1. Startseite
  2. Frankfurt

Flughafen Frankfurt: Angespannter Flugbetrieb, lange Wartezeiten

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Frost, zu wenig Personal und hoher Krankenstand führen zu längeren Wartezeiten. Die Gewerkschaft fordert einen Branchentarifvertrag, um den Job attraktiver zu machen.

Frankfurt – Der letzte Flug des Tages ging am Donnerstag um 23.57 Uhr Richtung Brüssel in die Luft. Es war einer von insgesamt 24 Starts, denen die hessische Luftaufsicht in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte. Hinzu kamen sieben verspätete Landungen von Flugzeugen, die ebenfalls zu einer Zeit unterwegs waren, in der eigentlich das sechsstündige Nachtflugverbot gilt. Schlusslicht war Lufthansaflug 199 aus Berlin um 23.56 Uhr.

Doch Flughafenbetreiberin Fraport hat derzeit nicht alleine mit den Folgen der Witterung zu kämpfen. Am Freitag warnte sie vor einem „angespannten Betrieb“ in den nächsten Tagen. Ein Grund ist der starke Personalabbau während der Pandemie. „Vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden Personalengpässe und aktuell hoher Krankenstände kommt es auch am Flughafen Frankfurt zu Personalunterdeckungen, insbesondere an den Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckabfertigung“, teilte Fraport am Freitag (16. Dezember) mit und bat Reisende, einen ausreichenden Zeitpuffer einzuplanen.

Flughafen Frankfurt: 24 Ausnahmegenehmigungen

Den aktuellen Krankenstand bezifferte Fraport-Sprecher Dieter Hulick im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau auf 15 Prozent. Mitgezählt seien Väter und Mütter, die wegen ihrer kranken Kinder daheimbleiben müssten. Das deckt sich mit den Angaben von Verdi-Gewerkschaftssekretär Uwe Schramm, der einen Überblick über die anderen Airportfirmen hat. „Wir haben einen auffällig hohen Krankenstand von 13 bis 20 Prozent.“

Nachtruhe

Am Frankfurter Flughafen gelten zwischen 23 und 5 Uhr Nachtflugbeschränkungen. Verspätete Maschinen mit planmäßiger Ankunft vor 23 Uhr dürfen bis 24 Uhr landen, sofern sich Verspätungsgründe nicht aus der Flugplangestaltung ergeben.

Verspätete Starts sind bis 24 Uhr möglich, bedürfen jeweils einer gesonderten Genehmigung. Die Verspätungsgründe müssen außerhalb des Einflussbereichs der jeweiligen Fluglinie liegen. jur

Auch ohne die aktuelle Infektionswelle sei die Lage nicht gut. „Die Bodenverkehrsdienste sind personell noch immer nicht zurück auf dem Niveau vor Corona“, sagt Schramm. Und die müssten jetzt auch noch den Winterdienst erledigen, sprich, die Flugzeuge enteisen – Hauptursache für die 24 Ausnahmegenehmigungen am Donnerstag (15. Dezember).

Fraport „hinkt hinterher“: Gewerkschafter fordern einen

In den zwei Corona-Jahren habe Fraport befristete Arbeitsverträge nicht verlängert, viele Beschäftigte in den Vorruhestand geschickt. „Jetzt hinkt man hinterher“, sagt Schramm. Auf dem Arbeitsmarkt gebe es genug Alternativen zu einem Job im Dreischichtsystem auch am Wochenende bei Wind, klirrender Kälte und mit schlechtem Lohn, weil ein Branchentarifvertrag an den Arbeitgebern bislang gescheitert sei, moniert der Gewerkschafter.

„Der Mindestlohn ist zwar ein Fortschritt, doch die Inflation frisst ihn auf.“ Nach Angaben von Fraport-Sprecher Hulick hat der Konzern im vergangenen Jahr mehr als 1800 neue Beschäftigte für den Bodenverkehrsdienst eingestellt. Doch auch die reichten nicht aus. „Wir suchen weiter im operativen und administrativen Bereich – Ingenieure, IT-Kräfte.“ Eine Zahl nennt er nicht.

Flughafen Frankfurt: Die Situation ist angespannt.
Flughafen Frankfurt: Die Situation ist angespannt. (Archivbild) © Boris Roessler/dpa

Der Bedarf ist groß. Die Branche erholt sich zusehends vom Pandemieschock. Immer mehr Corona-Restriktionen fallen. Im November stieg die Passagierzahl in Frankfurt gegenüber dem Vergleichsmonat 2021 um 41,2 Prozent auf rund 4,1 Millionen. Mit Beginn des Winterflugplans zog der Geschäftsreiseverkehr nach Fraport-Angaben merklich an, Nordamerika und Westeuropa stünden im Fokus. Doch wie in den Vormonaten prägten touristische Ziele wie Zypern, Türkei oder die Karibik das Wachstum. Von den Passagierzahlen vor Corona im November 2019 lag der November allerdings noch 19,2 Prozentpunkte entfernt.

Flughafen Frankfurt: Schwerpunkt touristische Reisen

Der Schwerpunkt touristische Flüge führt dazu, dass der Verkehr sich nicht mehr auf den ganzen Tag verteilt. „Zusätzlich zur angespannten Personalsituation haben wir auch im Winterflugplan und gerade vor den Weihnachtsferien am Flughafen ausgeprägte Aufkommensspitzen“, sagt Hulick. „Es entstehen extreme Peaks, die sich auch an den Sicherheitskontrollen widerspiegeln.“

Gepaart mit „wetterbedingten Herausforderungen“ führe dies zu einem höheren Passagieraufkommen in den Terminals, etwa wegen Umbuchungen, und damit längeren Wartezeiten. Seine Empfehlung: zweieinhalb Stunden vor Abflug da zu sein und sich direkt nach dem Check-in zur Sicherheitskontrolle und dem jeweiligen Abflugsteig zu begeben. (Jutta Rippegather)

Zuletzt wurde am Flughafen Frankfurt gegen Kurzstreckenflüge demonstriert.

Auch interessant

Kommentare