+
Fluglärm ist für die Anwohner ein Problem.

Fluglärm

Flughafen Frankfurt: Streit um den Krach

  • schließen

Der Landtag diskutiert über die Wirksamkeit der Lärmobergrenze für den Flugverkehr.

Abgeordnete von SPD und der Linken haben am Donnerstag im hessischen Landtag erneut die Lärmobergrenze für den Flugverkehr verurteilt, die von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir eingeführt worden war. Der Minister versicherte, die Grenze sei wirksam. Das Thema sorgte im Landtag für eine hitzige Debatte, bei der es auch zu Zurechtweisungen wegen des Geräuschpegels im Plenarsaal kam.

Marius Weiß, Fraktionsvize der SPD, beanstandete, dass die Lärmgrenzen in den Bereichen der höchst- und hochbetroffenen Flughafenanwohner deutlich unterschritten worden seien. Die Grenze sei demnach zu hoch angesetzt und bewirke daher jedenfalls bis 2030 nichts. Zustimmung fand Weiß bei der Linken-Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler, die die Lärmobergrenze als „Beruhigungspille“ bezeichnete. „Vergleichbar wäre die Einführung eines generellen Tempolimits von 300 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen – und der Jubel über dessen rückhaltlose Durchsetzung.“ Der Verkehrsminister müsse sich mit der Luftverkehrswirtschaft anlegen, etwa indem die Obergrenze jedes Jahr weiter gesenkt würde. Das würde den technischen Fortschritt der Airlines in Sachen Lärmreduzierung beschleunigen, argumentierte Wissler.

Wie funktioniert die Lärmobergrenze?
Die Lärmobergrenze soll die betroffenen Flächen, nicht die Anzahl der Flüge reduzieren.

Die Obergrenze für die am stärksten betroffenen Gebiete liegt bei 8815 Hektar. Im vorigen Jahr war ein Gebiet von 7176 Hektar betroffen.

512 115 Starts und Landungen gab es 2018 am Frankfurter Flughafen, knapp 37 000 mehr als im Vorjahr. 

Vorwürfe zurückgewiesen

Al-Wazir wies die Vorwürfe zurück. Die Lärmobergrenze funktioniere. „Dass sie so deutlich unterschritten wird, ist der Beweis dafür“, sagte der Grünen-Politiker. Der Linken warf Al-Wazir vor, das „Paradies auf Erden“ zu fordern, ohne dafür Verantwortung zu übernehmen. Der Minister kündigte an, weiter daran zu arbeiten, dass die Auswirkungen des Flugverkehrs „begrenzt und reduziert“ würden. Auch deshalb werde er ein „Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Flugverkehr“ schaffen.

Der CDU-Abgeordnete Heiko Kasseckert forderte, sowohl den Wirtschaftsstandort als auch die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen. Die Lärmobergrenze ist aus seiner Sicht „auch in Zukunft von allergrößter Bedeutung für eine geringere Lärmbelastung“. Sie führe „bereits jetzt dazu, dass die Airlines alle möglichen Anstrengungen zur Lärmverminderungen unternehmen“.

Politiker von CDU, FDP und AfD betonten den Stellenwert des Flughafens, der die meisten Arbeitsplätze in der Region biete. Das spielte auch in einer weiteren Landtagsdebatte über den Flughafen eine zentrale Rolle, in der es um die Luftverkehrssteuer ging. „Wenn die deutschen Airlines einseitig belastet oder gar gefährdet werden, dann gilt das auch für die Arbeitsplätze am Flughafen, in der Luftfahrt und in der hessischen Wirtschaft“, warnte Stefan Naas (FDP). Al-Wazir nannte diese Steuer hingegen ein „wichtiges ökonomisches Lenkungsinstrument“, das dem Klimaschutz zugute komme.

Derweil steht die S-Bahn-Station im Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens kurz vor der Eröffnung und lockt große Unternehmen an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare