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„Eine Zumutung für alle“: Reisende berichten über das Warten an der Gepäckausgabe

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Von: Jutta Rippegather

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Das Schlangestehen am Flughafen könnte derzeit länger dauern. Renate Hoyer.
Das Schlangestehen am Flughafen könnte derzeit länger dauern. © Renate Hoyer

Reisende bekommen jetzt die Folgen des Personalabbaus am Flughafen zu spüren. Besserung ist zeitnah nicht in Sicht.

Frankfurt – „Wissen die Frankfurter eigentlich, was an ihrem Flughafen los ist?“, fragte Britta Thamm in ihrer Mail an die Frankfurter Rundschau. Seit einer Stunde warte sie auf ihren Koffer. „Dass unser Provinzflughafen in Hannover Probleme hat, ist länger bekannt, dass aber ein so international anerkannter Flughafen es nicht in den Griff bekommt, seinen Passagieren die Koffer auszuhändigen, erstaunt mich doch sehr.“ Nach zehn Stunden im Flugzeug und einer Zeitverschiebung von neun Stunden werde sie jetzt wohl ihren Zug verpassen. „Ich finde das unsäglich, eine Zumutung für alle.“

Ein paar Stunden später am Dienstagabend (21. Juni) erwischte es drei Lanzarote-Urlauberinnen aus dem Kreis Offenbach. Als sie nach einer dreiviertel Stunde endlich ihr Gepäck in den Händen hielten, war die letzte S-Bahn nach Rödermark weg. Sie nahmen ein Taxi.

Langes Warten an der Gepäckausgabe: Personalmangel am Flughafen Frankfurt

Kein Einzelfall, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz. „Die Gepäckausgabe funktioniert häufig nicht, und wir erwarten nicht, dass es in den nächsten Wochen besser wird.“ Nach dem massiven Personalabbau sei das Vor-Corona-Niveau nicht so schnell erreichbar. „Es fehlt Personal, die Krankenquote ist hoch.“ Neueinstellungen müssten durch die Sicherheitsüberprüfung und eingearbeitet werden. Das dauere.

Die Rückkehr der Reiselust stelle die gesamte Branche vor große Herausforderungen, sagt Dieter Hulick, Sprecher der Flughafenbetreiberin Fraport. „Richtig ist, dass uns an einigen Stellen noch nicht wieder in ausreichendem Maß Personal zur Verfügung steht und es daher in Spitzenzeiten zu Wartezeiten in den Terminals und bei den Gepäckausgaben kommen kann.“ Von den 1000 neuen Kolleg:innen, die Konzerntochter Fraground in diesem Jahr für die Gepäck- und Bodenabfertigung gewinnen will, seien bereits rund 870 eingestellt. Rund 100 „administrativ Beschäftigte“ von Fraport würden vorübergehend im operativen Bereich eingesetzt, etwa für Personalfahrten.

Mehr Andrang am Flughafen Frankfurt: Wartezeiten an der Gepäckausgabe

Fraport empfiehlt, zweieinhalb Stunden vor Abflug im Terminal zu sein. Denn es gibt weitere organisatorische Herausforderungen, so Hulick. Die ungleichmäßig auf den Tag verteilten Flüge erschwerten die „ausgewogene Personalgestellung zusätzlich“. Früh am Morgen und kurz vor Mittag sei fast so viel los wie vor der Pandemie. In den Stunden dazwischen nur die Hälfte. „Häufige Flugplanverschiebungen“ – meist durch externe Faktoren wie Wetter oder überfülltem Luftraum – führten zu erhöhtem personellen Aufwand. Airlines streichen deshalb Flüge oder verschieben sie in verkehrsärmere Zeiten, sagt Hulick. Wie viele Flüge insgesamt in Frankfurt betroffen sind, könne er nicht sagen.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin zu den Sicherheitskontrollen. Anders als an manch anderem Flughafen der Republik kommt es dort nicht zu langen Wartezeiten. „Wir haben dort keine gravierenden Probleme“, versichert Reza Ahmari, Sprecher der Bundespolizei. Den Sicherheitsdienstleistern sei es gelungen, während der Corona-Pandemie ihren Personalstand hochzuhalten.

Fluggastrechte

Streicht die Airline den Flug, muss sie laut Verbraucherzentrale eine alternative Beförderung frühstmöglich bieten. Ausgleichszahlungen gibt es laut EU-Fluggastrechte-Verordnung nur bei weniger als 14 Tage vor Abflug.

Bei einer Pauschalreise schuldet der Reiseveranstalter auch die Beförderung zum fix gebuchten Termin. (jur)

Unkomplizierte Hilfe bietet die „Flugärger-App“ der Verbraucherzentralen verbraucherzentrale-hessen.de

Trotz Personalmangel am Flughafen Frankfurt: Sicherheitskontrollen ohne Probleme

Auf den Taxikosten werden die drei Lanzarote-Urlauberinnen übrigens sitzenbleiben: „Auf Entschädigung — zum Beispiel, weil die Passagiere ihr Auto erst später aus dem Parkhaus abholen konnten oder statt Bahnen ein Taxi nehmen mussten — können die Fluggäste nicht hoffen“, sagt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. „Dafür gibt es schlichtweg keine Rechtsgrundlage.“ (Jutta Rippegather)

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