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Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen.

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Frankfurt: Fraport will nun doch auf Gift-Deponie verzichten

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Der Konzern sucht nach Deponien, die den verseuchten Erdaushub vom Bau des Terminal 3 am Flughafen Frankfurt annehmen.

Die umstrittene Deponie für kontaminierte Erde auf dem Flughafengelände wird möglicherweise doch nicht realisiert. „Wir suchen mit Hochdruck nach geeigneten Deponien, die uns das Material abnehmen“, teilte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte am Freitag in Frankfurt mit. Womöglich werde noch in diesem Jahr der belastete Erdaushub von Terminal 3 abtransportiert. „Bestenfalls muss das beantragte Bodenlager nicht gebaut werden.“

Die Ausschreibungen für eine „fachgerechte Einlagerung auf geeigneten Deponien“ so der Vorstandsvorsitzende, liefen seit Ende vergangenen Jahres. Für den Abtransport des belasteten Aushubs seien bereits erste Verträge unterzeichnet. „Ziel ist es, in den kommenden Monaten die Gesamtmenge auf passenden Deponien zu entsorgen.“

Sorge um Grundwasser

Vor einem Jahr hatte Fraport beim Regierungspräsidium Darmstadt den Antrag für das Bodenlager auf Basis des Bundesimmissionsschutzgesetzes eingereicht. Zur Begründung hieß es, es fehlten Deponiekapazitäten für den mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) kontaminierten Aushub. Fünf Jahre lang wollte das Unternehmen bis zu 600 000 Kubikmeter giftige Erde lagern.

Es hagelte Proteste - vor allem aus dem Kreis Groß-Gerau. Das betroffene Areal liegt am Südrand der Cargo-City-Süd hinter Tor 31 östlich der Okrifteler Straße und damit auf der Gemarkung Mörfelden-Walldorf. Die Sorge um das Trinkwasser ist groß. Gleichwohl lehnte das Regierungspräsidium Darmstadt als Genehmigungsbehörde die geforderte Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung ab. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren.

Unabhängig von diesem Prozess liefen die Arbeiten am neuen Terminal weiter. Den belasteten Boden lagert Fraport derzeit provisorisch direkt neben der Baustelle. Deshalb hat der Kreis Groß-Gerau Anfang dieser Woche Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt erstattet.

Der Umgang mit dem hoch belasteten Aushub entspreche nicht den Anforderungen des Grundwasserschutzes und des Abfallrechts, argumentierte der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer (Grüne). Und zitierte Schätzungen, wonach Fraport für die ordnungsgemäße Entsorgung 50 Millionen Euro zahlen müsste.

Das neue Terminal 3 entsteht im Süden des Flughafenareals auf dem einstigen Gelände der Rhein-Main Air Base. Bei den PFC handelt es sich laut Fraport-Angaben um Rückstände von Löschschaum von Übungen der US Air Force. PFC sind im Boden nicht abbaubar, gelangen über das Grundwasser in den Naturkreislauf. Weil sie als gesundheitlich bedenklich eingestuft sind, hat die EU die Verwendung seit 2008 stark eingeschränkt.

Mitte 2018 waren die Grenzwerte für PFC deutlich erhöht und die Messmethodik neu vorgegeben worden. Diese neuen Vorgaben, argumentiert Fraport, seien bei Baubeginn nicht bekannt gewesen.

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