Prozess

Am Flughafen Frankfurt: Mann überrollt Kollegen mit Gabelstapler – Prozess beginnt

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Ein Tragischer Unfall unter Kollegen am Frankfurter Flughafen beschäftigt das Amtsgericht Frankfurt.

Vor dem Amtsgericht sehen sich Milos T. und Matija D. als Angeklagter und Nebenkläger wieder. Die beiden 24-Jährigen waren mal Kollegen, sind heute noch Freunde, und dass sie jetzt als gegnerische Parteien vor einem Strafgericht stehen, ist nicht ihre Schuld.

Was aber am 21. September 2018 gegen 20.30 Uhr nahe Tor 53 des Flughafens geschah, war Milos T.s Schuld. Beide hatten an diesem Tag Spätschicht bei der Luftabfertigung, für die sie damals arbeiteten, und an jenem Abend plagte Matija D. der Durst. Milos T. erklärte sich bereit, dem Kollegen eine Flasche Wasser zu besorgen und brauste mit dem Gabelstapler los.

Was passierte, als er zurückkam, kann sich T. bis heute nicht erklären, und es fehlt ihm auch die detaillierte Erinnerung. Vielleicht wollte er dem Kollegen einen Schrecken einjagen, vielleicht versagten die Bremsen des Gabelstaplers, jedenfalls wurde D. zwischen dem Gabelstapler und der Betonwand, auf der er saß, eingeklemmt. Als T. zurücksetzte, geriet D. unter den Gabelstapler, wurde mitgeschleift und überrollt. Er erlitt schwere innere Verletzungen, sein rechtes Bein musste amputiert werden. Noch heute befindet er sich zur Behandlung in einer Klinik.

Milos T. leugnet nichts. Wenn er über den Unfall redet, kommen ihm heute noch die Tränen. Er und sein Vater haben D. schon oft im Krankenhaus besucht. T., der keine Ersparnisse hat, versucht, zumindest finanziell so etwas wie Wiedergutmachung zu leisten. Seine Familie will ihn dabei unterstützen, aber viel auf der Naht hat sie auch nicht. Immer wenn er seinen Mandanten frage, wie es ihm selbst nach diesem Unfall gehe, antworte der, dass er nicht darüber reden wolle, sagt T.s Verteidiger. Er sage: „Ich bin nicht das Opfer. Ich habe Schlimmes getan.“

Vor Gericht teilen sich der Bosnier T. und der Kroate D. denselben Dolmetscher, und auch ansonsten scheint es kein böses Blut zwischen ihnen zu geben. Dass man überhaupt vor dem Strafgericht sitze, sagt D.s Anwalt, liege an einem Brief, den ihm ein Kollege geschrieben habe, der angeblich sowohl T. als auch dessen ehemaligen Arbeitgeber vertrete – und der in diesem Brief behaupte, T. weise jede Schuld zurück. Das sei völlig aus der Luft gegriffen, schwört T., der auch sagt, er kenne diesen Anwalt überhaupt nicht.

Aber offenbar ist es so, dass sich hinter den Kulissen die jeweiligen Versicherungen weigern, für den Schaden aufzukommen. Hintergrund ist wohl die strittige Frage, ob es sich beim Unfall, der ja gewissermaßen in einer Arbeitspause geschehen sei, um einen Arbeitsunfall handele. Und wenn es bei Versicherungen ums Geld geht, dann kann es dringend geboten sein, die Angelegenheit auch strafrechtlich dingfest zu machen – um das zu wissen, muss man kein Jurist sein.

Nachdem die Schuldfrage geklärt wäre, besteht auch kein Grund mehr, den Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung durchzuziehen. Das Verfahren wird vorläufig eingestellt, T. zahlt an D. sechs Monatsraten von je 350 Euro, die nicht auf ein eventuelles Schmerzensgeld angerechnet werden dürfen. Dieses dürfte deutlich höher ausfallen. Wie hoch und wer es zahlen muss, das müssen nun Zivilgerichte klären.

Und das – auch für dieses Wissen muss man kein Jurist sein – kann dauern.

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