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Personalnot am Flughafen Frankfurt: Keine Aushilfen aus der Türkei

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Von: Jutta Rippegather

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Am Flughafen Frankfurt herrscht Personalnot. Schulungen für Aushilfen aus der Türkei seien jedoch zu aufwendig, teilt Betreiberin Fraport mit.

Frankfurt – Frankfurts Flughafenbetreiberin Fraport legt das Thema Aushilfen aus der Türkei ad acta: „Intensive Gespräche mit den türkischen Personaldienstleistern und detaillierte Prüfungen zugesendeter Personalunterlagen haben gezeigt, dass das tatsächliche Qualifikationsniveau vielfach deutlich unter unseren geforderten Minimalanforderungen liegt“, teilte Unternehmenssprecher Dieter Hulick der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit. Die Aspirant:innen besäßen weder die für die Tätigkeit notwendige Airport-Berufserfahrung noch Deutschkenntnisse. Schulungen seien angesichts des befristeten Einsatzes leider nicht sinnvoll.

Verkehrszahlen

Im Juli stieg die Zahl der Flugggäste erstmals seit der Pandemie über die fünf Millionen. Das wachsende Interesse an touristischen Flügen führte zu einem Aufkommensplus von 76,5 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres, meldet Fraport. Vom Juli 2019 liegt der aktuelle Wert noch 27,4 Prozent entfernt.

Der Streiktag des Lufthansa-Bodenpersonals habe den „sehr dynamische Aufwärtstrend“ nicht gebrochen. Er brachte ein Minus von rund 100 000 Passagieren. jur

Fraport will sich nun auf das Anwerben auf dem hiesigen Arbeitsmarkt konzentrieren. „Hier kommen wir gut voran“, versichert der Konzernsprecher. Seit Spätsommer habe die Tochter Fraground mehr als 1000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gepäck- und Bodenabfertigung eingestellt.

Flughafen Frankfurt: Fraport sucht mehrere Hundert neue Beschäftigte

„Trotzdem läuft die Rekrutierung weiter, denn wir brauchen aufgrund der besonderen Herausforderungen noch mehrere Hundert neue Beschäftigte.“ Zudem sei nicht damit zu rechnen, dass Neueinstellungen kurzfristig spürbare Entlastung brächten. „Grund dafür sind aufwendige behördliche Prüfungen und Schulungen.“

Es bleibt eng am Frankfurter Flughafen – obwohl der Flugplan mehrfach ausgedünnt wurde. „Die Situation ist kritisch und daran wird sich in den nächsten Wochen auch nichts ändern“, prognostiziert Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz, der die Türkei-Idee von Anfang an als unrealistisch einschätzte. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Flüge gestrichen werden müssten. Die Beschäftigten arbeiteten am Limit. Nicht jeder habe noch die Kraft oder die Zeit, zusätzliche Schichten zu übernehmen – trotz eines zusätzlichen Antrittsgelds von 100 Euro am Tag.

Flughafen Frankfurt: Personalabbau während Corona deutlich zu spüren

In allen Bereichen seien die Folgen des zu starken Personalabbaus in der Pandemie zu spüren. Ein hoher Krankenstand komme hinzu nebst Beschäftigten, die aus eigenem Antrieb kündigten, weil sie es nicht mehr aushielten. Bei den meisten Passagieren habe sich zwar inzwischen herumgesprochen, dass das Management für die aktuellen Probleme verantwortlich sei. Doch es gebe immer noch Fluggäste, die Frust und Wut beim Personal abladen würden. Eine Angestellte, die am Tag drei Mal angespuckt werde, verliere irgendwann die Arbeitsmotivation. Das System sei am Anschlag.

Auch mit neu eingestelltem Personal wird es so schnell keine Entlastung geben. Monika Müller
Auch mit neu eingestelltem Personal wird es so schnell keine Entlastung geben. Monika Müller © Monika Müller

Doch noch hält es. „Der Betrieb am Flughafen Frankfurt läuft in den ersten Ferienwochen bisher stabil und geordnet“, sagt Fraport-Sprecher Hulick. Die Berge gestrandeten Gepäcks seien so gut wie abgebaut. „Aktuell gibt es in Frankfurt nur vereinzelt Koffer zum Nachversenden.“ Wie in den Sommerferien vor Corona üblich, herrsche in den Terminals Hochbetrieb, gleichwohl gebe es keine ausufernden Wartezeiten. „Reisende werden gebeten, zweieinhalb Stunden vor Abflug im Terminal zu sein.“

Corona: Mögliche Welle im Herbst erschwert Personalplanung am Frankfurter Flughafen

Die große Unbekannte bleibt der Herbst. Kommt es zu einer neuen Corona-Welle, welche die überraschend schnell wiedererwachte Reisefreudigkeit bremst? Ist es sinnvoll, neues Personal einzustellen, das möglicherweise dann nicht mehr gebraucht wird? Auf alle Fälle, sagt Gewerkschaftssekretär Miemietz. „Der Personalaufbau geht nur langsam voran.“

So mancher Ferienflieger, etwa Condor, leihe sich zu hohen Kosten Flugzeuge und Personal bei anderen Airlines aus. Denn: „Der touristische Verkehr hat Priorität und soll unbedingt aufrechterhalten werden.“ Auch die Verantwortlichen bei Fraport gehen davon aus, dass der seit März spürbare starke Aufwärtstrend anhält, sagt Sprecher Hulick: „Für Frankfurt erwarten wir auf Gesamtjahressicht zwischen 45 und 50 Millionen Passagiere und damit ein höheres Aufkommen als noch zum Jahresanfang angenommen.“ (Jutta Rippegather)

Wenn die Urlaubszeit im Sommer vorbei ist, planen viele Menschen bereits die nächste Reise. Das angemahnte Energiesparen spielt dabei keine Rolle.

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