Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Urlaub in Coronazeiten am Frankfurter Flughafen.
+
Urlaub in Coronazeiten am Frankfurter Flughafen.

Flughafen Frankfurt

Wenn der Urlaub in Corona-Zeiten am Frankfurter Flughafen endet

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Weil in Lissabon das Bodenpersonal streikt, sind Reisende in Frankfurt gestrandet. Sie erhalten Ihr Geld zurück - oder einen neuen Flug in zwei Wochen.

Frankfurt - Vernetzte Welt: Am Flughafen Lissabon streikt das Bodenpersonal, und das bedeutet Arbeit für die Bundespolizei in Frankfurt. Zahlreiche Fluggäste hängen dort fest, seit den frühen Morgenstunden (17.07.2021) schon. Entsprechend genervt sind die meisten Passagiere.

Amina Oulghazi hat Tränen in den Augen. Seit 2 Uhr morgens ist die Hanauerin mit ihrer Familie am Frankfurter Airport. Lissabon sollte nur ein Zwischenstopp sein auf dem Weg nach Agadir in Marokko. Aber der Flieger ist ohne sie abgehoben. Die Fluggäste mit Endziel in Portugal oder Spanien durften mit. Wer nach Marokko möchte, nicht. Seit vier Jahren habe sie ihre Familie nicht gesehen, sagt Oulghazi. „Und jetzt sitzen wir hier fest.“

Die Kommunikation mit TAP Portugal läuft nicht gut

Etwa 70 Menschen haben es sich vor dem Check-In von TAP Portugal so gemütlich wie möglich gemacht. Es sind Familien mit Kindern, das jüngste ist ein Jahr alt. Manche dösen, liegen in den sogenannten Umpack-Stationen, Nischen in der Wand mit Kofferauflage.

Die Kommunikation läuft nicht gut. Die Menschen wissen nicht genau, warum der Flug einfach so ohne sie abgeflogen ist. „Es gibt wohl Streik“, sagt eine Frau, die sich dazu gesellt. Tränen hat sie keine in den Augen, eher eine geballte Faust in der Tasche. Die Fluggesellschaft hat ihr angeboten, das Geld zu erstatten. „Aber wir haben ein Hotel gebucht und einen Mietwagen, das können wir nicht mehr stornieren.“ Obendrein hat sie noch für die ganze Familie Corona-Tests bezahlt.

TAP Portugal hat den Fluggäste auch Ausweichflüge angeboten, doch die Auswahl ist nicht so groß. Das beste Angebot wäre am 1. August. Andere Passagiere haben Offerten für den 6. oder 9. August erhalten. „Wir sind auf die Schulferien angewiesen“, sagt eine Frau gereizt, „haben Jobs, können nicht einfach den Urlaub verlängern“.

Von der Fluggesellschaft lässt sich am Frankfurter Flughafen niemand blicken

Erst um 10.30 Uhr informiert die Fluglinie offiziell über den Streik. Zumindest haben eine Reihe der Wartenden soeben eine entsprechende SMS erhalten. Am 17. und 18. Juli muss TAP Flüge annullieren. Die Menschen fühlen sich vergessen und verloren. Nicht einmal ein Getränk oder einen Snack habe die Airline oder auch die Hausherrin des Flughafens, die Fraport, angeboten. Das mindeste wäre, wenn jemand von der Fluggesellschaft vor Ort wäre und den Schlamassel erklären könnte, fordern die Wartenden.

Das zumindest versucht die Fraport, sie schickt eine Mitarbeiterin, die sich kümmern soll. Viel anbieten kann die aber nicht. Am dringendsten benötigt wären schließlich Flüge, die hat die Fraport nicht, sie stellt den Fluggesellschaften nur den Hafen zur Verfügung. TAP Portugal selbst ist nicht da. Den Check-In und die Abfertigung hat sie delegiert – an die Fraport-Tochter „Passenger Services“.

Den Check-In delegiert TAP Portugal an die Fraport-Tochter Passenger Services

Gegen 11.15 Uhr hat der Passenger Service den TAP-Schalter wieder besetzt. Immerhin gehen am Samstag noch weitere Flüge nach Lissabon, also sollten eigentlich. Wieder gibt es das Problem, dass es einfach nicht genug Flüge gibt, um den Menschen adäquaten Ersatz anbieten zu können. „Wegen der Corona-Pandemie ist der Flugverkehr nach Marokko ohnehin eingeschränkt“, sagt ein Fraport-Sprecher.

Gegen 11.30 Uhr spitzt sich vor dem TAP-Schalter die Lage zu. Der Frankfurter Flughafen ist ein Hub, ein Drehkreuz. Die Menschen in der Schlange haben schon ein paar Kilometer in den Beinen. Sie kommen aus Wuppertal, Aachen, Hanau, der Schweiz. Jetzt den Flug sausen zu lassen und umzudrehen, ist für sie gar nicht so einfach. Sie wollen sich wehren.

Gegen 11.30 Uhr schlichtet die Bundespolizei am TAP-Schalter, zum zweiten Mal

Bereits am frühen Morgen waren sie laut geworden, hatten kurz „Fliegen!“ skandiert und geklatscht. Die Bundespolizei musste schlichten, die Menschen beruhigen. Jetzt ist es wieder so weit. Die Beamten gehen besonnen vor, aber auch bestimmt. Sie greifen sich den lautesten der Männer raus, das Sprachrohr, separieren ihn von der Gruppe, reden eindringlich auf ihn ein. „Ich wäre auch total sauer, wenn das mein Urlaub wäre“, sagt einer der Beamten.

Um 14 Uhr sind nur noch wenige der verhinderten Marokko-Urlauber da. Die meisten haben aufgegeben. Amina Oulghazi und Familie harren noch aus, mit wenig Hoffnung. „Für die Leute, die nach Brasilien wollen, ist die Lufthansa mit einem Direktflug eingesprungen“, sagt sie. (George Grodensky)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare