ausgefahren, so dass der Lärm sich noch verschärfe. Der Kardiologe erinnerte an die Ergebnisse der Mainzer Fluglärmforschung. Demnach verursacht kurzer und häufig unterbrochener Schlaf Gesundheitsschäden – vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Insbesondere die Belastung unserer Patienten in der gesetzlich definierten Nacht von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens ist absolut inakzeptabel.“

Für mehr Ruhe am Himmel machte sich auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) stark. Wie die Fluglärmkommission fordert sie eine Erhöhung der Entgelte, und zwar um bis zu 500 Prozent. Die Frankfurter SPD-Fraktion im Römer kritisierte, dass mit dem Hinweis auf „lange Rollzeiten“ in den vergangenen Wochen immer wieder Starts nach 23 Uhr genehmigt worden seien. „Nähme Minister Al-Wazir den Schutz der Nachtruhe ernst, würde er solche laxen Begründungen für Ausnahmegenehmigungen nicht zulassen“, sagte der umweltpolitische Sprecher, Roger Podstatny.

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