Bonames

Flüchtlinge aus Frankfurt-Bonames brechen Gespräch ab

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Wegen Problemen mit der Strom- und Warmwasserversorgung sind Flüchtlinge in Frankfurt-Bonames unzufrieden mit ihrer Unterkunft. Ein Gespräch mit Politik, Diakonie und Polizei brechen sie am Montag frühzeitig ab.

Die Stimmung in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Alten Flugplatz Bonames bleibt angespannt. Am Montag sprachen Vertreter der Stadt, der Diakonie sowie Mitglieder der Ortsbeiräte und die Polizei mit fünf Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtung. Nach gut anderthalb Stunden teils hitziger Diskussion verließen die geflüchteten Menschen den Raum und brachen das Gespräch ab. Anschließend gab es eine Ansammlung vor der Unterkunft. Die Polizei war vor Ort.

Zuvor hatte Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement ein paar Ergebnisse zu möglichen Verbesserungen in der Einrichtung genannt. Sie sagte auch, dass noch nicht alle Prüfungen abgeschlossen seien. Die Wasserschäden und undichten Dächer bei einigen Modulen würden derzeit repariert. Der Grund für die Mängel seien falsch montierte Regenrinnen gewesen.

Bei der Stromversorgung will die Stadt nochmals 250 000 Euro investieren, um in jede Wohnung eine eigene Sicherung einzubauen. Dadurch könnte es dann möglich sein, dass die Flüchtlinge mehr als nur zwei Herdplatten nutzen können, beispielsweise einen kleinen Backofen. Zumindest würde aber bei einer Überlastung nicht mehr der Strom in der ganzen Einrichtung ausfallen. In den vergangenen Monaten habe es schon zwei Kabelbrände in der Unterkunft gegeben.

Beim oft fehlenden Warmwasser vermutet die Stadt, dass zu viele Leute gleichzeitig duschen und spülen. Eine Lösung könnte sein, dass man sich abspreche, wann wer duscht. Diese Lösung fanden die Bewohnerinnen und Bewohner nicht realistisch.

Die Unzufriedenheit der Flüchtlingsvertreterinnen und -vertreter war spür - und hörbar. Bewohnerin Soma Raschid ärgerte am meisten, dass die Stadt zwei Jahre lang nichts unternommen habe. „Es gibt seit Jahren Beschwerden, doch nie hat sich etwas verändert. Warum wird erst jetzt etwas getan?“ Sie selbst habe sich mehrmals über unterschiedlichste Mängel und Missstände beschwert. Sie warf der Diakonie vor, die Beschwerden nicht an die Stadt weitergeleitet zu haben.

Sabine Kalinock, Leiterin des Arbeitsbereichs Flucht und Integration bei der Diakonie, sagte hingegen: „Wir sind immer im Austausch mit der Stadt gewesen.“ Es seien auch nicht alle der 333 Menschen in der Unterkunft unzufrieden.

Für viel Unmut sorgt in Bonames, dass man keine eigene Wohnung bekomme – ein großes Problem in Frankfurt. Die Stadt bot an, unzufriedene Familien könnten in andere Einrichtungen ziehen, die aber nicht immer besser als der Alte Flugplatz seien. Acht Familien sollen bis September jedoch in bessere Unterkünfte umziehen können. Die Verzweiflung vieler anderer bleibt vermutlich trotzdem.

Ein Insider erhebt schwere Vorwürfe gegen die Diakonie Frankfurt - diese sei für die miserablen Zustände in der Unterkunft Bonames verantwortlich.

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