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Sommerferien-Beginn am Flughafen Frankfurt: Banges Warten am Check-in

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Von: Sandra Busch

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Schlangen und Gedränge am Flughafen Frankfurt.
Schlangen und Gedränge am Flughafen Frankfurt. © dpa

Das ganz große Chaos bleibt am Flughafen Frankfurt zu Ferienbeginn aus, doch die Warteschlangen sind lang. Einige fürchten doch, den Abflug zu verpassen.

Frankfurt – Familie Straub ist doch ein wenig bange, ob sie ihren Flug nach Portugal bekommt. Um 13.30 Uhr soll am Samstag vom Frankfurter Flughafen in den Urlaub gestartet werden, eine Stunde vorher steht die vierköpfige Familie immer noch in der Warteschlange in Abflughalle B des Terminals 1 für den Check-in bei TAP Air Portugal. Am Flughafen sind die vier bereits seit dreieinhalb Stunden. „Wir sind extra früh gekommen“, sagt Udo Straub. „Ich bin schon angespannt, ob das alles noch klappt.“

Es gibt sie, die langen Warteschlangen am Frankfurter Flughafen zum Ferienstart in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sie winden sich quer durch die Abflughallen, völliges Chaos herrscht am Wochenende aber dennoch nicht. Für den Samstag waren bis zu 200.000 Passagiere auf dem größten deutschen Flughafen erwartet worden. So viele wie noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie. Und wegen Personalmangels war es zuvor schon zu etlichen Verspätungen und Kofferchaos gekommen. Viele Passagiere sind daher am Samstag auf Verzögerungen vorbereitet am Flughafen erschienen. Früher als üblich – und „für die ersten beiden Tage sind Sachen im Handgepäck“, sagt Marie Straub. Falls es zu Abfertigungsproblemen kommt und der Koffer zunächst in Frankfurt bleibt.

Ferienbeginn: Am Flughafen Frankfurt ist es nicht so schlimm wie am Flughafen Köln

Bei Celal Yildiz ist es andersherum. Sein Koffer ist schon in Istanbul. Er aber noch in Frankfurt. Eigentlich wollte er am Tag vorher von Köln in die Türkei fliegen. Doch in Köln stand er drei Stunden am Check-in, „die Schlange war zwei Kilometer lang“, erzählt er etwas genervt. Am Ende hat er es dann nicht mehr rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle geschafft. Der Koffer flog mit, er selbst wurde auf den Flug am nächsten Tag von Frankfurt aus umgebucht. „In Köln war es katastrophal, hier ist es dagegen harmlos“, meint er.

Allerdings hat er vorgesorgt. Er ist um zehn Uhr zum Flughafen gekommen – sein Flug geht um 19 Uhr. Neun Stunden vorher ist er erschienen. „Wenn man das in Köln erlebt hat, dann kommt man lieber früher.“ Seit 45 Minuten steht er nun in der Schlange zum Check-in bei Turkish Airlines. Er versteht nicht, „warum es für das Personalproblem keine Lösung gibt“. Rechtzeitig ins Flugzeug schaffen werde er es nun wohl an diesem Tag, dafür sei er ja so früh gekommen. „Aber nächstes Jahr, da fahre ich mit dem Auto“, sagt er. „Das tue ich mir nicht mehr an.“

Erhöhtes Reiseaufkommen: Flughafenbetreiber Fraport spricht von punktuellen Wartezeiten

Der Flughafenbetreiber Fraport spricht am Samstag von einem geordneten, stabilen Betrieb mit punktuellen Wartezeiten. Auch die Airlines hätten zusätzliches Personal in den beiden Terminals im Einsatz, um dem hohen Passagieraufkommen gerecht zu werden. Der Flugplan am größten deutschen Drehkreuz war deutlich ausgedünnt worden, so dass nicht so viele Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden müssen. Vor den Check-in-Schaltern in der Abflughalle und an den Sicherheitskontrollen bildeten sich am Samstag zwar lange Warteschlangen, sagt ein Fraport-Sprecher. Diese seien aber zügig abgebaut worden. Die tatsächliche Wartezeit für die Passagiere sei damit überschaubar gewesen.

Auch der Pressesprecher der Bundespolizei Reza Ahmari sagt am Samstag in Abflughalle A des Terminals 1: „Es ist alles im grünen Bereich bei den Sicherheitskontrollen.“ Es sei gut voll am Flughafen, aber alles funktioniere. „Es gibt Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen von maximal 20 bis 30 Minuten, das ist absolut im Rahmen“, sagt Ahmari. Es sei eine Entlastung zu spüren, da Flüge rausgenommen worden seien, „das stabilisiert das System“.

Sorgen von Reisenden am Frankfurter Flughafen: Viele kommen Stunden zu früh

Allerdings seien viele Passagiere viel zu früh am Flughafen gewesen. „Manche waren um ein oder zwei Uhr nachts da“, erzählt der Sprecher. Natürlich würden sie dann fünf, sechs, sieben Stunden warten bis zum Abflug. Ein so frühes Erscheinen „bringt auch eher die Prozesse am Flughafen durcheinander“, sagt Ahmari. Besser sei es sich an die Empfehlung zu halten, etwa drei Stunden vorher zu erscheinen.

Fünf Stunden vor Abflug sind auch die Gojeks aus Kaiserslautern da. Die Eltern bringen Tochter Alisha zum Flughafen. Die 19-Jährige will nach Istanbul, dort ihren Verlobten besuchen. So viel gebracht hat es ihnen nicht, so viel früher zu erscheinen. Der Schalter habe erst drei Stunden vor Abflug aufgemacht, sagt Mutter Simone Gojek in der Warteschlange zum Check-in. „Wir hoffen jetzt, das wird reichen.“ Damit dann auch der Koffer ankommt, haben sie ihn zum besseren Erkennen markiert. Ein Sticker des Spiels „What do you meme“ klebt auf dem Gepäckstück.

Abflug in den Urlaub am Frankfurter Flughafen: Sorgen um die Koffer

Um seinen Koffer macht sich auch ein 37-Jähriger aus Frankfurt Sorgen. „Ich will wirklich nicht im Urlaub ohne meine Klamotten dastehen.“ Und ohne Sonnencreme. Und ohne die Badelatschen. Deswegen hat er den Tipp des Frankfurter Flughafens beherzigt, auf schwarzes Reisegepäck zu verzichten, da es die Identifizierung erschwere. „Ich hab mir einen neuen Koffer gekauft“, sagt und dreht das Gepäckstück nicht ohne Stolz demonstrativ einmal um die Achse. Es ist: froschgrün.

An den einen Check-in-Schaltern werden die Schlangen kleiner, an anderen bauen sich neue auf. „Ich verstehe nicht, warum die Leute kein Online-Check-in machen“, sagt eine Frau kopfschüttelnd mit Blick auf die Menge. Dazu könnte ihr die vierköpfige Familie aus Mannheim etwas sagen, die am Mittag nach Brasilien fliegen will und in der Warteschlange steht. „Wir haben es versucht“, sagt der 37-jährige Familienvater. „Aber es hat nicht funktioniert.“ Und so sind auch sie fünf Stunden vorher zum Flughafen gefahren und warten nun seit Stunden.

Familie Straub ist inzwischen am Check-in-Schalter angekommen. Die Koffer können abgegeben werden. Noch 44 Minuten bis zum Abflug. „Ich hoffe“, sagt Marie Straub, „wir schaffen das jetzt.“ Denn eins haben sie noch vor sich: die Sicherheitskontrollen. (Sandra Busch mit dpa)

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