Ihm droht Gefängnis

Flugbegleiter mit Drogen am Frankfurter Flughafen gestellt – Ex-Freundin verrät ihn aus Rache

  • Stefan Behr
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Ein Flugbegleiter schmuggelt Kokain in seinem Körper nach Deutschland. Am Frankfurter Flughafen fliegt der Berliner Schmuggler auf, seine Ex-Freundin gibt entscheidende Tipps.

  • Ein Flugbegleiter schmuggelte Kokain von Bogota zum Frankfurter Flughafen.
  • Seine Ex-Freundin rächt sich vor Gericht am Berliner Schmuggler.
  • Der Schmuggler sammelte Geld für Marmeladen-Startup.

Frankfurt/Bogota – Martin K. ist nicht gerade der typische Koks-Schmuggler. Am 13. März 2020 fliegt der 45-Jährige, der seit fast 20 Jahren als Flugbegleiter – er selbst nennt sich „Saftschubser“ – für eine große deutsche Airline arbeitet, privat aus dem kolumbianischen Bogota zum Frankfurter Flughafen. Und will weiter zum Flughafen Tegel, in seine Heimatstadt Berlin. Daraus wird nichts, denn in seinen Eingeweiden befinden sich 67 kleine Päckchen mit insgesamt knapp 150 Gramm Kokain minderer Qualität – was man in Kolumbien gar nicht so leicht findet. Das K. auffliegt, ist auch nicht den Sicherheitskontrollen geschuldet, sondern seiner Ex-Freundin, mit der er im Dezember Schluss gemacht hatte und die ihn darum zürnenden Herzens bei der Polizei verpetzt hat.

Stadt in Hessen:Frankfurt am Main
Fläche:248,3 km²
Höhe:112 m
Bevölkerung:753.056 (2019) Eurostat

Kokain am Frankfurter Flughafen: Drogenschmuggler aus Berlin sammelt Geld für Marmeladen-Startup

Es ist nicht das erste Mal, dass K. auf Shopping-Tour in Kolumbien war. Mehrere Reisen sind dokumentiert; zumindest auf den letzten beiden, gibt K. zu, hatte er Koksbeutelchen im Magen. Er kann auch gar nicht anders, als das zuzugeben, denn der Chat-Verlauf seines Handys dokumentiert, wie er das Koks in Berlin vertickt. Aber nur im engsten Freundeskreis innerhalb seiner Berliner Tischtennisclique, beteuert K. – „von denen kiffen natürlich sehr viele, und es sind auch ein paar Coca-Nasen dabei“. Er selbst „kiffe wie ein Affe“. Also keinen neuen Stoff fürs Frankfurter Bahnhofsviertel.

Aus den Blättern der Kokapflanze wird mit viel Chemie das Rauschgift Kokain hergestellt – für Marmelade braucht es nur Zucker und Geliermittel.

Das geschmuggelte Kokain habe größtenteils seinem Eigenbedarf gedient – und der Finanzierung seiner wahren Leidenschaft: dem Import von selbstgemachter bolivianischer Mango-Marmelade. Die wecke er mit einem Kumpel in Kolumbien höchstpersönlich ein, und sie sei sehr lecker, aber leider sei die Gewinnspanne nicht so hoch wie bei den Blättern des Cocastrauchs, und so habe er den Schmuggel als Start-up-Hilfe verstanden, schließlich wolle er irgendwann mit dem Mangomarmeladenumsatz „venezolanische Flüchtlinge, arme kolumbianische Familien und ein kleines indigenes Indianervolk“ unterstützen.

Kokain-Schmuggler vom Frankfurter Flughafen landet im Gefängnis – Ex-Freundin packt vor Gericht aus

Als Schmuggler ist K. ein furchtbarer Stümper. Andere schmuggeln mehr und besseren Stoff. Bei K.s vorletztem Trip war ein Tütchen undicht und führte ihn nach der Landung in Frankfurt erst einmal schnurstracks ins Höchster Klinikum. Aber da hat er wenigstens Ruhe vor seiner Freundin gehabt.

Bodypacking

Drogenschmuggler verstecken Stoffe in kleinen Tüten in ihren Körperöffnungen. Das „Bodypacking“ ist sehr riskant, da die Päckchen leicht platzen und ihr giftiger Inhalt direkt über die Schleimhäute aufgenommen werden können. Die Polizei setzt zur Beweissicherung unter anderem Brechmittel ein, wogegen es Proteste gibt. Fälle von Bodypacking am Frankfurter Flughafen gibt es häufiger.

Die sagt am Montagvormittag als Zeugin im Prozess vor der Großen Strafkammer äußerst belastungsfreudig aus und trägt ihr Quäntchen dazu bei, dass K. am Ende zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt wird. Das verschafft ihr auch ein bisschen Ruhe, denn sie wohnt immer noch in der von K. gemieteten Wohnung. Als Beruf gibt die 51 Jahre alte Margaryte T. „spirituelle Heilerin“ an, und tatsächlich ist Martin K. mittlerweile von ihr geheilt.

Der Vorsitzende Richter bei dem Drogenprozess hat kein Verständnis für K.s Handeln. Er verstehe nicht, sagt der Richter, wie K. seinen gut bezahlten Job als Flugbegleiter und sein Leben durch das Schlucken schlecht verpackten schlechten Kokains riskiere, um seinen doch irgendwie recht bizarren Traum von einem Mangomarmeladenkartell zu verwirklichen. Mit seinem Unverständnis ist der Richter nicht ganz alleine. „Ick vasteh mir selba nich“, berlinert Martin K. abschließend. (Von Stefan Behr)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/picture alliance

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