Zuwanderung

Flüchtlingsheim in Frankfurt-Bonames schließt 2021

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
    schließen

Das Flüchtlingheim in Frankfurt-Bonames hat zuletzt für negative Schlagzeilen gesorgt. Nun will das Diakonisches Werk die Unterkunft 2021 aufgeben.

Nach der jüngsten Eskalation in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Bonames ist der Betreiber am Freitag in die Offensive gegangen. Das Diakonische Werk forderte die verantwortlichen Politiker auf, kurzfristig neuen Wohnraum für Flüchtlinge in der Stadt zu schaffen. Es müssten jetzt die Weichen gestellt werden, damit die Übergangseinrichtung zum Ende der vereinbarten Laufzeit Ende 2021 tatsächlich nicht mehr gebraucht werde, forderte Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werks.

Zu lange Aufenthalte

Um die Unterkunft am Alten Flugplatz gibt es seit vielen Monaten Querelen. 2016 war sie als Übergangseinrichtung für zwei Jahre geschaffen worden. Die Küchen sind lediglich mit zwei Aufwärmplatten und einem Kühlschrank ausgestattet. Viel zu wenig für die bis zu achtköpfigen Familien. Wegen der Wohnraumknappheit in der Stadt wird die Einrichtung auch vier Jahre später noch genutzt. Unter den derzeit 64 dort untergebrachten Familien seien 23, die schon seit Juli 2016 mit den widrigen Bedingungen leben müssen. Viele Familien halfen sich selbst und organisierten größere Herde mit vier Platten und Öfen. Doch die Stromversorgung in dem Naturschutzgebiet ist schwierig und nicht für eine derartige Nutzung ausgelegt. Das Diakonische Werk als Betreiber der Einrichtung forderte die Familien aus Brandschutzgründen auf, die Herde nicht mehr zu nutzen und engagierte einen externen Sicherheitsdienst, um das Verbot zu überwachen.

Da sich zwei Familien partout nicht an das Verbot hielten und auch eine Kündigung des Betreibers ignorierten, bat das Diakonische Werk die Stadt als Eigentümer der Unterkunft um Hilfe. „Unsere höchste Verantwortung besteht darin, Gefahr abzuwenden“, warb Frase um Verständnis. Die Stadt ließ die beiden Wohnungen daraufhin am Donnerstag mit Hilfe der Polizei räumen. Die beiden Familien wurden in anderen Einrichtungen untergebracht. Frase betonte allerdings: „Im Moment gibt es nur schlechter ausgestattete Unterkünfte.“ Von den rund 7000 Menschen in Frankfurt, die derzeit eine Wohnung suchen, seien einige noch in Hallen oder Hotels untergebracht.

Keine Nachbelegung mehr

Das Diakonische Werk will nun versuchen, die Belegung der Unterkunft nach und nach zu senken. Am Donnerstag waren dort noch 333 Menschen untergebracht. Ziel sei es, nur noch je vier Personen in den 64 Unterkünften unterzubringen. Mit der Stadt sei vereinbart, die Unterkunft nicht mehr nachzubelegen. Die Suche nach geeigneterem Wohnraum sei aber schwierig, vor allem für Großfamilien. Immerhin eine siebenköpfige Familie sei am Freitag aber in ein neues Domizil am Rebstock umgezogen. Stadtdekan Achim Knecht vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt, zu dem das Diakonische Werk gehört, unterstützt die Bemühung, die Unterkunft am Alten Flugplatz bis Ende 2021 zu räumen: „Von unserer Seite gibt es dort keine weiteren Planungen.“

Kommentare