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Rechts von der roten Linie geht es zur Start- und Landebahn, erklärt Reiseführerin Monika Marel den Teilnehmenden der Rundfahrt.

Flughafen Frankfurt

Rundfahrt am verwaisten Terminal 2

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Stillgelegte Flieger und ein verwaistes Terminal 2 - eine ungewöhnliche Rundfahrt über das Vorfeld des Frankfurter Flughafens.

Der Bus stoppt mitten auf dem Rollfeld. Ein Airbus A350 der Air China rollt von links am Bus vorbei. Vorfahrtsregeln gibt es auch am Frankfurter Flughafen, doch rechts vor links gilt hier nicht, denn Flugzeuge haben immer Vorfahrt. Es ist vielleicht auch besser so, denn wer möchte sich schon mit einem 17 Meter hohem A350 um die Vorfahrt streiten? Der Flieger macht sich auf den Weg zur Startbahn und rollt am Bus vorbei. Die 45-minütige-Rundfahrt für die 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Vorfeld von Deutschlands größtem Flughafens kann also weitergehen. Der Bus fährt entlang einer roten Linie, die nicht überschritten werden darf, erklärt Tour Guide Monika Marel. Denn hinter der Linie geht es zur Start- und Landebahn. In dem Moment hebt auch schon ein Flieger der Singapore Airlines ab. Doch die Maschine nutzt nicht die gesamte Länge der Startbahn. „Das Flugzeug ist nicht voll besetzt, deswegen hebt es früher ab“, sagt Marel.

Kurz vor dem Start wird dieser Flieger betankt. Das Kerosin fließt unterirdisch durch eine Pipeline.

Die Rundfahrt steht eben unter den unverkennbaren Vorzeichen von Corona. So sind etwa einige Flieger der Lufthansa auf dem Vorfeld, die „gegroundet“ sind, wie es umgangssprachlich im Fachjargon heißt. Das bedeutet schlichtweg, dass die Maschinen am Boden bleiben. Die Triebwerke der ruhenden Flugzeuge sind mit Folie umwickelt. „Die Vögel nisten sich da sonst gerne ein“, sagt Marel.

Die Wartungshalle 5 an der Lufthansabasis und ein Tower.

Normalerweise wäre zu dieser Mittagszeit Hochbetrieb an einem der größten Flughäfen Europas. Der Personen-Flugverkehr stand in der Hochphase der Corona-Krise nahezu still. Der Flughafenverband ADV hatte allein für die Woche vom 30. März bis 5. April nur noch 97 693 Passagiere registriert – bundesweit wohlbemerkt. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 4,5 Millionen. Kein Wunder also, dass der Flughafen in Frankfurt noch meilenweit vom Hochbetrieb entfernt ist. So ist etwa das Terminal 2 bis Ende des Jahres komplett geschlossen, erklärt Marel. Dort, wo eigentlich Fluggesellschaften wie Ryanair abheben, stehen nun stillgelegte Lufthansa-Maschinen. Dort sieht es aus wie ein Friedhof für Flugzeuge. Dafür wuseln eben kleinere Flieger über das Terminal 1. So wie die Boeing 787, die den Beinamen „Dreamliner“ trägt, „eine derzeit beliebte Maschine“, sagt Marel. Auch wenn sie um einiges kleiner ist als ein Jumbo oder A380, wird sie für Langstreckenflüge eingesetzt. Zum Vergleich, ein A380 hat eine Kapazität für bis zu 853 Passagieren. Der Dreamliner gerade mal für 200 bis 300 Passagieren.

Verlosung

Heute verlosen wir für 11 x 2 Personen die Rundfahrt „Comeback“ mit Flughafenbetreiber Fraport hinter die Kulissen des Frankfurter Flughafens. Die Rundfahrt am 8. August vormittags steht – wie momentan fast alles – unter dem Motto Corona.

Wenn Sie an der Verlosung teilnehmen möchten, einfach unter www.fr.de/gewinnspiel mit Angabe des Stichworts bewerben, das Sie im E-Paper (für FR+-Leser kostenfrei) oder in der Printausgabe vom 29.7. finden. Einsendeschluss ist der 30. Juli um 23.59 Uhr.

Die öffentlichen Rundfahrten finden mittwochs bis sonntags von 10 bis 16 Uhr statt und dauern eine knappe Stunde. Momentan ist eine Vorausbuchung unter www.FRA-Tours.com erforderlich. Einzelpersonen zahlen 8,28 Euro, der ermäßigte Preis beträgt 6,33 Euro. fr

Aber wie gesagt, es ist eben alles etwas ungewöhnlich. So eben auch, dass Passagierflugzeuge zu Frachtfliegern umgerüstet wurden, um den Bedarf an Flügen für die Versorgung von medizinischen Gütern zu decken.

Dann geht es weg vom Terminal 1. Bei der Rundfahrt sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur Flugzeuge oder beobachten den Start eines Fliegers. Es gibt ja schließlich noch weit mehr zu bestaunen. So wie die Wartungshalle 5 an der Lufthansabasis. „Die Halle zählt zu den größten in Europa“, sagt Marel voller Stolz. Sechs Boeing 747, auch als „Jumbo“ bekannt, stehen darin. Sechs Jumbos, die jeweils eine Länge von rund 70 Metern haben? „Der Eiffelturm würde reinpassen“, erläutert Marel, der sei nämlich nur zwei Meter kürzer.

Nach der Runde an der Wartungshalle und einem Meer aus Frachtkisten, geht es zurück zum Rollfeld, Terminal 1. Eine Boeing 737 wird beladen. Allerdings muss jeder Koffer einzeln hinein gehievt werden. Der Mitarbeiter muss dafür sogar in die Knie gehen und hineinkriechen. „Die Mitarbeiter dürfen deswegen nicht größer als 1,80 Meter sein“, erklärt Marel.

Vorsicht, auch am Flughafen gelten Verkehrsregeln.

Ein weiterer Flieger wird für den Start klar gemacht und betankt. Marel erläutert, dass jeder Pilot bestimmen muss, wie viel Treibstoff er für den Flug benötigt. Doch an Treibstoff sollte es am Frankfurter Flughafen wirklich nicht mangeln. Denn unter dem Rollfeld befindet sich eine mehr als 60 Kilometer lange Pipeline und einem Tanklager mit einem Fassungsvermögen von 85 Millionen Litern Kerosin. In einen Jumbo-Jet passen übrigens 225 000 Liter.

Nach der Sicherheitskontrolle kann es mit der Rundfahrt losgehen.

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