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Viele Bürger haben auf die Sport- und Kulturhalle als Versammlungsort gehofft.

Frankfurt-Unterliederbach

Flüchtlingsheim statt Bürgerhaus

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Die Sport- und Kulturhalle an der Hans-Böckler-Straße soll vorerst Notunterkunft für minderjährige Flüchtlinge werden. Die Stadt stellt die neuen Pläne kommende Woche vor.

Die Sport- und Kulturhalle an der Hans-Böckler-Straße soll vorerst Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden. Das teilt Heinz Alexander vom Arbeitskreis Sport- und Kulturhalle in einem Rundbrief mit. Auch das Frankfurter Sozialdezernat hat am Dienstag eine entsprechende Mitteilung versandt.

„Wir rechnen mit 75 Plätzen; die Betreuung übernimmt die AWO Perspektiven GmbH, die bereits seit vielen Jahren das Valentin-Senger-Haus betreibt“, schreibt Manuela Skotnik, Sprecherin des Dezernats. Die Stadt wolle das Projekt am kommenden Dienstag, 6. Oktober, um 17 Uhr in der Sitzung des Ortsbeirats 6 im Bolongaropalast vorstellen.

Das wird auch notwendig sein. Eigentlich sollte die Konversionsgesellschaft KEG das marode Gebäude nämlich für eine Nutzung für Schulsport und als Versammlungsraum für die Unterliederbacher sanieren. Dafür kämpft der Arbeitskreis Sport- und Kulturhalle seit 2006. Räume für Bürger gibt es im Stadtteil kaum. Die Einwohnerzahl steigt aber kontinuierlich. Entsprechend enttäuscht ist Heinz Alexander nun, dass das Projekt wohl erneut auf Eis liegt. So groß ist der Frust, dass Alexander und der andere Sprecher des Arbeitskreises, Karl Leo Schneeweis, zurücktreten wollen.

Bürger fühlen sich übergangen

Überdies empfehlen sie, den Arbeitskreis aufzulösen. „Wir sind für die Hilfe für Flüchtlingen aus Kriegsgebieten“, schreibt Alexander, „aber gegen falsche Versprechungen der Verantwortlichen der Stadt Frankfurt.“ Noch Anfang des Jahres hatte die Stadt dem Arbeitskreis versichert, dass das Projekt gut vorangehe. Jetzt fühlen sich die Bürger übergangen. „Nur Miteinander und nicht im Alleingang können Probleme der Flüchtlingsunterkunft gelöst und die Akzeptanz bei der Bevölkerung erreicht werden“, betont Alexander.

„Die Nutzung ist von uns befristet gedacht und nicht auf die Ewigkeit angelegt“, entgegnet Manuela Skotnik darauf. Das heiße, die Halle werde später gegebenenfalls auch wieder für andere Nutzungen zur Verfügung stehen. Glücklich sei die Stadt über die Notlösung keineswegs. Die Stadt habe die Entscheidung „nicht leichtfertig“ getroffen.

Doch nach den neusten Prognosen der Bundesregierung sei bis zum Jahresende mit mehr als 2500 weiteren Flüchtlingen in Frankfurt zu rechnen, denen die Stadt Unterkünfte zur Verfügung stellen müsse. Neubauprojekte für solche Unterkünfte seien bereits angestoßen, der Prozess ziehe sich aber hin. Es sei daher unabdingbar, auch „Zwischenlösungen“ zu nutzen.

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