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Lufthansa-Maschine wird betankt

Flughafen Frankfurt

Hessen soll zum Labor für synthetisches Kerosin werden

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Die Landeregierung will Power-to-Liquid erforschen. Die Opposition mahnt an, darüber nicht die aktuellen Umweltprobleme durch den Flughafen zu vernachlässigen.

Hessen als Vorreiter bei der Entwicklung und Produktion von synthetischem Kerosin. Mit diesem Antrag hat die CDU-Fraktion am Donnerstag im Landtag eine Debatte über klimaneutrales Reisen in der Luft entfacht. Fliegen sei nun mal Teil des weltweiten Handels, von dem auch weniger gut entwickelte Länder profitierten, sagte Fraktionschef Michael Boddenberg. Hessen ein „maßgeblicher Standort“ der Luftfahrtindustrie. Mit Power-to-Liquid gebe es eine Alternative zum Kerosin, an die noch vor drei Jahren kein Mensch gedacht habe. Als Standort mit dem bundesweit größten Verbraucher wolle Hessen bei der technischen Innovation die Nase vorn haben. Das habe Schwarz-Grün schon vor knapp einem Jahr im Koalitionsvertrag vereinbart.

Power-to-Liquid Der englische Begriffsteht für unterschiedliche technische Prozesse, die die Herstellung flüssiger Kraftstoffe zum Ziel haben.

Der Bundesverbandder Deutschen Luftverkehrswirtschaft verlangt, die Mittel aus der Luftverkehrssteuer zur Förderung regenerativer Kraftstoffe einzusetzen.

Lufthansa-ChefCarsten Spohr sieht über Jahrzehnte keine technische Alternative zum Einsatz von Kerosin. Der Kraftstoff könne aber mit dem Einsatz regenerativen Stroms zunehmend synthetisch und klimaneutral erzeugt werden. jur

Das Land will ein „Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr“ eröffnen, eine Power-to-Liquid-Pilotanlage fördern. Letztere soll die Entwicklung und Produktion synthetischen Flugzeugkerosins vorantreiben. Das hatte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vor einem Monat auf der nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig angekündigt. Er war am Donnerstag nicht da, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach für die Landesregierung: Bei der Luftfahrtkonferenez hätten alle Akteure ihr Interesse an alternativem Kerosin bekundet. Hessen wolle die „große Chance“ nutzen, Standort einer bundesweiten Geschäftsstelle zu werden, die die „Roadmap“ für die nächsten Schritte entwickele. Die Deutsche Lufthansa habe ihre Unterstützung signalisiert. Das House of Logistic and Mobility (HOLM) biete die räumlichen Kapazitäten. Bouffier: „Wir können morgen anfangen.“

Die FDP begrüßte den Vorstoß. Der Abgeordnete Stefan Naas regte an, sich aber nicht auf eine technische Lösung alleine zu konzentrieren. Es müsse „technikoffen“ geforscht werden. Für Gerhard Schenk von der AfD sind die Pläne ein „alter Hut“, den „Ökoradikalinskis“ der CDU eingeflüstert hätten. Sozialdemokraten und Linke nutzten die Gelegenheit zur Generalkritik an der Flughafenpolitik der Landesregierung.

„Wer Billigfliegerei zulässt, braucht sich nicht zu wundern, dass die Probleme größer werden“, sagte Gernot Grumbach (SPD). Selbst Wasserdampf beeinflusse das Klima. „Klimaneutral fliegen geht nicht.“ Auch er regte an, andere Techniken einzubeziehen, etwa die Solarenenergie. „Flugverkehr ist das klimaschädlichste Verkehrsmittel“, sagte Janine Wissler, die Fraktionschefin der Linken. Bio-Kerosin sei angesichts der dafür notwendigen Anbauflächen unrealistisch. Synthetische Treibstoffe hätten „ein gewisses Potenzial“, lösten aber nicht die Probleme von heute: Umweltverschmutzung, Lärm, Ultrafeinstaubbelastung. Wissler forderte die Besteuerung von Kerosin, die Verlagerung von Kurzstrecken auf die Schiene: „Schluss mit dem Ausbau des Frankfurter Flughafens und der Billigflieger-Strategie.“

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